Sagt Yoaní Sánchez die Wahrheit?

Sonntag, 29. November 2009-13:55 -|-Thema: Cuba, Hintergründe, Lateinamerika, Manipulationen

yoani_sanchez Von Ingo Niebel | Portal amerika21.de | – Havanna, Madrid. Yoaní Sánchez ist zurzeit Kubas bekannteste Bloggerin, weil sie anti-kubanische Kräfte in den USA und Europa zur aktuellen Top-Dissidentin gemacht haben. Zuletzt hat US-Präsident Barack Obama mit ihr über deren Blog Generación Y kommuniziert.

Mit zum Image der Widerständlerin beigetragen haben auch deutsche Medien, die ausführlich über vermeintliche Attacken auf die Bloggerin, ihren Mann und andere "Regimegegner" berichteten.

Anfang November schrieb Sánchez, Sicherheitskräfte hätten sie entführt sowie "körperlich und verbal" mißhandelt. Die spanische Tageszeitung El País machte die Anschuldigungen am 7. November in Europa publik, andere Medien folgten. In ihrem Blog beschreibt Sánchez detailliert ihren vermeintlichen Kampf mit den Sicherheitsbeamten, die Schläge gegen die Nieren und die Blutergüsse .

Der Version der Bloggerin widersprechen jetzt drei kubanische Ärzte. In einem siebenminütigen Videointerview für die spanische Internetseite La República.es erzählen sie, wie ihre Mitbürgerin mit einer Krücke und im Beisein von Familienangehörigen ins Krankenhaus gehumpelt kam. Zwar klagte die Patientin über "Schmerzen", aber bei der Untersuchung wurden dann keine der von Sánchez beschriebenen Verletzungen festgestellt.

Die Politik und Medien in den USA und in Europa haben Sánchez berühmt gemacht, weil sie sich kritisch über die Verhältnisse in ihrer Heimat äußert. Als Plattform für ihre Bekenntnisse benutzt sie ihren Blog desdecuba.com/generación Y. Wer Details über die Eigentumsverhältnisse der Domain wissen will, findet folgendes: Die Webadresse ist auf Sánchez’ Namen registriert, die aber als Kontakt eine Anschrift und Telefonnummer in 28004 Madrid angibt: Santa María Soledad Torres Acosta 2.

Die dazugehörende Internetadresse 81.169.145.90 führt aber zu einem Rechner in Berlin, der dem deutschen Provider Strato gehört. Professionelle Übersetzer übertragen Sánchez’ Texte ins Deutsche. Diese finden sich dann wahlweise auf den Seiten der US-freundlichen und kubafeindlichen deutschen Tageszeitung Die Welt oder bei der gleichgesinnten Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wieder. Letztere gilt als "eine rechte Grauzonenorganisation", die Verbindungen ins rechtsradikale Lager und zur CIA gepflegt hat.

In Sachen Sánchez erinnert La República auf den Fall des "gelähmten" Armando Valladares Pérez. Der im Ausland lebende kubanische CIA-Agent und Schriftsteller Carlos Alberto Montaner machte den "Dissidenten", dem das "Regime" angeblich sogar einen Rollstuhl verweigerte, international bekannt. Die Propaganda-Aktion zeigte Wirkung: Für die Freilassung des angeblich schwerkranken Studentenführers setzte sich in den 80erJahren sogar Frankreichs Präsident François Mitterand bei Fidel Castro ein. Aber am Tag seiner Ausreise musste sich Valladares nicht im Rollstuhl zum Flugzeug bewegen, sondern er verließ Kuba leichten Schrittes: Seine Lähmung hatte er nur vorgetäuscht, wie verdeckte Filmaufnahmen belegten.


Über den Autor Ingo Niebel:  Historiker und Publizist – Ingo Niebel, Jahrgang 1965, studierte in Köln Mittlere und Neuere Geschichte, Romanistik und Politische Wissenschaft. Seit 1990 ist er journalistisch tätig für verschiedene deutsche, baskische und spanische Printmedien. Einen ausführlichen Lebenslauf finden Sie auf Ingos Homepage.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die politische Entwicklung in Venezuela. Er hat das Land mehrfach bereist, im Jahr 2003 als internationaler Wahlbeobachter. Im Dezember 2005 erschien sein Sachbuch “Venezuela – not for Sale”.


Quellennachweis für diesen Beitrag:  – Portal amerika21.de – Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von Portal amerika21.de, zur Veröffentlichung hier auf womblog.de. Vielen Dank dafür! Bildnachweis: – Generación Y von Yoaní Sánchez

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