Bra­si­lien: ‘Grüné’ Energie auf dem Vor­marsch — Wind­kraft schafft faire Arbeitsplätze

Dienstag, 22. November 2011 | Brasilien |

Von Alice Mar­condes– São Paulo | IPS |

eolica- windkraft brasilienUnter­nehmen, die auf gesell­schaft­liche For­de­rungen nach einer ‘sau­beren’ Wirt­schaft ein­gehen wollen, bieten zuneh­mend ‘grüné’ Jobs an. Auch Bra­si­lien folgt dem Trend und baut seinen Wind­en­er­gie­sektor aus. Nutz­nießer ist der struk­tur­schwache Nord­osten des Landes. Nach Erkennt­nissen der Inter­na­tio­nalen Arbeits­or­ga­ni­sa­tion ILO ent­spre­chen mehr als 2,6 Mil­lionen Stellen auf dem for­mellen bra­si­lia­ni­schen Arbeits­markt diesen Kriterien.

Somit tragen 6,7 Pro­zent aller Arbeit­nehmer in dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Land zu einer nach­hal­tigen ökolo­gi­schen Ent­wick­lung bei. ILO geht in einer in Bra­si­lien ver­öf­fent­lichten Studie davon aus, dass die Zahl dieser Stellen mit­tel­fristig weiter ansteigen wird. Fast 550.000 Per­sonen sind im Bereich der erneu­er­baren Ener­gien tätig, der als eine der wachs­tums­träch­tigsten Markt­ni­schen gilt. Die wich­tigsten ‘grünen’ Arbeits­felder sind zur­zeit noch Bio­sprit­pro­duk­tion aus Zucker­rohr und große Was­ser­kraft­werke. Vor­an­ge­trieben wird das Wachstum im Sektor der erneu­er­baren Ener­gien aber vor allem durch Wind­tur­binen. Die Erzeu­gung von Wind­en­ergie schafft vor allem faire Arbeits­plätze. »Der Windenergie-​Sektor besteht aus großen Pro­jekten, die haupt­säch­lich feste Stellen schaffen«, sagte Paulo Sérgio Muçouçah, der für ILO in Bra­si­lien die nach­hal­tigen Arbeits­platz­pro­gramme koordiniert.

Wind­kraft­sektor ohne Arbeitskonflikte

»Da die Arbeits­kräfte offi­ziell regis­triert und ihre Arbeits­rechte gewahrt werden, kann man ihre Beschäf­ti­gung als ‘fair’ bezeichnen. In der Zucker­rohr­in­dus­trie und der Was­ser­kraft­pro­duk­tion ist dagegen eine Rekord­zahl von Arbeits­kon­flikten ver­zeichnet worden, sowohl auf Plan­tagen als auch beim Bau von Stau­dämmen«, erklärte Muçouçah. »Damit sind diese Bereiche im Ver­gleich zur Wind­en­ergie im Nachteil.«

Der Anteil der Wind­kraft an den welt­weit erzeugten Ener­gien ist im Laufe der ver­gan­genen 15 Jahre um fast das 32-​Fache gestiegen. In Bra­si­lien war das Wachstum aller­dings eher ver­halten. Obwohl die großen Wind­kraft­an­lagen dem Atlas des bra­si­lia­ni­schen Wind­en­er­gie­po­ten­zials zufolge 300 Giga­watt pro­du­zieren könnten, betrug die instal­lierte Kapa­zität im Mai dieses Jahres nur knapp ein Giga­watt, was einer Mil­li­arde Watt entspricht.

Der Zehn-​Jahres-​Plan der bra­si­lia­ni­schen Regie­rung für die Ener­gie­ent­wick­lung sieht vor, dass die Kapa­zi­täten bis 2020 auf zwölf Giga­watt erwei­tert werden sollen. Der Bra­si­lia­ni­schen Ver­ei­ni­gung für Wind­kraft (Abe­eó­lica) geht dies jedoch nicht weit genug. »Wir hoffen, dass wir mit etwa 22 Giga­watt die dop­pelte Leis­tung errei­chen«, sagte Elbia Melo, die Geschäfts­füh­rerin von ‘Abe­eó­lica’.
Zur­zeit stellt der Sektor etwa 13.000 direkte und indi­rekte Arbeits­plätze in der Pro­duk­tion und in der Ver­mark­tung der Strom­er­zeu­ger­dienste bereit. Ein­ge­rechnet sind auch die Beschäf­tigten, die für den Bau von Wind­kraft­an­lagen benö­tigt werden. »Auch die Her­stel­lung von Tur­binen und anderen Kom­po­nenten bietet einen viel­ver­spre­chenden Markt«, sagte Muçouçah. In Bra­si­lien arbeiten laut dem ILO-​Experten bereits drei sol­cher Fabriken. Zudem hätten etliche wei­tere Unter­nehmen die Vor­aus­set­zungen für die Eröff­nung der­ar­tiger Pro­duk­ti­ons­an­lagen unter­su­chen lassen.

Wind­kraft benö­tigt im Ver­gleich zur Was­ser­kraft mehr Per­sonal und kann daher eine grö­ßere Zahl von Arbeits­plätzen schaffen. Um ein Tera­watt (eine Bil­lion Watt) zu erzeugen und an die Ver­brau­cher wei­ter­zu­leiten, werden in Wind­kraft­an­lagen 918 bis 2.400 Arbeits­kräfte gebraucht. Ein Was­ser­kraft­werk kommt dagegen mit 250 Beschäf­tigten aus, um die gleiche Menge Strom her­zu­stellen und zu verteilen.

Armer Nord­osten Bra­si­liens pro­fi­tiert von Projekten

Laut Muçouçah ver­teuert sich die Wind­en­ergie durch den Ein­satz von mehr Arbeits­kräften nicht. »Der Bau von Was­ser­kraft­werken ist extrem kos­ten­in­tensiv«, erklärte er. »Dafür muss am Ende der Ver­brau­cher zahlen.«
43 der bisher 62 Wind­kraft­an­lagen in Bra­si­lien befinden sich im Nord­osten, die mit Winden vom Atlantik ver­sorgt werden. »Dadurch, dass die Arbeits­plätze in der ärmsten und rück­stän­digsten Region Bra­si­liens ent­stehen, trägt die Wind­en­ergie auch zur Ent­wick­lung bei«, fügte der ILO-​Verantwortliche hinzu.

Bei der jüngsten Ver­gabe von öffent­li­chen Auf­trägen im Ener­gie­be­reich erhielten Wind­kraft­firmen von der Zen­tral­re­gie­rung den Zuschlag für die Hälfte der Ver­träge. Sie sehen die Pro­duk­tion von ins­ge­samt zwei Giga­watt zu einem Preis von umge­rechnet weniger als 58 Dollar pro Mega­watt­stunde vor. Damit liegen die Kosten deut­lich unter denen für Was­ser­kraft. Als Vor­aus­set­zung für ein robustes Wachstum sieht Abeeólica-​Chefin Melo aller­dings noch den Ausbau der Transportlogistik.

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empregos_verdes_brasil_256.pdf
http://​www​.cresesb​.cepel​.br/​p​u​b​l​i​c​a​c​o​e​s​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​t​a​s​k​=​l​i​v​r​o​&​a​m​p​;​c​i​d=1
http://​www​.abe​eo​lica​.org​.br/​s​i​t​e​/​z​p​u​b​l​i​s​h​e​r​/​s​e​c​o​e​s​/​h​o​m​e​.​asp
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