»Menschen wie Güter behandelt«
Dienstag, 26. Januar 2010-8:50 -|-Thema: Menschenrechte
JungeWelt – 25.01.10 | – Waffen, Munition, Technologie: Konzerne haben Beihilfe zu Menschenrechtsverletzungen geleistet. Gespräch mit Marjorie Jobson – Interview: Christian Selz – Dr. Marjorie Jobson wurde 1951 in Durban geboren. Mit 18 Jahren, dem frühesten Eintrittsalter, schloß sie sich der Antiapartheitorganisation Black Sash an, in deren Vorstand sie heute noch arbeitet.
1997 schloß sie sich dem Apartheidopferverband Khulumani an, der sich mit einer Sammelklage für Reparationszahlungen an die Geschädigten einsetzt; seit 2008 ist sie Vereinsvorsitzende
Ihre Organisation verklagt momentan mit Ford, General Motors, IBM, Daimler und Rheinmetall fünf Weltkonzerne. Was werfen Sie ihnen vor?
Die Unternehmen haben wissentlich Beihilfe zur Verübung von Menschenrechtsverletzungen während der Apartheid in Südafrika geleistet. Konkret: Südafrika hatte während der Apartheid keine Möglichkeit, eigene Waffen und Munition zu produzieren. Rheinmetall hat eine komplette Waffen- und Munitionsfabrik exportiert. Das war natürlich ein Verstoß gegen das UN-Waffenembargo, deswegen wurde die Fabrik über Paraguay, das damals eine Militärdiktatur war, verschifft. Die Fabrik war der Beginn der Waffenindustrie in Südafrika. Sie wurde später von 2500 kleineren Subunternehmen beliefert.
Daimler, General Motors und Ford haben die gepanzerten Fahrzeuge geliefert, die benutzt wurden, um Proteste in den Townships niederzuschlagen. IBM hat für Südafrika die Software und Hardware für die Paßgesetze produziert, und sie hatten sogar die Verträge zur Wartung der Computer.
Welche Rolle spielte die Technologie für den Apartheidstaat bei der Unterdrückung der Schwarzen?
Das Homelandsystem wurde mit IBM-Hilfe aufgebaut. Wenn man demnach Zulu war, gehörte man nach KwaZulu, selbst wenn man dort seit 50 Jahren nicht mehr gelebt hatte. Drei Millionen Menschen wurden nach diesem System zwangsumgesiedelt. Die Folgen für die Menschen waren verheerend. Alles, was Identität gab, sämtliche Wurzeln wurden ausgerissen. Das hat heute noch Einfluß auf uns, denn wenn man das mit Menschen macht, zerstört man ihre sozialen Beziehungen. Die Menschen wurden wie Güter behandelt. Sie wurden auf ein kahles Stück Land versetzt, die Kindersterblichkeitsrate stieg extrem, sie hatten keine Nahrung, ihr Vieh wurde ihnen genommen. Viele haben ihre Verarmung immer noch nicht überwunden.
Khulumani ist die Stimme für 58000 Apartheidopfer. Wie gehen die heute mit den schmerzhaften Erinnerungen um?
Das ist nur die Zahl derer, die sich momentan bei uns registriert haben. Unsere Datenbank erfaßt Verbrechen wie Hinrichtung und Mord, wahlloses Erschießen, Folter, Vergewaltigung oder brutale unmenschliche Behandlung. 54 Prozent unserer Leute haben schwere Folter überlebt. Väter wurden bewußt vor den Augen ihrer Kinder zusammengeschlagen, um ihnen ihre Ohnmacht zu demonstrieren. Das hat schwere psychologische Schäden verursacht. Die von Folter Traumatisierten können nicht schlafen, ohne Tabletten oder Drogen zu nehmen.
Hat sich jemals eines der Unternehmen für ihre Unterstützung des Apartheidstaats entschuldigt?
Nicht ein einziges. Nein. Daimler streitet jede Verantwortung ab und behauptet, daß eine unabhängige Kommission den Konzern 1999 entlastet habe. Zudem habe der frühere Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp sogar von Nelson Mandela eine Medaille für sein Engagement gegen die Rassentrennung verliehen bekommen.
Wie paßt das zu der Tatsache, daß Daimler 2500 Unimogs an Apartheid-Südafrika geliefert hat, während Schrempp Manager in der südafrikanischen Mercedes-Benz Niederlassung war?
Mandela hat meiner Ansicht nach viele strategische Fehler begangen. Er ist auf einem schmalen Grat gewandert mit dem Versuch, die Wirtschaft zu besänftigen, weil er keine Investoren verlieren wollte. Dafür hat er Prinzipien geopfert. Schrempps Namen höre ich zum ersten Mal. Mercedes hat in Südafrika etliche HIV-Programme ins Leben gerufen, aber sie haben sich nie den Konsequenzen ihrer Geschäfte zugewandt. Daimler bietet jetzt sogar südafrikanischen Experten Geld dafür, daß sie vor Gericht für den Konzern aussagen. Die Leute verkaufen ihre Seele.
Siehe auch JungeWelt: – Reparationen gefordert -











Dienstag, 26. Januar 2010
Also mal ehrlich; welchen Europäer interessiert das Apartheits-System irgendwelcher Länder?
Wir haben so viele Baustellen vor unserer Tür, die erstmal bewältigt werden wollen.
Das zu schaffen und auf einen machbaren Weg zu bringen ist Herausforderung genug.
Für mich hat sich dieser Beitrag disqualifiziert.
Sorry.