Die Fortpflanzung der Haushaltskrise

Dienstag, 11. August 2009-8:57 -|-Thema: Deutschland, Ticker, Wirtschaft

Machopan’s Rauchzeichen | – „Die Haushaltskrise pflanzt sich fort“ titelte die Wirtschaftswoche und setzte in dem darunter stehenden Text weitere übelst riechende Duftmarken der deutschen Mainstream-presse bei der Glorifizierung der jüngeren bundesdeutschen Ver-gangenheit.

Allein schon der Titel erweckt Übelkeit, denn es soll wohl der Eindruck erweckt werden, als trage die Krise etwas Selbstbefruchtendes oder gar Selbsterneuerndes mit sich.

Im Text selbst werden dann solche Plattheiten wie „bis zum Sommer 2008 schien die Welt noch in Ordnung zu sein“ und „die boomende Konjunktur ließ die Steuerquellen sprudeln“ abgesondert.
Kein Wort von der unverschämtesten Steuererhöhung aller Zeiten und auch kein Wort über die zunehmende Manipulation der Arbeitslosenzahlen.

Statt dessen fabuliert die WiWo „die sinkende Arbeitslosigkeit entlastete die Sozialkassen, das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen sank, der Schuldenstand schrumpfte und näherte sich der im Maastrichter Vertrag vorgeschriebenen Obergrenze von 60 Prozent. Die Rückkehr auf den Pfad finanzpolitischer Tugend schien geschafft und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht“.

OK, die Sache mit der Erde und der Sonne ist mir erst beim Weiterlesen spontan in den Sinn gekommen, entbehrt dieser wirtschaftsredaktionelle Schwachsinn doch nicht einer fremdgesteuerten Dramatik, denn er gipfelt in einer gottgewollten „Lehman-Pleite und die weitete die Finanzkrise zum globalen Flächenbrand aus, der auf die Realwirtschaft übersprang. Die Eigenkapitalhilfen für den Bankensektor, die Konjunkturprogramme, die rezessionsbedingt schrumpfenden Steuereinnahmen und die steigenden Transferausgaben reißen seither immer größere Löcher in die öffentlichen Etats.

Und als ob es des seichten Blödsinns noch genug wäre, fügt der Autor auch gleich noch eine Erklärung über die Folgen dieser großen Haushaltlöcher bei, denn „dem Fiskus verbleiben so immer weniger Mittel für wichtige, langfristige Wachstumsmotoren wie Bildung, Forschung und Infrastruktur. Ökonomen mahnen daher, der Abbau der gigantischen Staatsschulden müsse in den nächsten Jahren oberste Priorität haben. Die Entwicklung der Schuldenquote hängt dabei von drei Faktoren ab – dem Zinssatz für die Staatsschulden, dem langfristigen Wachstumstrend der Wirtschaft und dem Primärsaldo, das ist der staatliche Budgetsaldo abzüglich der Zinsausgaben.

„Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu“, denn die Höhe der Staatsschulden der Bundesrepublik Deutschland hängt in Wirklichkeit nur vom chronischen Größenwahn deutscher Politiker, ihrer Skrupellosigkeit und der Lust am Geld ausgeben und dem fehlenden Verständnis von Schuld und Sühne zusammen.
Wenn man jedes Jahr auf’s neue mit einem satten Gewinn im Lotto rechnet und die zu erwartenden Millionen vor der Ziehung der Lottozahlen einmal verplant, zweimal ausgibt und dreimal vorfinanziert, dann hat man spätestens am Jahresende ein Loch im Haushalt.

Wem es gelingt den Artikel über die „Fortplanzung“ dieses Haushaltloches bis zum Ende zu ertragen, der erfährt Tröstliches, denn „Ökonomen von UniCredit haben ausgerechnet, dass angesichts des langfristigen Wachstumstrends der deutschen Wirtschaft von nominal rund 3,3 Prozent und des durchschnittlichen Zinssatzes für Staatsschulden von 4,5 Prozent ein jährlicher Primärüberschuss im Haushalt von knapp einem Prozent des BIPs erforderlich ist, um die Schuldenquote ab 2011 wenigstens stabil zu halten. Das wären rund 25 Milliarden Euro, die der Fiskus jährlich erwirtschaften muss.

Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu.
Und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht
“.
Aber ich wiederhole mich.

Danke liebe Wirtschaftswoche für diesen sehr informativen Artikel über die sich selbst fortpflanzende Haushaltskrise.
Wenn die Redaktion der Wirtschaftswoche in den nächsten Wochen noch ähnlich fundierte Berichte über das finanzpolitische Potenzgehabe von Parteibuchmachos, das Finanzlobbyistenpetting, die Onaniergewohnheiten beratender Finanzexperten, das Paarungsverhalten skrupelloser Banker und gewissenloser Politiker beim gemeinsamen Gruppensex und das Suchtverhalten bei der jungfräulichen Subventionsempfängnis nachlegen kann, dann wird der tumbe Wahlmichel bis zur Bundestagswahl im Herbst sicher wieder an den Klapperstorch glauben.

Bei einer Zeitung, die „bleichgesichtige Langnasen“ wie Merkel, Gysi, Westerwelle, Steinmeier, Schröder, Guttenberg, Steinbrück, Köhler, Tiefensee, Clement, Koch und Künast als kompetente „Köpfe der Wirtschaft“ ausweist, stellt dabei aber nicht nur die Frage nach ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der nachweislichen fachlichen Inkompetenz.

Übrigens belegt „Angela Merkel“ Platz 1 dieser „Köpfe der Wirtschaft“-Hitliste, die so mancher Leser lieber als Ranking unter dem Titel „Rübe ab“ lesen würde.


Quellennachweis für diesen Beitrag: Machopan’s Rauchzeichen – Dieser Text steht unter einer CC-Lizenz.


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