Die Kieler Militärtest-Woche

Donnerstag, 25. Juni 2009-9:56 -|-Thema: Deutschland, Ticker

German Foreign Policy | – Am heutigen Donnerstag beendet die Bundeswehr die mehrtägige Erprobung eines neuen Militärradars auf der Kieler Woche. Das als "Sommerfest" beworbene Segelevent, zu dem rund drei Millionen Besucher erwartet werden, sei für einen Radar-Belastungstest geeignet, […]

… weil "unzählige Wasser- und Luftfahrzeuge unterwegs" seien, teilt die Kriegsmarine über die Nutzung von Sportlern und Touristen zu militärischen Testzwecken mit. Das neue Radarsystem ("LEXXWAR") soll feindliche Kämpfer in Schlauch- und Speedbooten orten können und wird unter anderem zur Aufstandsbekämpfung benötigt. Daneben nutzt die Marine die Kieler Woche auch dieses Jahr für PR-Zwecke: Viele Kriegsschiffe können besichtigt werden, eine Kranzniederlegung fand beim 1936 eingeweihten Marine-Ehrenmal in Laboe nahe Kiel statt. Zu den Marinefahrzeugen, die auf der Kieler Woche präsentiert werden, gehört neben einem US-Kommandoschiff aus den Kriegen gegen Jugoslawien und den Irak auch die Fregatte Karlsruhe, die an fast allen wichtigen Operationen der Bundesmarine seit 1990 teilgenommen hat. Die Stadt Karlsruhe unterhält eine offizielle Patenschaft zu ihr; in diesem Rahmen wurden bereits Kinderfreizeiten auf dem Kriegsschiff durchgeführt.

Belastungstest

Am heutigen Donnerstag beendet die Bundeswehr die Erprobung des neuen Militärradars LEXXWAR auf der Kieler Woche. Die Testphase hat mit dem Aufbau der mobilen Radaranlage am 15. Juni begonnen und läuft seit Wochenbeginn täglich mehrere Stunden im Normalbetrieb. Erfasst werden Luft- und Wasserfahrzeuge, darunter Sportsegler. Die Kieler Woche gilt als die größte Segelsportveranstaltung der Welt sowie als größtes Sommerfest im Norden Europas. Es werden Sportler aus rund 50 Staaten und zahlreiche Touristen aus dem Ausland erwartet. Die deutsche Kriegsmarine macht sich das Massenereignis zunutze, um LEXXWAR auf seine Leistungsfähigkeit zu prüfen – mit unfreiwilliger Hilfe ahnungsloser Teilnehmer sowie Gäste. "Wir wollen testen, wie viele Kontakte auf dem Wasser und in der Luft von der Technik und auch von den Bedienern verarbeitet werden können", erklärt ein Fregattenkapitän.[1] Zu diesem Zweck würden inmitten der Kieler-Woche-Schiffe zwei Speedboote und zwei Segeljachten der Marine platziert – als fiktive "Terroristen". Sie sollten mit Hilfe des Militärradars aufgespürt werden.

NATO-Programm

Bei LEXXWAR ("Longterm Experimental Setup For Asymmetrics Warfare") handelt es sich um ein neuartiges Radarsystem, das auch Schlauch- und Speedboote aufspüren kann. Mit ihm sollen Hafeneinfahrten oder Meerengen wie Bab al-Mandab – die Meerenge bei Dschibuti, wo die Bundesmarine zur Zeit im Einsatz ist – überwacht werden. LEXXWAR kann Bootstypen, Geschwindigkeiten und Kurse identifizieren; es ist damit zur Piraten-, aber auch zur Aufstandsbekämpfung in Küstengebieten geeignet. Entwickelt wird das System von der deutschen Industrie, darunter die Bremer Rüstungsfirma Atlas Elektronik, die für LEXXWAR spezielle Software zur Lagebilddarstellung erarbeitet – ähnlich dem Führungs- und Waffeneinsatzsystem der neuen Fregatte F 125. Das jetzt in Kiel getestete Radarsystem ist Teil eines Entwicklungsprogramms der NATO ("Technology for Intelligence, Surveillance, Reconaissance and Target Acquisition of Terrorists", ISRTA), für das Deutschland innerhalb des westlichen Kriegsbündnisses die Führung übernommen hat.

Einsatzradius

Die deutsche Kriegsmarine nutzt die diesjährige Kieler Woche nicht nur als LEXXWAR-Testszenario mit Gratis-Statisten, sondern auch – wie üblich – zu PR-Zwecken. Zahlreiche Marineschiffe konnten besichtigt werden, darunter die Fregatte Karlsruhe, die den seit 1990 stark gewachsenen Einsatzradius der deutschen Kriegsmarine verkörpert. Nach ihrem ersten Einsatz 1993, der im Mittelmeer stattfand und der Überwachung des Embargos gegen Jugoslawien diente, holte sie 1994 deutsche Soldaten aus Somalia heim – und durchfuhr dabei erstmals den Suezkanal, eine Passage, die mittlerweile fast zum Marinealltag gehört. Seit 2001 ist das Schiff regelmäßig vor dem Horn von Afrika (OEF, Atalanta) oder vor der Küste des Libanon im Einsatz. Die Stadt Karlsruhe unterhält eine offizielle Patenschaft zu dem Kriegsschiff, die durch Besuche, durch Kinderfreizeiten auf der Fregatte und einen in Karlsruhe ansässigen "Freundeskreis" praktisch umgesetzt wird.[2]

US-Kommandoschiff

Neben der Fregatte Karlsruhe konnten Besucher der diesjährigen Kieler Woche Marineschiffe aus elf Staaten beobachten, darunter die USS Mount Whitney, ein US-Kommandoschiff für amphibische Kriegführung. Es hatte eine zentrale Rolle in der US-Kommandostruktur für die Kriege gegen Jugoslawien (1999) und den Irak (ab 2003) inne. Zuletzt erregte die USS Mount Whitney Aufsehen, als sie im September 2008 nach dem Krieg zwischen Russland und Georgien ins Schwarze Meer entsandt wurde – unter dem Vorwand, Hilfsgüter zu liefern. Der Vorgang sorgte damals für erhebliche Spannungen zwischen Moskau und Washington.[3]

Moralische Munition

Eine Neuerung in der diesjährigen Marine-PR ist ein "Sonderfeldpostamt", das am vergangenen Wochenende auf dem Kieler Marinestützpunkt eingerichtet worden war. Die Maßnahme, zuvor auf einer PR-Veranstaltung der Marine in Rostock-Warnemünde erprobt, wird als erfolgreich beurteilt und soll in Zukunft wiederholt werden. Sie dient dazu, die Beziehung zwischen den Militärs in den Operationsgebieten und der deutschen Zivilbevölkerung zu intensivieren. Mehrere Tausend Kieler-Woche-Besucher haben die Gelegenheit genutzt, "um einen spontanen Brief- oder Kartengruß" an die Soldaten "auf den Weg zu bringen", teilt die Marine mit.[4] Die Kontaktpflege in die Kriegsgebiete, die im vergangenen Jahr mit 890.000 Briefsendungen und beinahe 220.000 Päckchen und Paketen das Niveau einer 60.000-Einwohner-Stadt erreicht hat, wird von der Bundeswehr sehr ernst genommen: "Feldpost", heißt es, "ist Munition für die Moral der Truppe."[5]

Weitere Informationen über die deutsche Marine finden Sie hier: Seekrieger (I), Seekrieger (II), Expeditionary Navy, Seemacht (I), Seemacht (II), Modelleinsatz vor Somalia, Seekriege und Kriege in Küstengewässern.

[1] Kieler Woche als Übungsplatz; Kieler Nachrichten 17.06.2009
[2] Patenschaften der Stadt Karlsruhe; www.karlsruhe.de
[3] s. auch Außer Kontrolle
[4] Kieler Woche 2009 bricht alle Rekorde; www.marine.de 29.06.2009
[5] Sonderfeldpostamt im Marinestützpunkt Kiel; www.marine.de 12.06.2009. S. auch Kriegslogistiker

Quellennachweis: German Foreign Policy

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gelesen: 352 · heute: 2 · zuletzt: 17. März 2010

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Keine Kommentare

  1. Schade, wenn man keine Ahnung von sowas hat, sollte man keine Artikel schreiben.
    1. Wir haben schon seit über 50 Jahren keine Kriegsmarine mehr.
    2. Lexxware ist kein Radar, sondern beurteilt nur die Lage.Es bekommt die Daten von anderen Radargeräten, z. B. LÜR.

    So zieht es sich durch die ganze Erstattung

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