Sex, Nazis und Arbeitsanreize

Dienstag, 26. Mai 2009-9:25 -|-Thema: Deutschland

Von Eifelphilosoph | – Ein sonderbares Fundstück führt mich zu einem sonderbaren Thema … und noch sonderbareren Perspektiven:Überleben im KZ-Bordell

Die Häftlingsbordelle wurden als "Arbeitsanreiz" auf Anweisung des damaligen Reichsführers SS Heinrich Himmler erbaut. Er führte, unterstützt von der Industrie, in den KZ ein Prämiensystem ein, demnach "besondere Leistungen" von KZ-Insassen mit Hafterleichterung, Verpflegungszulagen, Geldprämien, Tabak oder eben Bordellbesuchen belohnt werden sollten. Man muss als Hintergrund dazu wissen, dass das NS-Regime im "Dritten Reich2 keineswegs die Prostitution verboten oder entschieden bekämpft hat. Vielmehr hat man sich, vor allem nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, auf die totale Überwachung der Prostitution im "Altreich" aber auch in den besetzten Gebieten konzentriert. Damals überzog ein flächendeckendes System von staatlich kontrollierten Bordellen halb Europa. Es bestand aus zivilen, militärischen sowie Bordellen für Zwangsarbeiter ? und erstreckte sich auch bis in das System der Konzentrationslager hinein.

Ist ja schon irgendwie faszinierend, wie die "Saubermänner" des rechten Randes der Politik zu diesem Thema standen … sofern man damit verdienen kann und es unter staatliche Aufsicht stellt, scheint das ja völlig ok gewesen zu sein. Sogar, um Arbeitsanreize für Lagerinsassen zu schaffen. Und ich dachte immer,
das Erschießungskommando sei Arbeitsanreiz genug gewesen. Da habe ich mich wohl geirrt. Oder aber: die "besonderen Leistungen" sind mir nicht ganz … verständlich. Wo kamen nun die Damen her, die die "besonderen Leistungen" vergüten durften?

Die meisten der späteren "Bordellfrauen" waren "Reichsdeutsche" zwischen 17 und 35 Jahre alt, es wurden aber auch Polinnen, Weißrussinnen und Ukrainerinnen ausgewählt. Viele von ihnen waren als sogenannte "Asoziale" verhaftet worden und trugen im Lager den schwarzen Winkel, zum Beispiel weil sie den Arbeitsdienst verweigert hatten.

Aha. Sozialschmarotzer. Asoziale. Wie man hört, haben wir die heute auch. Haben nur keinen schwarzen Winkel….noch nicht.

Dies war eine ganz besonders perfide Form nationalsozialistischer Gewalt, die SS hat in den Lagerbordellen versucht, Häftlinge zu Mittätern zu machen.

Nun, Arbeitsanreize spielen ja auch in unserer Kultur eine zentrale Rolle. Perfide Formen von Gewalt … auch.

Also, ob Müntefering, Schröder, Sarrazin und Missfelder auch an solche Maßnahmen denken, wenn sie über stärkere Arbeitsanreize nachdenken? Ich meine, Münteferings Ansatz war ja noch vor kurzer Zeit, Langzeitarbeitslosen das Essen zu streichen.

http://www.zeit.de/online/2006/20/Schreiner

Sarrazin wollte sie lieber frieren lassen und sie an der Fortpflanzung hindern, Missfelder wollte Alkohol und Nikotin streichen, andere waren für Lebensmittelgutscheine und manche halten selbst das noch für zu viel.

Vielleicht, da ja unsere Sozialpolitiker bei der Behandlung von Langzeitarbeitslosen wie es den Anschein macht gerne mal eine Anleihe an das Gedankengut des Dritten Reiches vornehmen, sollten sie in dieser Hinsicht auch mal nachdenken.

Wie es scheint: funktionieren ja auch positive Arbeitsanreize. Sogar im Konzentrationslager.
Eine interessante Perspektive.

Wie es aussieht … könnte man allerdings fast meinen, die Meinung der SS von den Lagerinsassen war besser, als die Meinung gewisser Politiker von Langzeitarbeitslosen, denn diese scheinen ja nur durch negative Anreize motivier bar zu sein.

Wollen wir mal lieber nicht zu weit denken in diese Richtung, sonst … kommen "die" noch auf ganz sonderbare Ideen und berufen sich … auf mich.

Aber … das die SS ein positiveres Menschenbild hatte als gewisse führende Sozialdemokraten … gibt mir schon sehr zu denken.

Quellennachweis: Eifelphilosoph

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