Die deutsche Krankheit: Das “Sozialistische Unbewusste” (Teil 1)
Dienstag, 30. Juni 2009-13:37 -|-Thema: Deutschland, Die Linke, Gesellschaft, Politik
Von Kai Beisswenger | Reader Edition | – Kai Beisswenger über den „sozialistischen Virus“ im Unbewussten des Deutschen. Der erste Teil handelt vom Verlust der Gerechtigkeit. Einer Umfrage des Allensbach-Instituts zufolge meinten im Jahre 2007 etwa 46 Prozent der Befragten in Westdeutschland und gar 57 Prozent der Befragten in Ostdeutschland, dass sie den Sozialismus für eine gute Idee halten, die nur schlecht ausgeführt wurde.
Die historische Wahrheit spricht eine völlig andere Sprache. Der Sozialismus wurde aus der Idee geboren, durch ein Plus an Gleichheit und Gerechtigkeit zulasten der Freiheit das Wohlergehen der Masse zu vergrößern und die Armut zu mindern. Das traurige Ergebnis war ein unerträglicher Verlust der Freiheit verbunden mit willkürlicher Ungerechtigkeit sowie die Gleichheit vieler Notleidender zugunsten einer elitären Gleichheit weniger Funktionäre.
Auf dem Schlachtfeld des „siegreichen Sozialismus“ wurden Hunderte Millionen Menschen geopfert sowie alle vom Virus des dialektischen Materialismus infizierten Länder in den wirtschaftlichen Bankrott getrieben. Die Praxis zeigt: der Sozialismus ist eine schlechte Idee, die gar nicht gut ausgeführt werden kann.
Doch warum hängen Deutsche immer noch einer Idee nach, die sich in der Praxis als völlig untauglich erwiesen hat?
Die deutsche Geschichte hat im kollektiven Unbewussten der Deutschen sichtbare Spuren hinterlassen. Zum einen wurde die Idee des Sozialismus auch in Deutschland geboren und zum anderen sind freiheitlich-demokratische Ideen im Wesen des Deutschen erst seit kurzer Zeit mehr oder weniger fest verankert.
Schieben wir die kurzen Episoden der Jahre 1848 bis 1849 und 1919 bis 1933 beiseite, dann herrscht in Ostdeutschland erst seit 20 Jahren und in Westdeutschland erst seit 60 Jahren der Geist der Demokratie sowie die Praxis der Sozialen Marktwirtschaft. Der Deutsche hat immer noch Angst vor der Freiheit und bewahrt sich immer noch eine große Portion Skepsis vor dem Markt, obgleich die Umsetzung dieser beiden miteinander verbundenen Ideen nach einem Wirtschaftswunder Reichtum, Anerkennung im Ausland und Deutschlands Exportweltmeisterschaft begründet hat.
Es ist grotesk. Der Deutsche profitiert von Demokratie und Marktwirtschaft, doch misstraut er beiden und missachtet ihre Früchte. Ein Massenpsychologe müsste lügen, falls er nicht eine Paranoia in der „Nationalseele“ diagnostizierte. Wir halten fest, dass sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts sozialistische Werte in unserem kollektiven Bewusstsein festgesetzt haben, die wir nicht bewusst wahrnehmen. Ein Virus geht um in Deutschland…
Warum hält sich das „sozialistische Virus“, obgleich es sich um einen irrationalen Wert handelt? Warum konnte die „Paranoia Germania“ noch nicht geheilt werden?
Einer Umfrage von Emnid im Mai 2009 zufolge würden bei der Bundestagswahl SPD, Grüne und Linkspartei rund 65 Prozent der Lehrerstimmen erhalten – im Bundesdurchschnitt sind es “nur” 49 Prozent. Das schiefe Bild der Lehrer prägt ein verzerrtes Bild in den Köpfen der Schüler.
Weder Lehrer noch Schüler sind mit den Grundlagen und der Erfolgsgeschichte unserer Marktwirtschaft gut vertraut. Unternehmer kommen schlecht weg in den Unterrichtsmaterialien der Schulen.
Stellt sich nun die Frage: Wie sollen junge Erwachsene Unternehmer werden, wenn sie von kritischen linken Lehrern davon abgehalten werden?
So verwundert kaum, dass die „Paranoia Germania“ sich schon tief in die Massenseele der Deutschen eingraviert hat und dass die demokratischen Prinzipien „Freiheit“, „Gleichheit“ und „Gerechtigkeit“ schon längst an einen unbeweglichen Vollkaskosozialismus abgetreten worden sind.
Bundespräsident Horst Köhler stellte bereits im Mai anlässlich der Festveranstaltung zum 50. Gründungstag der Friedrich-Naumann-Stiftung fest, dass wir mittendrin seien in einer Zeitenwende, in der wir die Balance zwischen Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit neu austarieren müssen. Der Bundespräsident empfiehlt einen Wertewandel. Doch wir könnten es auch härter formulieren:
Der notwendige Wertewandel käme einer Heilung gleich!
Doch zunächst sollten wir uns der Frage stellen, ob die Begriffe Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit tatsächlich auch Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit zum Inhalt haben oder nicht schon längst einer semantischen Umweltverschmutzung zum Opfer gefallen sind. Bereits Ende 2007 beklagten sich einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge 73 Prozent aller Bundesbürger, dass es in Deutschland nicht gerecht zugehe.
Doch die Realität sieht anders aus, denn Gutverdiener finanzieren laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) die Umverteilung im Sozialstaat wesentlich mit. Der im Juni veröffentlichten Studie zufolge ist die Armut nicht gewachsen und der Sozialstaat sorgt auch in den Zeiten der Globalisierung für eine effektive Umverteilung von oben nach unten. Die 30 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen in Deutschland haben 2007 mehr als die Hälfte der gesamten Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Diese Umverteilung verringert die Armutsquote von knapp 35 Prozent auf etwa 13 Prozent.
Martin Walser schrieb vor kurzem in einem Essay in der FAZ, dass sozial sei, was Arbeit schafft. Walser hat nicht ganz unrecht, doch ist es umgekehrt:
Was Arbeit schafft ist auch sozial!
Sind Mindestlöhne sozial, wenn diese nicht marktgerecht sind und den Produktionsfaktor Arbeit so stark verteuern, dass der Preis höher ist als die Produktivität der gering qualifizierten Erbringer der Arbeitsleistung und deshalb keine Jobs für niedrig qualifizierte Arbeitswillige entstehen können?
Sind wir sozial, wenn wir Menschen in die Arbeitslosigkeit entlassen, anstatt ihren Selbstwert zu steigern? Ist es nicht sozialer, die niedrigen Stundenlöhne mit Zuschüssen aufzubessern, die darüber hinaus auch noch unsere Arbeitslosenversicherung entlasten?
Mindestlöhne, da sind sich fast alle Ökonomen einig, produzieren Arbeitslosigkeit.
Doch es hält sich immer noch die sozialistische Kraft, die stets das Gute will, doch stets das Böse schafft.
Sozialdemokraten sowie Herz-Jesu-Sozialisten der CDU wollen zu hohe Löhne für ihre Klientel und schaffen Arbeitslosigkeit für Geringqualifizierte.
In einer Demokratie haben alle Bürger Zugang zu Gütern, die ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben ermöglichen. Grundvoraussetzung dafür ist ein Arbeitsplatz. Gerechtigkeit, richtig verstanden, ist die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie von effizienten Anreizen, bestehende Arbeitsangebote anzunehmen.
Betrachten wir nun ein anderes Thema der Gerechtigkeitslüge. Dem Philosophen Peter Sloterdijk zufolge leben wir in einem steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus und er wundert sich, dass niemand zum fiskalischen Bürgerkri
eg aufruft. Er folgert, dass dies ein politisches Dressurergebnis sei, das jeden Finanzminister des Absolutismus vor Neid hätte erblassen lassen.
Sloterdijk legt mit seinem im Juni in der FAZ veröffentlichten Essay „Die Revolution der gebenden Hand“ seine Finger in den Wundbrand.
Sloterdijk hat ebenso wie viele liberale Wächter in unserer Gesellschaft erkannt, dass heute die Unproduktiven auf Kosten der Produktiven leben, die meist auch noch glauben, man schulde ihnen mehr. Nicht die sozialistische These von der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital habe sich realisiert, sondern die liberale Theorie von der Ausbeutung der Produktiven durch die Unproduktiven.
Doch das sind nur „Peanuts“, denn das größte Verbrechen an der Gerechtigkeit ist die Ausplünderung der Zukunft durch die Gegenwart.
Die Verschwendung von Steuergeldern in siechende Unternehmen, die heute hunderte Millionen Euros benötigen und morgen Milliarden Euros ist verantwortungslos und kurzhaltig.
Ist es gerecht, wenn die Dame an der Kasse von Kaufhof mit ihren Steuern der Dame an der Kasse von Karstadt ein weiteres Jahr den Arbeitsplatz sichert? Um vielleicht aufgrund der steuerfinanzierten Konkurrenz nach einem Jahr selber den Arbeitsplatz zu verlieren.
Und was muten wir der jungen Generation zu, die morgen die Zeche für die Schrecken ohne Ende wie Karstadt, Opel, IKB & Co. zahlen muss? Was tun, wenn der Staat nicht mehr kreditwürdig ist und sich nicht mehr refinanzieren kann? Was tun, wenn im Jahre 2019 die Deutschland AG Insolvenz anmeldet? Können wir es unseren Kindern zumuten, nach einem Investor zu suchen, der für unsere Fehler bezahlen wird? Verhöhnen wir nicht die Generationengerechtigkeit?
Jeder Ökonom weiß, dass nur der Markt und keinesfalls der Staat entscheiden kann, welche Unternehmen überleben. Jeder Politiker weiß, dass Staatsknete nur für große Namen die vielen kleinen und mittelständigen Unternehmen benachteiligt. Jeder Schüler eines Wirtschaftsgymnasiums weiß, dass direkte Staatshilfen den Wettbewerb verzerren und das Prinzip der Haftung für falsche Unternehmerentscheidungen außer Kraft setzen.
Wider besseres Wissen setzt die Koalition auf Staatshilfe für Opel, setzt den Wettbewerb außer Kraft und überfordert den Steuerzahler. Warum? Nun, da müssen wir etwas weiter ausholen.
Von der Agenda 2010, dem Umbau der Sozialsysteme, um mehr Wettbewerb und marktwirtschaftliche Effizienz zu entfalten, ist nichts übrig geblieben. Die Volksparteien übertreffen sich mit sozialen Versprechungen, die unsere Kinder bezahlen müssen. Von „Fordern und Fördern“ spricht kein Mensch mehr. Auf der anderen Seite ist unser Sozialversicherungssystem weder zukunftstauglich noch nachhaltig. Eigentlich ist es ebenso bankrott wie es in Kürze die Deutschland AG sein wird.
Warum stürzen uns die großen Volksparteien, warum stürzt uns die unselige Koalition der Unvernunft ins Unglück?
Demokratie in Deutschland ist zur Demoskopie verkommen. Die Zahl der Leistungsempfänger nimmt stetig zu, die Zahl der Beitragszahler stetig ab. Rund 40 Prozent der Deutschen sind ganz oder teilweise auf Transferleistungen aus öffentlichen Kassen angewiesen. Bei der nächsten Bundestagswahl ist erstmals die Zahl der Wähler zwischen 60 und 80 Jahren größer als die Zahl der unter 20-jährigen. Trotz der größten Krise unserer Nachkriegsgeschichte erhalten die Rentner ab Juli bis zu 40 Euro mehr, während die Einkommen der Ottonormalverbraucher weiter sinken werden.
Ein Schuft, der Böses dabei denkt. Wenn die Rentner die nächste Bundestagswahl entscheiden, dann wird eben Lobbypolitik gemacht – so einfach ist das! Und die Gerechtigkeit wird mal flugs dem Machtkalkül geopfert. Gerechtigkeit bedeutet, den Bürger als mündigen und eigenverantwortlichen Menschen zu verstehen. Der Sozialstaat ist nur für diejenigen da, die sich nicht selbst zu helfen wissen. Dieser Zustand muss zeitlich begrenzt sein. Der Sozialstaat muss den Menschen zu eigener selbstverantwortlicher Lebensführung befähigen. Tut er das?
Nein, er ermuntert ALGII- Empfänger zum Stillstand und speist sie mit Almosen ab. Anstatt zu fordern um zu fördern, nimmt er den Almosenempfängern das “Prinzip Verantwortung” und ersetzt es durch das “Prinzip aussichtslose Hoffnung”.
Gerechtigkeit kann es nur in einem freiheitlichen System, jedoch nie in einem Sozialismus geben. Denn um gerecht zu handeln, muss die Möglichkeit des Ungerechtseins vorhanden sein. Das heißt, dass die Bürger für ihr Handeln verantwortlich sind. In einem unfreien System dagegen könnten die Bürger nur zwanghaft handeln, weil ihnen die Verantwortung für ihr Handeln von einer übergeordneten Instanz gestohlen wird. Wie Zombies hielten sich die Bürger an Gesetze und Vorschriften.
Der Drang nach Freiheit war der Auslöser der „sanften Revolution 1989“. Doch die Deutschen scheinen das bereits vergessen zu haben.
Lesen Sie in Teil 2: Vom Verlust der Freiheit und der Gleichheit
Lesehinweis hier im Blog: Eine Linke Geschichte von Julien Germain
Quellennachweis: Readers Edition. Dieser Beitrag unterliegt einer CC-Lizenz
Bildnachweis: Gerd Altmann (geralt), bearbeitet von Kai Beisswenger | Pixelio











Dienstag, 30. Juni 2009
Wer bezahlt Sie dafür diesen hanebüchenen Unsinn zu schreiben?
Dienstag, 30. Juni 2009
gehts noch?
hast du überhaupt nen plan ich hab 3jahre gelernt und dann für 6,50 die stunde gearbeitet während sich mein chef villen am see baut den staat bescheist und die umwelt verschmutzt. mein vater hat 2 diplome und is seit 3 jaheren arbeitslos blos weil er nicht alles für geld tut.
komm mal klar mann ich wette du hast einen job der von der ausbeutung anderer profitiert!
Mittwoch, 1. Juli 2009
Vielleicht wäre es mal ein Ansatz, Herr Beisswenger, das vorankommen einer Kultur nicht nur unter positivistischen Aspekten zu sehen. Niemand wird einem ehrlichem Unternehmertum in Abrede stellen wollen, dass es der gesamten Gesellschaft von hohem Nutzen ist, nur, und das unterschlagen sie, ist die alleinig materialistische Ausrichtung einer Gesellschaft bestens dazu geeignet die Werte Freiheit und Gerechtigkeit auszuhöhlen. (Sie brauchen sich nur die ganze Debatte um die Verteilung knapper Ressourcen vor Augen zu halten) Zudem sollten sie, was die Fragen des Marktes angeht einmal einen Blick auf die gesamte Welt werfen und anerkennen wie viel Leid und Tod die Anwendung dieser Gesetze über die Länder der dritten Welt gebracht hat. Unser so genannter freier Markt fußt auf den ausbeuterischen Grundsätzen der Kolonialisten. Wenn sie für Werte eintreten wollen, helfen sie diesem Land und auch Europa sich auf seine kulturellen Wurzeln zu besinnen.
Mittwoch, 1. Juli 2009
Vielen Dank, ein Volltreffer, da die Zusammenhänge konsequent zu Ende gedacht wurden. Beiträge wie dieser mehren sich im Netz, und es geht ein Ruck durch’s Bürgertum, was Hoffnung gibt. Das angesprochene Dressurergebnis manifestiert sich in Beiträgen wie #2.