Jetzt die Weichen für das Stromnetz der Zukunft stellen
Montag, 11. Januar 2010-12:21 -|-Thema: Greenpeace, Umwelt
Von Sven Teske | Greenpeace Blog | – Wer in Europa Klimaschutz und den Ausstieg aus der unverantwortbaren Atomenergie will, muss vollständig auf erneuerbare Energien umsteigen. Dass diese Vision Wirklichkeit werden kann, zeigt das Greenpeace-Konzept “Energy [R]evolution“. Für die Länder der EU-27 können wir demnach bis 2050 einen Anteil von rund 90 Prozent Öko-Strom im Netz erreichen.
Was wird sich dafür verändern müssen?
Nach unserem Konzept werden etwa 70 Prozent des Stroms aus dezentraler Energieerzeugung stammen, z. B. aus Solarstrom-Anlagen auf Hausdächern oder aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Dieser Anteil wird mit rund 30 Prozent zentraler Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zusammengeschaltet. Den größten Anteil dieser “zentralen” erneuerbaren Energie stellen Windkraftanlagen auf See (Offshore-Wind), darüber hinaus sind bis zu 10 Prozent importierter Solarstrom aus Nord-Afrika möglich.
Anders als häufig dargestellt, wird es in Zukunft nicht darum gehen entweder eine intelligente Vernetzung zwischen dezentraler und zentraler Stromerzeugung zu haben oder eine sichere Stromversorgung rund um die Uhr sicher zu stellen. Es geht darum, beides gleichzeitig zu gewährleisten.
Was muss getan werden?
Wollen wir bis 2050 rund 90 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen, hält sich die Notwendigkeit für zusätzlichen Leitungsbau stark in Grenzen! In der ganzen Europäischen Union brauchen wir nur vier Prozent mehr Leitungen als heute. Parallel zum Netzausbau müssen allerdings die Erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden. Wir dürfen damit nicht warten, bis das Netz fertig ist.
Die Entscheidung für den Netzausbau fällt noch leichter, wenn man berücksichtigt, dass der Großteil unserer Überlandleitungen in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut wurde und oft schon am Ende der technischen Lebensdauer ist. Der Neubau könnte daher gleich auf die Bedürfnisse von erneuerbaren Energien abgestimmt werden. Dänemark verfolgt dieses Ziel schon seit Jahren, und hat außerdem den Beschluss, bis 2030 alle Hochspannungsmasten abzubauen und stattdessen Erdkabel zu verlegen. Greenpeace unterstützt diese Forderung auf europäischer Ebene.
Was wird es uns kosten?
Greenpeace hat im April 2008 ein Konzept für die Nordsee und im November 2009 als erste Umweltschutz-Organisation ein detailliertes Netzkonzept für ganz Europa (inklusive dem Solarstromimport aus Afrika) vorgelegt. Demnach würden zwischen 2010 und 2050 Investitionskosten beim Stromnetz von jährlich rund 5 Milliarden Euro notwendig. Pro Kilowattstunde schlägt sich das mit nur 0,15 Cent nieder. Ein Durchschnittshaushalt zahlt also 3 bis 5 Euro mehr pro Jahr. Eine Umlage auf die Netzentgelte wäre damit also vertretbar. Vorfinanzieren müssten dies die Netzbetreiber – dies ist eine lohnende Investition in Infrastruktur für den Klimaschutz.
Eine vollständige Versorgung aus erneuerbaren Energien bis 2050 ist längst kein technisches Problem mehr, sondern nur noch ein politisches. Die Umstellung auf Erneuerbare gelingt allerdings nur, wenn der Systemwechsel in der Stromversorgung konsequent verfolgt wird. Das heißt: Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken raus, Strom aus Erneuerbaren rein ins Netz. Beides gleichzeitig schließt sich aus.
Für diesen Systemwechsel brauchen wir klare Vorrangregeln für Erneuerbare Energien im Stromnetz. Und für eine großflächige Stromversorgung aus Erneuerbaren gibt es zum Netzausbau keine Alternative.
























