56 Cent pro Stunde für Kellnerin

Dienstag, 17. Februar 2009-15:50 -|-Thema: Steht auf !

Warning Noch weniger geht kaum noch: In Stralsund beschäftigt ein Gastwirt eine Kellnerin zum Brutto-Stundenlohn von 56 Cent. Ein Bestattungshelfer wird in der Hansestadt mit 1,52 Euro pro Stunde abgespeist, ein Taxifahrer erhält 1,12 Euro und ein Zimmermädchen 1,45 Euro.

Unglaublich, aber wahr – die Stralsunder Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung Langzeitarbeitsloser (Arge) hat solche Fälle dokumentiert. Die Kellnerin ist Negativ-Spitzenreiterin in einer Liste von etwa 500 Arbeitnehmern, die einen äußerst niedrigen Lohn erhalten und mit Hartz-IV-Leistungen „aufstocken“ müssen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Arge Stralsund ist bislang die einzige in MV, die solche Fälle öffentlich anprangert und juristisch gegen sie vorgeht.

Gegen ein Stralsunder Fischrestaurant zog die Arge vors Arbeits-gericht – und gewann. Zwei Servierkräfte und ein Koch waren mit Stundenlöhnen von unter drei Euro und teilweise sogar unter einem Euro bezahlt worden. Das ist sittenwidrig, entschied das Gericht und verurteilte den Betreiber zur Zahlung von 6000 Euro an die Arge. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es ist der bundesweit erste bekannt gewordene Fall, bei dem eine Arge gegen eine Firma unter dem Vorwurf des Lohndumpings geklagt hatte.

„Es ist unmenschlich und unverantwortlich, wie diese Menschen abgezockt werden“, sagt Peter Deutschland, Chef des DGB-Nord, über die Dumpinglöhne. Er fordert die Einschaltung der Staats-anwaltschaft, damit Verantwortliche strafrechtlich verfolgt werden können. Der Arbeitslosenverband erneuerte seine Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn. (Quelle: Ostsee-Zeitung.de)

Ich würde mich nicht scheuen, solche Arbeitgeber namentlich bei der Arge zu benennen.

Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann sage es bitte weiter... Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Facebook
  • NewsVine
  • Technorati
  • TwitThis
  • Wikio DE
  • Furl
  • Google Bookmarks

Ähnliche Beiträge


Tags »   , , «

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Steht auf !Beitrag drucken |
gelesen: 647 · heute: 3 · zuletzt: 12. März 2010

Diesen Beitrag kommentieren.

11 Kommentare

  1. Eigentlich kennen die ARGEn ja diese Firmen, denn die Empfänger müssen doch ihre Einkommensverhältnisse (und Arbeitstätigkeiten) offenlegen. Also wäre es ein leichtes es den Stralsundern nachzumachen.
    Und ich sehe es genauso: die Betriebe und Firmen die unter Niveau bezahlen müssen öffentlich mit Namen, Anschrift und Stundenlöhnen genannt werden, damit der KUnde weiß wo er NICHT hinzugehen hat.

  2. Was wollen die Leute denn?Das ist Kapitalismus,die für die meisten einzig vorstellbare Gesellschaftsform.Sag doch mal laut “der Kapitalismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit”,da schaun sie dann deppert.Wird Zeit auf die Straße zu gehen und das nicht nur mit behördlicher Genehmigung.

  3. @Pit:
    ZITAT.”Sag doch mal laut “der Kapitalismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit”,da schaun sie dann deppert.”

    Da kann man auch nicht anders gucken. Mit so einem Satz kann man nun mal keine Änderung für das alltägliche Leben bewirken. Das aber wäre nötig!

    Tatsächlich ließe sich schneller etwas bewegen, wenn sämtliche Leute, die in derartigen Jobs landen, dies öffentlich machten und auch gerichtlich dagegen angehen würden.

    Um zu wissen, dass man gegen diese Dumping-Jobs vorgehen kann, hilft keine politische Haltung zu dem ganzen Mist, der uns allen hier angetan wird (es ist natürlich auch nicht schädlich, eine zu haben), sondern Kenntnisse über Handlungsmöglichkeiten und Leute, die das jeweilige Vorgehen unterstützen.

    Das hier eine Institution mal reagiert, kann ich nur begrüßen! Die AA/JC müssten jetzt nur noch sämtlich dazu gebracht werden, dass solche Schweinjobs von ihnen gar nicht mehr vermittelt werden.

    An dieser Stelle sehe ich allerdings schwarz! In den ARGE-Job-Angeboten findet sich viel zu häufig der Vermerk: ‘Vergütung nach Vereinbarung’. Was da meistens hinter steht, kann man sich ja denken – aber eben auch nur diejenigen, die sich damit bereits auskennen.

    Jeder ist mal neu im Geschäft(!) – die Chance solch fieser Arbeitgeber. Mit Unterstützung der JobCenter, die einen nötigen, jeden Schrott anzunehmen.

    Naja, Schluss jetzt erstmal!

    LG Else

  4. Hartz 4 MUSS WEG!

    Nur danke Hartz 4 ist sowas möglich!

  5. 5
    Michael Koren 
    Freitag, 20. Februar 2009

    Es geht mit Hilfe des Staates sogar noch billiger. Betrachten wir das oben genannte Fallbeispiel der Kellnerin einmal mit ganz nüchternen Zahlen:

    0,56 Euro x 8 Arbeitsstunden = 4,48 Euro pro Tag
    4,48 Euro x 7 Tage = 31,36 Euro pro Woche
    31,36 Euro x 4 Wochen = 125,44 Euro pro Monat
    125,44 Euro x 12 Monate =1.505,28 Euro pro Jahr

    Ihr Arbeitgeber kann selbst bei diesem sittenwidrigen Lohn einen so genannten Eingliederungszuschuss beim Jobcenter beantragen. Die Förderdauer beträgt in der Regel 12 Monate und die Förderhöhe liegt zwischen 30 bis 70 Prozent. Bei einem monatlichen Bruttoarbeitslohn in Höhe von 125,44 Euro wären das also 62,72 Euro (50 %), die der Arbeitgeber für die Kellnerin vom Jobcenter erhält.

    Schön, das es Hartz IV gibt. ;-)

  6. @Michael Koren
    Deinen Ausführungen braucht es keiner weiteren Erklärungen. Danke für Deine Meinung.

  7. Also, es gibt auch Leute die bekommen 0€ pro Stunde, die Arbeiten nämlich ehrenamtlich.

  8. @Pit + @Else Est
    Ich kann nichts negatives daran finden, wenn jemand Tacheles redet, und das Kind beim Namen nennt. Der teilweise illegale Freiraum den die Argen haben kommt schließlich aus politischer Küche. Drumherum reden hilft da nicht weiter, und führt letztendlich nur zu weiterer Akzeptanz, weil zwar viel geschimpft, – aber nichts getan wird.
    Denn siehe:
    Die Arge Stralsund ist bislang die einzige in MV, die solche Fälle öffentlich anprangert und juristisch gegen sie vorgeht.

  1. [...] aus der vom Gier zerfressenen Hirnödland von Hartz, Schröder und Fischer waren gestern, auf zu den 56-Cent-Jobs. [...]

  2. [...] Cent pro Stunde für Kellnerin – Womblog Noch weniger geht kaum noch: In Stralsund beschäftigt ein Gastwirt eine Kellnerin zum [...]

  3. Gefühllos, aber nicht mittellos: künstliches Grosshirn Mißfelder quatscht Regierung weiter nach unten…

    Der Vorsitzende der “Jungen Union”, Phillip Mißfelder, hat es abgelehnt sich für seine Tritte gegen die Armen in der Republik zu entschuldigen. Dabei hätte er wissen müssen, dass ihm zustimmende Bürger genauso gut SPD w…

Kommentar abgeben

Hinweis:Kommentare werden moderiert. Es kann also unter Umständen etwas dauern, bis Dein Kommentar erscheint.

  • Impressum/Über uns