Bra­si­lien: Mehr Respekt gegen­über Trans­se­xu­ellen und Trans­ves­titen auf Poli­zei­wa­chen in Rio

Mittwoch, 15. Februar 2012 | Brasilien |

Von Fabiola Ortiz — Rio de Janeiro – IPS

Der bra­si­lia­ni­sche Bun­des­staat Rio de Janeiro will sicher­stellen, dass künftig deut­lich mehr Straf­taten gegen Trans­ves­titen und Trans­se­xu­elle akten­kundig werden. So tritt im März eine neue Rege­lung in Kraft, die es den Ange­hö­rigen der sexu­ellen Min­der­heiten erlaubt, Überg­riffe unter den von ihnen selbst erwählten Namen anzu­zeigen. Trans­ves­titen und Trans­se­xu­elle for­dern seit langem, die Namen führen zu dürfen, die sie sich selbst aus­ge­sucht haben.

Sie sind die­je­nigen sexu­ellen Min­der­heiten, die am stärksten Vor­ur­teilen und Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt sind – vor allem von Seiten der Polizei, wie Cláudio Nasci­mento, Koor­di­nator des staat­li­chen Pro­gramms ‘Rio ohne Homo­phobie’, erklärte.

Im welt­weiten Ver­gleich ist Bra­si­lien, wo 192 Mil­lionen Men­schen leben, sogar das Land mit der größten Zahl von Hass­ver­bre­chen gegen sexu­elle Min­der­heiten. Nasci­mento misst der Neu­re­ge­lung eine hohe sym­bo­li­sche Bedeu­tung bei. Sie werde die Bereit­schaft der Opfer, gegen sie gerich­tete Ver­bre­chen anzu­zeigen, erhöhen.
»Wenn man jemandem, der eine andere Geschlechts­iden­tität annimmt, das Mensch­sein ver­wei­gert, kann das großen Schaden anrichten«, meinte Nasci­mento. Bis­lang bekamen Trans­se­xu­elle und Trans­ves­titen Schwie­rig­keiten, wenn sie bei der Polizei unter ihrem selbst erwählten Namen Anzeige erstatten wollten.

Im ver­gan­genen Jahr sam­melten die drei bra­si­lia­ni­schen Men­schen­rechts­zen­tren, die sich gegen Homo­phobie enga­gieren, rund 5.000 Gesprächs­pro­to­kolle und 2.000 Straf­an­zeigen, von denen sich 20 Pro­zent auf Trans­ves­titen und Trans­se­xu­elle bezogen. Obwohl die Gruppe ver­hält­nis­mäßig klein sei, werde sie am häu­figsten ange­griffen, berich­tete Nascimento.

In den nächsten Wochen wird die Polizei auf die neuen Her­aus­for­de­rungen vor­be­reitet. Im Rahmen des Pro­gramms ‘Rio ohne Homo­phobie’ wurden bereits mehr als 5.000 Mili­tär­po­li­zisten und 1.200 zivile Poli­zei­be­amte fort­ge­bildet. Von März an dürfen Trans­ves­titen und Trans­se­xu­elle in allen 164 Poli­zei­wa­chen des Bun­des­staates ihre selbst­ge­wählten Namen angeben.

Diese Men­schen, die ohnehin schon viel Leid erführen, dürften nicht noch auf den Poli­zei­wa­chen schlecht behan­delt werden, meinte Martha Rocha, die Lei­terin der Zivil­po­lizei in Rio de Janeiro. Die in dem Bun­des­staat geplante Neu­re­ge­lung sei ein­zig­artig in ganz Brasilien.

Nasci­mento hofft, dass andere Bun­des­staaten sich daran ein Bei­spiel nehmen werden. »Die Kosten werden dadurch nicht steigen, der respekt­volle Umgang mit Men­schen wird geför­dert und die öffent­liche Ver­wal­tung wird in einen zivilen Rahmen der mensch­li­chen Würde ein­be­zogen«, sagte er. »An der Art, wie sexu­elle Min­der­heiten behan­delt werden, zeigt sich der Grad der Zivi­li­sa­tion eines Landes.«
Nach Unter­su­chungen der Schwulen-​Gruppe von Bahia im Nord­osten des Landes wurden im Jahr 2010 etwa 250 Morde mit homo­pho­bi­schem Hintergrund regis­triert. Alle 36 Stunden komme es zu einem sol­chen Verbrechen.

Kom­mis­sion prüft Beschwerden gegen Polizisten

Das neue Regis­trie­rungs­ver­fahren für Straf­taten gegen Homo­se­xu­elle wurde im ver­gan­genen Juli per Dekret vom Gou­ver­neur des Bun­des­staates, Sergio Cabral, in Kraft gesetzt. Poli­zisten, die die neuen Rege­lungen nicht befolgen, können einer Kom­mis­sion gemeldet werden, die die Beschwerden über­prüft. »Damit werden die Struk­turen der Sicher­heits­dienste ver­än­dert. Künftig haben wir die Mög­lich­keit, ver­läss­liche Angaben über die Gewalt gegen Schwule zu sam­meln und den Betrof­fenen kon­krete Hilfe zu leisten«, sagte Nascimento.

Mit Blick auf den Kar­neval in diesem Monat kün­digte Rocha an, dass die Polizei in den tra­di­tio­nellen Hoch­burgen spe­ziell auf den neuen Umgang mit Homo­se­xu­ellen vor­be­reitet werde. Die bekannte Sän­gerin und Trans­ves­titin Jane di Castro begrüßte die Bestim­mungen als Sieg für die Homosexuellen.

Links:
http://​www​.rio​sem​ho​mo​fobia​.rj​.gov​.br/​p​r​o​g​r​ama
http://​www​.ggb​.org​.br/​w​e​l​c​o​m​e​_​o​l​d​.​h​tml
http://​www​.ips​no​ti​cias​.net/​n​o​t​a​.​a​s​p​?​i​d​n​e​w​s​=​1​0​0​115
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