Krokodilstränen im Grippekampf

Freitag, 8. Januar 2010-17:28 -|-Thema: Deutschland

Von PPQ | politplatschquatsch | – Es sollte das größte Massensterben seit der Pest im Mittelalter werden, markiert nun aber nur den Moment, an dem die panikschaffende Kraft medialer Bemühungen zum ersten Mal nachdrücklich versagt hat.

Obwohl die später in "neue Grippe" umbenannte "Schweinegrippe" dem Volk über Wochen trommelfeuernd als kommende Pandemie nahegebracht worden war, dachten die meisten Deutschen keine Sekunde daran, sich gegen das unsichtbare Unheil impfen zu lassen. Das hätte jeder wissen können, der auf der Straße danach gefragt hätte – doch um den "Impfwillen" (dpa) nicht noch weiter zu schwächen, wurde darüber lieber geschwiegen.

Stattdessen bestellten die schwer verängstigten Landesgesundheitsminister Impfstoff, dass es nur so krachte. In Flughäfen, auf Bahnhöfen und in Büros tauchten Spender für Desinfizierungsmittel an den Wänden auf, Drogeriemärkte boten Atemschutzmasken aus Baumwolle an.

Wider besseren Wissens arbeiteten sich Qualitätsmedien wie die "Welt" an der selbsterfundenen Angst ab, der Impfstoff könne trotzdem nicht für alle reichen. Später entdeckte die die Apothekenrundschau "Bild" zwei verschiedene Impfstoffe für Herrchen und Hund – wieder eine Woche, die sich mit sinn- und realitätsfreien Schlagzeilen füllen ließen.
Das Ende vom Lied ist ein stilles Requiem, gespielt von denen, die eben noch die gellenden Fanfaren bliesen.

Erst "sechs bis zehn Prozent der Bundesbürger" seien geimpft, weitaus weniger als erwartet, krokodiltränt es in der Pandemie-Schlagzeilenschmiede "Welt". Die Gesundheitsminister der Länder hätten deshalb mit dem Pharmahersteller Glaxo-Smith-Kline verhandelt und erreicht, dass sie weniger Impfstoff abnehmen müssten als ursprünglich geordert.

Kampflos wird allerdings noch nicht aufgegeben: Das Robert-Koch-Institut, Miterfinder der These von der Pandemie, warnt nun trotzig vor einer möglichen "zweiten Grippewelle". Die Medien hingegen sind entschuldigt. "Das Problem zu viel georderter Impfdosen haben indes nicht nur die Deutschen", schreibt die "Welt".

Auch in den USA, Italien oder Frankreich sei nicht nur die "Gefährlichkeit der Schweinegrippe, sondern auch die Impfbereitschaft der Bevölkerung überschätzt" worden. Von den staatlichen Behörden, wohlgemerkt. Von den Medien, den eifrigen Baggerführern der Hysterie, ist nicht die Rede.

Quelle: – politplatschquatsch – Dieser Beitrag steht unter einer CC-Lizenz.

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