Um Griechenland zu retten muss die Bevölkerung büssen

Samstag, 6. Februar 2010-16:09 -|-Thema: Gesellschaft, Hintergründe

Von Alles Schall und Rauch | – Die griechische Regierung hat ein Sparpaket verabschiedet, welches einschneidende Massnahmen und massive Einschränkungen für die Bevölkerung bedeutet. Deshalb haben die Gewerkschaften zu landesweiten Demonstrationen aufgerufen.

Um die galoppierende Staatsverschuldung aufzuhalten, sollen folgende Massnahmen eingeführt werden:
- 10% weniger Lohn für alle Beamten und öffentlichen Bediensteten
- Eine generelle Reduzierung aller Staatsausgaben um 10%
- Erhöhung der Benzinsteuer
- Allgemeine Steuererhöhungen
- Erhöhung des Rentenalters
Ein Einstellungsstopp und keine Verlängerung von befristeten Arbeitsverträgen im öffentlichen Dienst wurde bereits vorher entschieden, was ein Abbau der Arbeitsplätze bedeutet. Die griechische Regierung hofft dadurch mehr als eine Milliarde Euros einzusparen.

In einer Fernsehansprache am Dienstag forderte Premierminister George Papandreou die Öffentlichkeit und die Opposition auf, seine Sparmassnahmen zu unterstützen. Er sagte: „Das ist der Versuch das Land vor einem Sturz in den Abgrund zu bewahren!
Als Reaktion haben am vergangenen Donnerstag die Steuer- und Zollbeamten für zwei Tage gestreikt und weitere Arbeitskampfmassnahmen werden für den 10. Februar von Beamten, Ärzte, Spitalpersonal und Industriearbeiter erwartet.
Wir haben bereits Opfer gebracht und akzeptieren keine weiteren mehr,“ sagte Argyris Sakellaropoulos, Chef der Gewerkschaft der Zollbeamten.
Der griechische Gewerkschaftsdachverband (GSEE) hat einen Streik für den 24. Februar ausgerufen.

Yiannis Panagopoulos, der Anführer der grössten griechischen Gewerkschaft sagte, die Regierung hat ihr Versprechen gebrochen, das Rentenalter nicht zu verändern, welches 65 für Männer und 60 für Frauen ist „Das Rentenalter zu erhöhen löst keine Probleme,“ sagte Panagopoulos nach einem Gewerkschaftstreffen, wo der Streik beschlossen wurde. Wie die Erhöhung aussehen soll, hat die Regierung noch nicht verkündet.

Griechenland hat Schulden von 294 Milliarden Euro und ein Budgetdefizit von 12,7 Prozent, weit über die 3 Prozent welche von der EU als Maximum vorgeschrieben sind. Deshalb wurde die Kreditwürdigkeit des griechischen Staates auf „Schrott“ herabgestuft.
Insgesamt will Athen 10,3 Milliarden dieses Jahr durch besserer Steuereintreibung, Kostenreduzierung und geringeren Militärausgaben einsparen. Weitere Sparmassnahmen sind vorgesehen.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet sagte, die griechischen Massnahmen wären „Schritte in die richtige Richtung.
Gewerkschaftsführer sagen, die Sparmassnahmen sind auf Druck der EU und internationalen Finanzkreisen schrittweise immer schärfer geworden.

Die Bauern sind auch aufgebracht und haben Autobahnen und Strassen um Saloniki blockiert und die Strassen nach Bulgarien und überhaupt im Norden des Landes gesperrt. Kilometerlange Lastwagenkolonnen stehen am Strassenrand und können wegen der Blockade und dem Zöllnerstreik nicht weiterfahren.

Einige Fabriken des Landes sind von Arbeitern besetzt, die ebenfalls gegen die Sparmassnahmen protestieren, wie die von Kanakis in Volos.

Das lustig ist, die Beamten des griechischen Wirtschaftsministeriums, welche die Einschränkungen durchsetzen sollen, haben ebenfalls am Donnerstag für 48 Stunden die Arbeit niedergelegt und den Eingang zum Ministerium in Athen blockiert.

Das ganze Land ist im Aufstand und drückt seinen Protest gegen die Politik der Regierung aus. Die Bevölkerung muss die Probleme ausbaden, die sie gar nicht verursacht hat.

Irgendwoher muss ja das Geld kommen, wenn der Staat völlig pleite ist und es kommt wie immer nur von den schwächsten. Nein, nicht von den Bankstern und Finanzoligarchen, nicht von den Spekulanten und Finanzverbrechern, welche vorher Billionen an Profite eingesackt haben und dann die Weltfinanzkrise verursachten, damit die Steuerzahler sie retten mussten. Jetzt heisst es nochmals zahlen, in dem die, die sowieso am wenigsten haben den Gürtel enger schnallen müssen.

Mich würde es nicht wundern, wenn der Staat die ganze private Altersvorsorge, wie Pensionskassengelder und Lebensversicherung enteignet, so wie es in Argentinien bereits passiert ist. Diese Guthaben sind viel zu verlockend, um nicht verstaatlicht zu werden. Was sich die Menschen mühsam fürs Alter erspart und eingezahlt haben, wird einfach gestohlen.

Wie ich schon oft geschrieben habe, die Finanzkrise ist bewusst gemacht worden, um einen Vermögenstransfer von unten nach oben durchzuführen. Es ist ein gigantischer Raubzug an der Bevölkerung. Ziel ist es die Mittelschicht zu zerstören und eine Masse an Armen zu produzieren die keinen Mucks mehr machen, weil sie ums Überleben kämpfen. Was in Griechenland passiert, werden wir früher oder später auch erleben.

Quelle: – Alles Schall und Rauch – Mit freundlicher Genehmigung zur Wiedergabe hier auf dem womblog.de.

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gelesen: 453 · heute: 5 · zuletzt: 11. März 2010

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3 Kommentare

  1. 1
    Reiner Tiroch 
    Samstag, 6. Februar 2010

    Wie sonst sollen sich die Regierungen der Welt von den Schuldenbergen befreien, wenn nicht durch eine Währungsreform? Vorher allerdings müssen sich alle Verantwortlichen die Taschen mit Boni, Gehaltszahlungen, Abfindungen und satten Renten füllen. Dem Volk bleiben ja Brot und Spiele.

  2. @ AsuR

    Der Fall Griechenland ist nur der Anfang.
    Weitere Staaten stehen schon vor der Pleite.
    Das geht sogar durch die Main-Medien.

    Einige Länder wie zB GR haben den Euro (und seine Vorteile) nicht dazu genutzt, ihre Finanzen in den Griff zu bekommen.
    Das Gegenteil ist offensichtlich der Fall.
    Der Griff in die nicht versiegende Euro-Kasse hat dazu verleitet, immer weiter Schulden anzuhäufen.
    Ich finde es ganz toll, wenn die andern Mitgliedsstaaten dafür einstehen müssen.
    Hauptsache ist, dass wir für die Verfehlungen Anderer, den “Gürtel enger schnallen” sollen.
    Die Menschen werden durch so viele “Sparpakete” ausgeraubt; und auch durch andere Maßnahmen, dass sie gar nicht mehr wissen, wo das Geld für das tägliche Leben herkommen soll.
    Das Geld wächst eben nicht auf Bäumen, so dass man es einfach pflücken kann.

    Btw.: Ich kann die Griechen gut verstehen, wenn sie Krawall machen.
    So kann sich des Volkes Zorn entladen.
    Das ist eben der Preis, den die falsche Politik zu bezahlen hat.

    Jetzt können die verantwortlichen glücklich sein, dass sie durch die Europäische Völkergemeinschaft gestützt werden.
    Ich meine, das ist in Ordnung. Auch wenn es mittlerweile einige “Notleidende” Mitgliedsländer gibt.
    Es gilt: Mit gefangen, mit gehangen.
    Dafür gibt es Verträge, die einzuhalten sind.
    Auch wenn es weh tut. Und es tut verdammt weh.

    LG roush

  1. Die Mehrwertsteuer von Griechenland soll wegen der Pleite erhöht werden…

    Der Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte nun aus, dass die Regierung in Athen sich auf ein Sparprogramm geeinigt ha……

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