Mit Quelle Bertelsmann und Springer subventionieren und Opel nachwinken
Sonntag, 28. Juni 2009-8:04 -|-Thema: Deutschland, Wirtschaft
Von Jochen Hoff | Duckhome | – Seehofer hat sich den politischen Hut für die Quelle Rettung aufgesetzt freut sich Quelle-Chef Konrad Hilbers. Nicht ganz so sehr freut es ihn, dass Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sofort losrannte und dem Seehofer den Hut wieder vom Kopf schlug.
Nicht nur, dass er die Bürgschaft verweigern ließ, auch für den Massekredit sieht er nicht genügend Sicherheit um 50 Millionen rauszurücken.
Damit liegt er nicht einmal falsch. Was mag die Lagerware von Quelle wohl wert sein, wenn sie nach dem Ende an die Postenhändler geht. 50 Millionen Euro sicher nicht, wahrscheinlich nicht einmal 5 Millionen. Die Lagerregale und Sortierstrecken bringen vielleicht noch den Schrottwert, aber der ist auch fast bei Null, dank Weltwirtschaftskrise und Verschrottungsprämie. Wem die Immobilien gehören, muss auch erst einmal geklärt werden, aber selbst wenn sie noch bei Quelle in den Büchern sind, wer braucht leere Hallen, in Zeiten in denen die Wirtschaft so massiv schrumpft.
Natürlich wäre es für Sachsen und Bayern grausam, wenn die Quelle Mitarbeiter ihren Job verlieren. Für die Arbeitnehmer und ihre Familien wäre es ein Drama. Die CDU bzw. die CSU könnten für die Bundestagswahl stimmen verlieren. Aber rechtfertigt das, dass 50 Millionen im ersten Atemzug verbrannt werden. Wohl kaum. Dabei sah alles doch schon so gut aus. Bayern hat Berlin bewusst missverstanden und Hilbers hatte ja schon am Freitag, ohne wirklich über Geld zu verfügen den neuen Quellekatalog bestellt.
Unter normalen Kaufleuten nennt man so etwas einen Eingehungsbetrug, weil aufgrund der wirtschaftlichen Lage schon ersichtlich war, dass der Katalog vermutlich nicht bezahlt werden kann. Das muss also auch dem Auftragnehmer, der Bertelsmann-Tochter Prinovis bekannt gewesen sein. Aber der Springer Konzern der an dem Unternehmen mit 25,1 Prozent der Anteile hat ja schon im vorigen Jahr 60 Millionen Euro auf diese Beteiligung abgeschrieben.
Rechnet man Bertelsmann die gleiche Abschreibung zu, so hat der deutsche Steuerzahler bereits im vergangenen Jahr rund 240 Millionen für Prinovis opfern dürfen. Denn Abschreibungen sind nichts anderes als Verkürzungen der eigenen Steuerlast. Die Allgemeinheit bekommt also weniger Steuern, als sie bekommen hätte, wäre in dem Unternehmen ordentlich gewirtschaftet worden.
Deshalb verwundert es jetzt ein wenig, dass es nicht einmal einen Massekredit für Quelle gibt. Denn von den fünfzig Millionen die dafür im Gespräch sind, gehen wohl um die 20 – 30 Millionen für den Katalogdruck drauf. Wenn Prinovis die nicht von Quelle bekommt, dann schreiben die Inhaber eben diese Summe ab. Vermutlich machen sie eh beides.
Interessant ist das Treiben des Ministers Guttenberg. Seine Taktik ist nicht zu begreifen. Auf die 50 Millionen kommt es in diesen Tagen doch gar nicht mehr an. Auf dieser Welt wird doch gar nicht mehr in Millionen gedacht. Da geht es nur noch um Milliarden. Warum also ist der Freiherr der gar nicht so frei zu sein scheint, dann so kleinlich. Ist Quelle nicht einmal bis zur Bundestagswahl zu retten? Will er den Seehofer in die Wüste schicken und selbst als bayrischer Regierungschef sich aus dem Berliner Chaos retten?
Mal im Ernst. Wer möchte in der nächsten Legislaturperiode schon Wirtschaftsminister in Berlin sein. Höchstens ein Masochist. Der Fall der Weltwirtschaft wird tiefer sein als bei der großen Depression. Genau wie damals gibt es immer mal wieder ein paar Zwischenerholungen, aber nichts grundsätzlich neues. Selbst wenn dann irgendwann die nächste Aufschwungphase beginnt, wird sie quälend langsam sein und auch bei der nächsten Bundestagswahl keine Freude machen.
Der Freiherr von und zu Guttenberg, wäre gut beraten sich in die bayrische Heimat zurückzuziehen, wo die Uhren und die Geister bekanntermaßen noch völlig anders ticken. Die Industrie in Bayern ist ja schon seit langem praktisch ausgestorben und da kann er dann hoffen zu überwintern ohne mit Angela Merkel in den Abgrund gezogen zu werden.
Vor allem kann er immer mit Recht darauf verweisen, dass die Hilfen ja eh nichts gebracht hätten. Mit etwas Pech explodiert der Frau Merkel und dem Herrn Koch nämlich auch noch Opel unter den Händen, bevor es zur Bundestagswahl kommt. Wie die WAZ berichtet und wie es auch von Seiten Opels bestätigt wird, verliert Opel täglich zwischen 5 und 6 Millionen Euro. Das ist mehr als geplant.
So reichen die 1,5 Milliarden vom Steuerzahler vermutlich nicht einmal bis zur Wahl. Da sich der Fehlbetrag aber auch ständig erhöht, könnte schon Mitte August das Totenglöckchen läuten. Wie megapeinlich das wäre, könnte man dann sicher auch am Wahlergebnis ablesen. Man müsste also zügig die Beihilfe erhöhen, steht sich aber dabei selbst im Wege. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Herrschaften da heraus winden.
Vermutlich werden sie einfach lügen und betrügen. Das können sie ja alle sehr gut.
Quellennachweis: Netzwerkpartner Jochen Hoff von Duckhome











