Honduranisches Tagebuch (5): "Wir haben den Sozialismus aufgehalten"

Freitag, 7. August 2009-10:22 -|-Thema: Hintergründe, Menschenrechte, Seht hin!, Ticker, ausland

Von Harald Neuber – Tegucigalpa | amerika21.de | – Der Angriff auf die Universität kam unerwartet. Kurz nach 13 Uhr am Mittwoch (o5.08.09) attackierte die militarisierte Polizei in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa die Nationale Universität. Die Nachricht machte sofort über Handys die Runde, hunderte Aktivisten Strömten zum Campus. Nach und nach erst wurde klar, was geschehen war.

Organisierte Studenten hatten vor dem Eingang der Universität eine Kundgebung organisiert. Gegen Mittag rückte die Polizei und Armee an und forderte die Aktivisten auf, die Veranstaltung abzubrechen. Die Studenten waren dazu nicht bereit und verwiesen auf ihr Demonstrationsrecht. Die in Honduras schwer bewaffnete Polizei rückte gegen die Demonstranten vor. Binnen weniger Minuten verwandelte sich der Campus in ein Schlachtfeld. Es waren, das bestätigten Beobachter vor Ort, die ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten der Demokratiebewegung und den bewaffneten Kräften der Putschregierung. Besonders schwerwiegend: Auch die Präsidentin der Universität wurde von einem Polizisten mit einem Schlagstock angegriffen und erheblich verletzt.

Das Vorrücken der Polizei auf den Campus wird in Honduras als schwerwiegender Zwischenfall aufgefasst: Die Universität hat einen autonomen Status, Polizei und Armee dürfen ihr Gelände nicht betreten. Der Zwischenfall mit mehreren Verletzten zeigt, dass sich die Lage in Honduras von Tag zu Tag zuspitzt.

Politische Hintergründe zu dem Militärputsch hatten am Dienstag bereits führende Militärs in der Talkshow "Frente a Frente" des Fernsehsenders Kanal 5 geliefert. Mit der gewaltsamen Verschleppung des gewählten Präsidenten Manuel Zelaya am 28. Juni seien die "expansionistischen Pläne" des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez verhindert worden. General Miguel Ángel García Padget zeigte sich überzeugt: "Wir haben verhindert, dass ein als Demokratie getarnter Sozialismus sich weiter ausbreitet – bis in die USA hinein.“

Honduranisches Tagebuch:

Honduranisches Tagebuch (1): Beobachter in Tegucigalpa

Honduranisches Tagebuch (2): Fakten gegen Fiktionen der Putschisten

Honduranisches Tagebuch (3): Mehr als nur ein Toter

Honduranisches Tagebuch (4): Von Belgrad nach Tegucigalpa


Quellennachweis für diesen Beitrag: Portal amerika21.de – Mit freundlicher Genehmigung des Autors zur Veröffentlichung hier auf womblog.de. Vielen Dank dafür!


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gelesen: 406 · heute: 6 · zuletzt: 13. März 2010

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