Die ZEIT will die Weltregierung lieber jetzt als gleich
Donnerstag, 31. Dezember 2009-10:02 -|-Thema: Deutschland, Gesellschaft, Partnernetzwerk, Presseschau
Von corrrdoba | POLITEIA | – In der neuesten Ausgabe der Wochenzeitung „Die ZEIT“ lautet die dicke Überschrift im Wirtschaftsteil: „Die Illusion von der einen Welt“. Der Tenor des Artikels ist folgender: „Wir alle wollen die Weltregierung und wir alle brauchen die Weltregierung, aber leider dauert der Prozess dahin viel zu lange, die Politiker sollen sich gefälligst sputen!“
Hier eine Zusammenfassung des Artikels mit den wichtigsten Zitaten:
- „Die Menschheit hat in Kopenhagen versucht, das Klima gemeinsam zu retten. In London und Pittsburgh verfassten die Regierungschefs neue Regeln für die Finanzmärkte und den Kapitalismus. In Genf verhandelten sie über ein besseres Handelsregime. Und schon in ein paar Wochen werden sie in Davos, auf dem Weltwirtschaftsforum, wieder über alle Probleme gleichzeitig reden[…] Soviel gemeinsames Suchen, soviel globales Regieren war nie.
- Man kann die Welt so sehen. Doch ehrlicher wäre eine andere Deutung. Danach haben die Regierungschefs in Kopenhagen versagt, in London und Pittsburgh schöne, aber wirkungslose Papiere geschrieben und in Genf ihre Handelsvertreter wie jedes Jahr palavern lassen- ohne Resultate. Mitnichten entsteht so eine neue globale Ordnung, in der die Staaten gemeinsam die großen Probleme zu lösen versuchen. [..] Globales Regieren? Außer Spesen nichts gewesen!“
- „Wir sind mitnichten auf dem Weg in ein goldenes Zeitalter, in dem sich Staaten selbst auflösen oder etwa ihre Vorrechte abgeben würden.[…], schreibt John C. Hulsman von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Die Probleme seien global, die Lösungen national, klagt auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz[…]“
Die ZEIT hofft auf den Messias Obama für die "Weltordnung 3.0".
- „Es ist doch gar nicht lange her, dass die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise alle erschreckte, die Regierungschefs aller Länder sich flugs zusammenfanden und so mancher bürgerliche Internationalist den naiven Traum einer „Weltregierung“ träumte.“
- „Wer wenn nicht er [Obama, Anm. d. R.], der Erfinder des Yes We Can, sollte, geläutert von der Finanzkrise die anderen Mächtigen zu einem kollektiven Souveränitätsverzicht drängen? Wer, wenn nicht Obama, könnte die Kraft und die Weitsicht haben, gemeinsam mit den anderen Mächtigen die richtigen Spielregeln für den Kapitalismus, der Weltordnung 3.0 zu entwickeln? Zum Wohle aller?“
- „Global Governance hat sich in der Krise bewährt, es gab keinen Zusammenbruch. Auf der Strecke blieb aber nicht nur der Glaube an die Funktionsfähigkeit der alten Weltordnung. Es mehren sich auch die Zweifel, ob die Menschheit nun noch die Kraft dazu hat, eine neue zu schaffen- weil dazu eben mehr gehört als das pure Reagieren in der Not. Dazu müssten handfeste Regeln für die Finanzwirtschaft geschrieben, Kontrollen und Sanktionen vereinbart und vielleicht sogar gemeinsame Institutionen geschaffen werden.“
- „Mehr noch: Es fehlt an der wichtigsten Zutat für neue Einigkeit: Der gemeinsamen Weltsicht.“
- „Sie[Elinor Ostrom Anm.d.R.] setzt auf eine Art Ideenwettbewerb, unter den Regionen und Staaten, mit dem dann Antworten auf die großen Fragen der Menschheit gefunden werden. […] Das deutsche Energieeinspeisegesetz, das Wind und Sonnenenergie fördert, wäre dafür ein Beispiel. Hierzulande erfunden, ist das Gesetz inzwischen in 47 Ländern exportiert worden. Alles schön und gut könnte man einwenden, nur stoppt das den Klimawandel nicht.“
Kommentar: Der gemeine Leser dieses Artikels wird sich zum Jahreswechsel neben Glück und Gesundheit höchstwahrscheinlich auch eine Weltregierung wünschen- die Propaganda der ZEIT machts möglich. Während sich Angela Merkel in der Bild am Sonntag noch zufrieden über den Klimagipfel in Kopenhagen äußerte und ihn als wichtigen Schritt hin zu einer „Weltklimaordnung“ bezeichnete, sehen das die „kritischen“ Journalisten der ZEIT ein wenig anders. Es geht einfach nicht schnell genug mit der „Weltrettung“ durch die Weltregierung.
Die großen Probleme der Menschheit schreien einfach danach von der Weltregierung gelöst zu werden. Am besten angeführt vom fleischgewordenen Messias Barack Obama. Ein „goldenes Zeitalter“ wird indirekt versprochen, sollten sich die Nationalstaaten zugunsten einer globalen Regierung auflösen. An einer Stelle des Artikels wird sogar behauptet, eine Weltregierung könne die „großen Fragen der Menschheit“ lösen. Diese sind laut ZEIT wohl nicht mehr „wo kommen wir her?“ oder „was passiert nach dem Tod?“, sondern „wie können `wir` ein internationales Finanzsystem errichten und den Klimawandel bekämpfen?“. Ohne Worte.
Dieser Artikel ist meiner Meinung nach ein perfektes Beispiel für die perfide, schleichende Propaganda für die Neue Weltordnung. Die Menschen müssen sich danach sehnen global regiert zu werden, sonst wird das alles nichts. Nur gemeinsam können „wir“ es schaffen lautet der Tenor und jeder vernünftige Mensch hat das einzusehen. Mit dem Begriff „Weltordnung 3.0″ will man wohl auch den im digitalen Zeitalter aufgewachsenen Lesern diese Idee schmackhaft machen.
Kritische Gedanken zur Vision „Weltregierung“ fehlen natürlich völlig. Dass zum Beispiel schon auf EU- Ebene sich diese Sache mit der Demokratie etwas problematisch darstellt wird außen vorgelassen. Auch verlieren die Autoren kein Wort darüber, welche Kräfte denn diese tolle Weltregierung stellen sollen und warum denen dann ausgerechnet zu trauen ist. Woher kommt der Optimismus, dass „alles“ besser wird, wenn erstmal eine einzige Regierung die Macht über die gesamte Welt hat? Alles Fragen, die das Bilderberger- Blatt konsequent ignoriert- wen wunderts?
Zu guter Letzt noch ein Wort an die besorgten ZEIT- Redakteure/Leser: Keine Angst Leute, die Weltregierung wird schon noch kommen. Wenn nicht heute oder morgen, dann übermorgen. Habt einfach ein wenig Geduld und stellt schonmal den Sekt kalt für den großen Tag.
Verwandter Artikel: Sonntags FAZ hat „Sehnsucht nach der Weltregierung“











