Ultimate Fighting – Die endgültige Verrohung

Dienstag, 16. Juni 2009-8:27 -|-Thema: Gesellschaft

Von Julien Germain | Readers Edition | – Das Ende der “Menschlichkeit” In Köln fand am 13. Juni 2009 das erste deutsche “Ultimate Fighting“-Spektakel in der Lanxess-Arena statt. Die Veranstaltungsstätte, deren Tickets zwischen 55 und 285 Euro kosteten und nur für Erwachsene ab 18 Jahren ausgegeben wurden, war restlos ausverkauft und bewies damit, dass es auch in Deutschland ein großes Potential für die ultimative Gewaltverherrlichung gibt, die dem ohnehin hohen Klientel für angewandte Gewalt auf Deutschlands Schulhöfen und Straßen zudem auch noch als beispielloses Vorbild unkontrollierter Zerstörung dient.

Was ist “Ultimate Fighting”?

Ultimate Fighting kommt aus den USA, ist dort bereits ein Milliardengeschäft und wird als Zweikampf in einem großräumigen Käfig, wie etwa bei einem Hahnenkampf veranstaltet, hat im Gegensatz zum Boxen kaum Regeln und fordert als oberste Priorität: Draufhauen bis das Blut spritzt! Rohe Gewalt, die die endgültige Verrohung der Menschheit zur Folge hat und uns in die unmittelbare Nähe längst vergangener Epochen führt: Willkommen im Neandertal!

Als solches würde man seitens der Veranstalter “Ultimate Fighting” gern als Sportart verkaufen, kann aber allenfalls darüber froh und glücklich sein, dass sie sich wenigstens nicht den Tierschutzverbänden gegenüber verantworten müssen, die man schließlich nur bei Hahnen- oder Hundekämpfen auf den Plan gerufen hätte. Dass der Mensch im Grunde aber auch nur eine bestimmte Wildtierrasse darstellt, was diese Form von Körperzerstörungskämpfen ganz beispiellos unter Beweis stellt, ist eine Tatsache, derer sich unsere Tierschutzvereine dringend erinnern und zuständigkeitshalber annehmen sollten. Sonst wird es ganz sicherlich nicht mehr lange dauern, bis sich auch bei uns wieder die Gladiatoren in deutschen Arenen ein gefühlsfreies Gemetzel liefern, amtierende Kanzler und Bundespräsidenten in der ersten Zuschauerreihe die Daumen je nach Laune nach oben oder unten bewegen und der Unterlegene seines Hauptes dauerhaft entledigt wird. Der Grundstein dazu wurde damit gelegt.

Wie krank ist die menschliche Seele?

Zur Rettung des menschlichen Anteils, der die Menschen von den Tieren unterscheiden soll, sei hier noch erwähnt, dass sich große Teile der Öffentlichkeit, darunter auch mögliche Sponsoren, gegen das Stattfinden dieses Spektakels ausgesprochen hatten, sich dennoch im Falle der deutschen Ur(wald)aufführung mit ihrem Ansinnen nicht durchsetzen konnten. Der 63-jährige Veranstalter Marek Lieberberg, ein seit über 40 Jahren beruflicher Event-Profi und eigentlicher Konzertveranstalter, äußerte sich gegenüber dem “stern“, dass es aufgrund seiner Kölner Veranstaltung zu einer Art Hexenjagd auf ihn und damit zu einer unberechtigten Hysterie um den EFC-Event gekommen sei. Außerdem führe das Boxen zu schwerwiegenderen Verletzungen, als dies bei Ultimate Fighting der Fall sei. (Anmerkung: Dass es sich hier offensichtlich um eine finanzielle Verletzung in Hinsicht auf den zu erwartenden Umsatz an der Veranstaltung handelt, erwähnte er erwartungsgemäß nicht). Auch entspräche beispielsweise die Altersbeschränkung, nur volljährige Zuschauer zuzulassen, der freiwilligen Basis seinerselbst, da er vom Kölner Jugendamt darum gebeten worden sei. Weder das Kölner Ordnungsamt noch das nordrhein-westfälische Innenministerium hätten hier im Vorwege auf eine Jugendgefährdung erkannt.

Nun, dass in verantwortungsvollen Positionen bei Weitem nicht immer auch verantwortungsvolle Charaktere oder fähige Köpfe verwalten und entscheiden, ist uns hinlänglich bekannt. Wie krank aber möglicherweise schon deren eigene Seelen sind, um die Gefährdung und die seelische Vergiftung, schlichtweg um die sehr eindeutige Gewaltverherrlichung nicht zu erkennen, entzieht sich zwar unserer Kenntnis, lässt dennoch ein beängstigendes und bereits fortgeschrittenes Stadium bei den Verantwortlichen mutmaßen. Abschließend sei hierzu gesagt, dass ernsthaft Erkrankte bis zur Gesundung behandelt werden müssten, bevor sie ihrer beruflichen Tätigkeit weiter nachgehen sollten oder können. Es wird um Nachbesserung gebeten…

“Man muss diesen Wahnsinn verbieten”

Box-Experte, Autor und Kabarettist Werner Schneyder erkennt in der Mixed-Martial-Arts-Veranstaltung ebenfalls keine Sportart, was unseren uneingeschränkten Beifall verdient. So scheint auch ihm der Wellensittich im Käfig ein angenehmerer Zeitgenosse zu sein, als zwei “menschliche” Kampfhähne hinter Gittern, deren Flügelschlag der Massivverletzung oder gar Eliminierung des Gegners dienen soll. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegenüber äußerte er unter anderem:

“Ultimate Fighting ist eine Anleitung zur Unbedenklichkeit von Gewalt – das ist in einer Gesellschaft, die darunter leidet, dass es auf Schulhöfen immer brutaler zugeht, absolut unverantwortlich. Dieser ‘Sport’ brutalisiert und betrügt gleichzeitig. Denn wenn die ‘Regeln’, die Ultimate Fighting verkündet, ernst genommen würden, hätten wir Tote und Querschnittsgelähmte. Dann ginge diesem perversen Zirkus das Menschenmaterial aus. (…) Wenn eine Gesellschaft die öffentliche Propagierung dieser Gewalt durch missverstandene Liberalität in Kauf nimmt, dann macht sie sich schuldig. Es gibt nur eine Möglichkeit: Man muss diesen Wahnsinn verbieten.”

Weiter macht Schneyder aufmerksam: “Sollte es zu einer Klage kommen und dieser Arena-Mann gewinnen, dann kann man der deutschen Justiz nicht mehr helfen. Wir haben da die gleiche Problematik wie bei den Naziaufmärschen. Wenn eine Gesellschaft, eine Bürgerschaft sagt, sie wünscht das nicht, aber nicht in der Lage ist, dieses Wünschen, dieses Wollen in die Tat umzusetzen, gibt sie sich auf. Einem Veranstalter wie Lieberberg, der sich an so etwas beteiligt, müsste man sofort den Gewerbeschein entziehen.”

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Bleibt uns allenfalls die Hoffnung, dass die Gesellschaft an dieser Erkenntnis gesundet und statt Kämpfer des Ultimate Fightings die verantwortlichen der Zerstörung unserer kultiviert-zivilisierten Gesellschaft hinter Gitter bringt.

Quellennachweis: Readers Edition

Dieser Beitrag steht unter einer Creative Commons-Lizenz.

Danke an Julie von Mein Politik-Blog für den Hinweis auf diesen Artikel

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