Bra­si­lien: Bes­sere Medi­ka­men­ten­ver­sor­gung für alle

Donnerstag, 27. Oktober 2011 | Brasilien |

Von Fabiola Ortiz– Rio de Janeiro | IPS |

Bra­si­lien strebt den Ausbau seiner Pharm­a­pro­duk­tion an. So will das größte süd­ame­ri­ka­ni­sche Land künftig mehr eigene Arz­nei­mittel her­stellen und zum größten Lie­fe­ranten von Medi­ka­menten gegen die Chagas-​Krankheit auf­steigen. Wie Gesund­heits­mi­nister Alex­andre Padilha unlängst bekannt gab, wird die Her­stel­lung der Chagas-​Präparate auf Wunsch von Orga­ni­sa­tionen der mul­ti­la­te­ralen Zusam­men­ar­beit verdoppelt.

Erreichbar sei das Ziel dank der bewährten Zusam­men­ar­beit zwi­schen staat­li­chen und pri­vaten Labo­ra­to­rien. Wie von der Pan­ame­ri­ka­ni­schen Gesund­heits­or­ga­ni­sa­tion emp­fohlen, stellt Bra­si­lien der­zeit 1,2 Mil­lionen Tabletten gegen die durch Raub­wanzen über­tra­gene Krank­heit her. Padilha zufolge soll die Pro­duk­tion bis Ende des Jahres auf 2,4 Mil­lionen Pillen hoch­ge­fahren werden. Allein 225.000 Tabletten sind für die Orga­ni­sa­tion Ärzte ohne Grenzen bestimmt. 2008 hatte sich Bra­si­lien bereits zum allei­nigen Chagas-​Medikamentenhersteller erklärt, nachdem das staat­liche Labor Lafepe im nord­öst­li­chen Bun­des­staat Pernam­buco die Wirk­stoff­be­stände vom inter­na­tio­nalen Phar­ma­kon­zern Roche über­nommen hatte.

Chro­ni­sche Infektionen

Die Chagas-​Krankheit wird durch den Para­siten ‘Tri­pa­no­soma cruzi’ über­tragen, mit dem sich Men­schen über den Kon­takt mit den Exkre­menten der Wanze infi­zieren. In Bra­si­lien treten zwar keine Neu­in­fek­tionen mehr auf, jedoch müssen noch viele chro­ni­sche Fälle behan­delt werden.
Die Krank­heit kommt vor allem in Lateinamerika vor. Nach Schät­zungen der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) gibt es in den 21 Län­dern, in denen die Chagas-​Krankheit ende­misch ist, zur­zeit etwa acht Mil­lionen Infi­zierte. 1990 war die Zahl noch dop­pelt so hoch.

»Der Zugang zu Medi­ka­menten steht an zen­traler Stelle im Gesund­heits­recht«, sagte Padilha. Die Zusam­men­ar­beit mit der ein­hei­mi­schen Indus­trie sei daher grund­le­gend, um das öffent­liche Gesund­heits­system (SUS) zu unter­stützen. Padilha sieht in der Grün­dung von SUS vor 23 Jahren das rich­tige Rezept, um allen Bür­gern den Zugang zu einer grund­le­genden Gesund­heits­ver­sor­gung zu ermöglichen.

Die Qua­lität der Behand­lungen müsse aller­dings erheb­lich ver­bes­sert werden, mahnte Padilha. Der Minister wies jedoch zugleich darauf hin, dass der Rück­gang der Tuberkulose-​Fälle um 40 Pro­zent in den ver­gan­genen zehn Jahren auf die Erfolge bei der Armuts­be­kämp­fung zurück­zu­führen sei. In dieser Zeit­spanne ent­kamen 36 Mil­lionen Bra­si­lianer der abso­luten Armut.
Den­noch gilt Bra­si­lien wei­terhin als Land mit starken sozialen Gegen­sätzen. Diese Ungleich­heit zeigt sich auch beim Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung. Experten sehen eine Aus­wei­tung der Pharm­a­pro­duk­tion als Vor­aus­set­zung, um mehr Men­schen medi­zi­nisch behan­deln zu können.

Padilha berich­tete ferner von Plänen, bio­tech­no­lo­gi­sche Medi­ka­mente her­zu­stellen, um die Kosten etwa für Arz­neien gegen Krebs oder gegen einige Infek­ti­ons­krank­heiten zu senken und um die Mittel somit mehr Men­schen zugäng­lich machen zu können. Bisher wird nur ein Pro­zent aller bra­si­lia­ni­schen Medi­ka­mente bio­tech­no­lo­gisch hergestellt.

    Diesen Beitrag weiterempfehlen:

Beitragsdetails

Kategorie » Brasilien « | Tags » , , , , «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 |

Die Kommentare sind geschlossen aber Du kannst einen Trackback senden.