Grundeinkommem: BIG in Afrika
Freitag, 14. August 2009-11:42 -|-Thema: Gesellschaft, Ticker, Wirtschaft, ausland
Von Rolf Ehlers | Readers Edition | – Das BIG-Projekt der Eheleute Haarmann aus Mettmann: „Es gibt nichts Gutes/ außer: Man tut es!“ sagt der Moralist Fabian im gleichnamigen Roman von Erich Kästner. Genau so haben gewiss die Eheleute Claudia und Dirk Haarmann aus Mettmann im Rheinland gedacht. Als sozial engagierte Theologen wussten beide, wo Gutes am meisten fehlte. Natürlich dort wo die Armut am größten ist.
Da beide auch Wirtschaftswissenschaftler sind, waren sie prädestiniert, Hilfen zu ermitteln, die den größten wirtschaftlichen Nutzen bringen konnten.
Sie hatten die Machbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens und seine Vorteile erkannt und hatten durchgerechnet, dass es möglich sein sollte, es gerade unter den Bedingungen größter Armut erfolgreich umzusetzen. Eine Hilfe bei den Ärmsten der Armen kostet ja viel weniger Geld und greift viel schneller als die Hilfe für die, die nur innerhalb ihrer Gesellschaft als (relativ) arm gelten, weil sie mit ihrem Einkommen deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegen. Wer aber als Nativer etwa im 1000-Seelen-Dorf Otjivero in Namibia, der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, lebt, einsam hundert Kilometer östlich der Hauptstadt Windhuk , nach außen fast ganz abgeriegelt durch die Elektrozäune der Farmen reicher weißer Grundeigentümer, der hat wirklich nichts. Kein dichtes Dach über dem Kopf, keine richtige Kleidung und kaum zu essen. 70 % der Einwohner waren vor dem Haarmannschen BIG-Projekt ohne Arbeit. Die meisten Kinder konnten die Schule nicht besuchen, weil die Eltern das Schulgeld nicht zusammen brachten. Alkoholkonsum, Prostitution und Verbrechen blühten.
Die Haarmanns waren vor sechs Jahren auf Wunsch des namibischen Landesbischofs Dr. Zephania Kameeta nach Windhuk gegangen und hatten dort das Sozialreferat der lutheranischen Kirche in Namibia gegründet. Seither sannen sie darauf, wie die ungleiche Verteilung der Einkommen und der Arbeit, die nirgendwo auf der Welt so gen Himmel schreit wie in Namibia, geändert und insbesondere die erbärmliche Armut aller Namibier, die „niet Blankes“ sind, also nichts vom Reichtum der Deutschen und der Buren abbekommen haben, behoben werden könnte.
Haarmanns schmiedeten unter der Schirmherrschaft von Bischof Kameeta eine Koalition (s.a. Der Spiegel, Heft 33, 10.8.09, S. 48 ff.) aus Vertretern des Namibischen Kirchenrats, den Dachverbänden der namibischen Gewerkschaften und der namibischen NGOs, den AIDS-Hilfsorganisationen sowie einiger Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler und erhielten finanzielle Hilfe (1, 2, 3) vieler Organisationen wie Brot für die Welt, Lutheranischer Weltbund, Vereinte Evangelische Mission, Evangelische Kirche im Rheinland, Evangelische Kirche in Westfalen, Friederich-Ebert-Stiftung und mehr.
Im Juli 2007 legten sie los mit dem BIG – Projekt des „Basic Income Grant“ für jeden Menschen in Otjivero. Seit mehr als einem Jahr erhält jeder Mensch in Otjivero einmal am 15. eines jeden Monats ganze 100 Namibia-Dollar, umgerechnet 9 Euro. Das Geld bekommt jeder Dorfbewohner, ob jung oder alt, ohne alle Vorbedingungen. Die reichen Weißen können darüber nur lachen wie Deutsche Bank – Ackermann über seinen Anspruch auf Kindergeld. Wer sich aber plötzlich erstmals eine Hose und ein T-Shirt kaufen kann und vielleicht sogar billige Schlappen, der wird plötzlich sichtbar zum Menschen. Viel mehr Kinder als früher gehen heute in Otjivero zur Schule, weil die Eltern jetzt das Schulgeld bezahlen können. Die Verbrechensrate ist rückläufig. Besonders wichtig für den Erfolg des Projekts ist es, dass immer mehr Bewohner des Dorfes auf die Idee kommen, aus eigener Kraft Geld zu verdienen. Wo früher niemand eine Chance im Leben sah, mehren sich die Ansätze wirtschaftlicher Aktivität (1, 2, 3). Eine Frau fängt an, Brot zu backen und zu verkaufen, eine andere fängt an, gegen Geld für andere zu nähen. Zwischenzeitlich hat man festgestellt, dass die wirtschaftliche Aktivität im Dorf um 10 % zugenommen hat.
Kritik der Reichen im Lande und anderswo
Den reichen weißen namibischen Farmern, die 20 % der Bevölkerung des Landes ausmachen, aber mit 80 % des Grund und Bodens praktisch alles agrarisch sinnvoll nutzbare Farmland zu eigen haben, blicken mit Argwohn auf das BIG-Projekt. Sie halten die Armen im Lande für unrettbar dumm, versoffen und faul. Ihre Ressentiments werden in Namibia bedient von dem angeblich unabhängigen Forschungsinstitut NEPRU, das die hoffnungsfrohen Erfolgsmeldungen aus Otjivero anzweifelt und von einer Unwissenschaftlichkeit des Projekts spricht. Das NEPRU-Programmkomitee setzt sich indessen zusammen aus Abgesandten der Regierung, der Nationalbank, der namibischen Handelskammer und der Wirtschaftsverbände – Lobby pur. Bezeichnenderweise hatte sich der Weltwährungsfonds in einem Gutachten, das gleich zu Beginn des Projekts herauskam, in gleicher unfairer Weise gegen das Projekt ausgesprochen.
Für ganz Namibia brauchte es nur 115 Millionen Euro im Jahr
An den Kosten für das BIG – Projekt kann es nicht liegen, dass die konservativen Kräfte dagegen sind. Es geht ihnen um die Erhaltung ihres Weltbildes, nach der es naturgemäß zwei Arten von Menschen gibt: die Superioren und die Inferioren. Dirk Haarmann hat in seinem vor kurzem veröffentlichen Jahresbericht vorgerechnet, dass 3 % des Bruttoinlandsproduktes reichen würden, um das bedingungslose Grundeinkommen für alle 2,1 Millionen Namibier einzuführen. Schon die Erhöhung der Mehrwertsteuer um wenige Prozentpunkte würde dieses Geld in die Staatskasse spülen. Die landesweite Verbreitung des Grundeinkommens würde auf der anderen Seite die Registrierung der gesamten Bevölkerung erleichtern, was sich auch einem höheren Steueraufkommen niederschlagen würde. Entscheidend aber ist, dass viele der aus der allertiefsten Armut gerissenen Menschen wie in Otjivero zu neuer Arbeit finden und das Bruttosozialprodukt des Landes bereichern werden.
Sollten die konservativen Kräfte im Lande und außerhalb dem BIG-Projekt in Namibia den Geldhahn zudrehen wollen, sollte die Welt zusammenlegen, damit das Experiment des bedingungslosen Grundeinkommens in Namibia fortgesetzt wird und ein leuchtendes Beispiel für die ganze Welt werden kann. Die Güter der Welt müssen endlich neu verteilt werden.
Lesehinweise hier im Blog: Grundeinkommen – Pilot-Versuch voller Erfolg!
Quellennachweis für diesen Beitrag: Readers Edition – Dieser Beitrag steht unter einer CC-Lizenz.

























Mittwoch, 9. September 2009
Hallo..
seit vielen Stunden mit dem Thema beschäftigt,
schade das Fam. Harrmann nicht mal über einer HP zu erreichen ist…
feelies
Sonntag, 4. Oktober 2009
Das riecht nach einem Gutmenschenprojekt das mehr Probleme schafft als loest…. Aber ich lasse mich gerne ueberraschen.