Cajamarca, Peru: Gold oder Wasser?
Montag, 09. Januar 2012 | Hintergrundberichte u. Analyse |
Das andine Dilemma zwischen Wirtschaftswachstum, Schutz der Umwelt und indigenen Interessen: Conga und Humala gegen die Cajamarquinos. Von Olivier Vogel – womblog.de
Am 28. Oktober 2011 waren es genau drei Monate, dass Ollanta Humala, der als linksnationalistisch geltende Vorsitzende der Partido Nacionalista Peruano (PNP), zusammen mit anderen kleineren Parteien des Wahlbündnisses Gana Perú nach der gewonnen Stichwahl gegen Keiko Fujimori das Amt des Präsidenten der Republik übernahm.
Trotz des sehr knappen Sieges in der zweiten Wahlrunde am 5. Juni, die der Ex-Militär Humala mit 51,4% der abgegebenen gültigen Stimmen für sich entscheiden konnte, gelang es ihm innerhalb weniger Wochen, die Sympathie und das Vertrauen der Peruanerinnen und Peruaner auch über seine traditionelle Wählerschaft hinaus zu erlangen.
So glänzte der erste linksgerichtete Präsident Perus seit über 30 Jahren Anfang November 2011, also etwa 100 Tage nach Amtsbeginn, mit überragenden Zustimmungswerten zwischen 60 und 62% und bekam oft lobende Worte von ehemaligen Kritikern für seine gelungene Regierungsführung und für die ausgeglichene Linie zwischen Beibehaltung der ökonomisch liberalen Wirtschaftspolitik seines Vorgängers Alan García auf der einen, und dem Ausbau der staatlichen Sozialprogramme auf der anderen Seite. Die Befürchtung der Anleger an der Börse in Lima und der ausländischen Investoren räumte Humala innerhalb weniger Wochen aus dem Weg und machte somit noch einmal deutlich, dass sich seine Wirtschafts– und Sozialpolitik an der des östlichen Nachbarn Brasilien (Prinzip Lula statt Prinzip Chávez) orientieren würde. Die Bilanz nach 100 Tage fiel also durchweg positiv aus: Neue Steuern für die Bergbauunternehmen bei gleichzeitiger Garantie der Nichtverstaatlichung, Einführung einer allgemeinen und flächendeckenden Rente von 125 Nuevos Soles für über 65jährige, Anhebung des Mindestlohns von 600 auf aktuell 675 Soles (~ 190 €) und Neugründung des Ministeriums für Entwicklung und soziale Inklusion. Dieses neue Ministerium hat bereits knapp nach einem Monat nach der Amtsübernahme Humalas ein Gesetz der präventiven Volksbefragung (Ley de Consulta Previa) in den peruanischen Kongress eingebracht, das am 23. August 2011 verabschiedet wurde. Dieses Gesetz ist an Artikel 6 der Konvention 169 der International Labour Organization angelehnt und soll den Indigenen mehr Mitspracherechte einräumen, falls ihre Interessen beispielsweise durch groß angelegte Infrastruktur-, Erdöl-, Gas– oder Bergbauprojekte verletzt werden könnten. »Das Ziel dieser Befragung im Rahmen des Gesetzes ist es, eine Übereinkunft oder ein Einverständnis zwischen dem Staat und den indigenen Völkern zu erreichen. Dies gilt insbesondere dann, wenn vitale Interessen der Indigenen gefährdet sind. Damit soll die Eingliederung der Indigenen in den politischen Entscheidungsprozess ermöglicht werden«, so der Wortlaut des Gesetzes. Damit ist Peru neben Ecuador und Bolivien die dritte Andenland, welches eine so genannte Consulta Previa als Gesetz verabschiedet hat.
Während seiner Wahlkampagne, und auch darüber hinaus, also in den ersten Wochen und Monaten der neuen Regierung, war die Rhetorik des neuen peruanischen Präsidenten eine Art selbstauferlegter Drahtseilakt zwischen der Beibehaltung der ausländischen Direktinvestitionen und der Wahrung der indigenen Interessen wie dem Schutz der Umwelt und der Versuch der Beilegung von über 200 sozialen Konflikten im Land, die Humala von seinem Amtsvorgänger geerbt hat. Dieser Drahtseiltakt scheint nun im aktuell brisanten innenpolitischen Konflikt zwischen der peruanischen Regierung und Einwohnern des Departments Cajamarca, die gegen das 4,8 Milliarden US$-schwere Goldminenprojekt Minas Conga demonstrieren, schiefzugehen. Die Region Cajamarca ist seit Ende Oktober 2011 von starken Protesten, Straßenkämpfen und Blockaden geprägt. Es ist der Ort, an dem im Jahre 1532 die spanischen Kolonisatoren den Inka-Herrscher Atahualpa fanden und töteten, nachdem er vergeblich versuchte hatte, sich mit riesigen Mengen von Gold und Silber freizukaufen. Heute steht Cajamarca neben den touristischen Thermalbädern der Inkas auch für Yanacocha, die zweitgrößte Goldmine der Welt, deren Inhaber Yanacocha Mining hauptsächlich von der US-amerikanischen Firma Newmont Mining kontrolliert wird. Neben Newmont halten auch das peruanische Bergbauunternehmen Buenaventura und die International Finance Corporation der Weltbank-Gruppe Anteile an Yanacocha. Im Juli gab der Newmont-Konzern das Projekt Minas Conga offiziell bekannt, welches ab 2015 als größtes Gold– und Kupferabbauprojekt in die peruanische Geschichte eingehen soll und laut Angaben des Economist innerhalb der nächsten 19 Jahre ca. 3 Milliarden US-$ Steuern in die peruanische Staatskasse bringen würde. Milton Sánchez, ein lokaler Sprecher der Anti-Conga-Koalition kann den Versprechen des Konzerns wenig abgewinnen, die Gegner des Riesenprojektes sind der Überzeugung, dass die Goldmine riesige Flächen in der Region Cajamarca, La Encañada und Celendín des Departements Cajamarca durch Wasserverschmutzung für die Landwirtschaft und die Trinkwassernutzung auf unabsehbare Zeit unbrauchbar machen würden. Vor allem die Planung der Trockenlegung vier elementar wichtiger Bergseen in der Region, wovon zwei für den Tagebau, und weitere zwei für den Abraum genutzt werden sollen, sorgen für Unmut bei den Einwohnern von Cajamarca, da der Großteil der Trinkwasserleitungen von Bergseen im Umland gespeist wird.
Cajamarca befindet sich seit Ende Oktober im Ausnahmezustand. Obwohl der Großkonzern Yanacocha nach sechs Streik– und Blockadetagen in der nordperuanischen Provinz einen »vorübergehenden Stopp« des Bergbauprojekts verkündet hat, um einen nationalen Dialog anzusetzen, gingen die teilweise blutigen Auseinandersetzungen zwischen den cajarmarquinischen Demonstranten und der hart durchgreifenden Nationalpolizei unvermindert weiter. Neben dem durch die Demonstrationen und Blockaden gestörten Personen-, Waren– und Nahrungsmitteltransport ist auch der Flugverkehr durch die Schließung des regionalen Flughafens stark beeinträchtigt.
Die Umfragewerte des peruanischen Präsidenten Ollanta Humala sind inzwischen gewaltig gesunken, die Mehrheit der indigenen Bevölkerung Perus scheint der Aussage Humalas, in Peru sei der massive Abbau von Gold bei gleichzeitigem Schutz der Wasservorräte in den Andenbergseen möglich, nicht zuzustimmen. In einer Ansprache an die Bürgerinnen und Bürger stellte er fest: »Ich habe klar und deutlich signalisiert, dass wir keine Antibergbauregierung sind, und dass wir dafür sorgen müssen, dass der Bergbau der gesamten Bevölkerung nutzt, und deswegen sage ich ‘Gold und Wasser’ und nicht ‘Gold oder Wasser.’« Auch der Hinweis auf die starke Abhängigkeit vom Verkauf von Bergbauprodukten, die derzeit etwa 60% der Exporte ausmachen, scheint die Gegner des Projekts nicht überzeugen zu können, weswegen Wilfredo Saavedra, Präsident der »Umweltschutzfront« (Frente de Defensa Ambiental), am 23. November den Generalstreik in 13 Provinzen Cajamarcas ausrief.
In den folgenden Tagen schickte die Regierung eine — Verhandlungsdelegation unter Führung des damaligen Premierministers Salomon Lerner — mit drei Staatsministern, Vertretern der Katholischen Kirche und der Defensoría del Pueblo nach Cajamarca, welche jedoch schon nach wenigen Tagen die Verhandlungen mit den Demonstranten und ihren Sprechern für gescheitert erklärte. Laut ihrer Aussagen aufgrund der Weigerung der Demonstranten, den Generalstreik und die Blockaden auszusetzen. Daraufhin verkündete Ollanta Humala in einer Nachricht an die Nation den Not– bzw. Ausnahmezustand, der dem Militär im Landesinneren die Kontrolle über die Sicherheit des Landes übergibt und Ausgangssperren ermöglicht und in der folge dessen sämtliche Demonstrationen und Proteste unter Strafe stellte. Polizeiliche Aufgaben wie die Sicherung der öffentlichen Ordnung wurden per Dekret für bis zu 60 Tage dem Militär übergeben.. Infolgedessen kam es zu mehrmaligen Ausschreitungen in der Stadt Cajamarca, die deutsche Geoökologin Anne Grit Bernhardt, die sich seit über einem Jahr in der Region aufhält, berichtete sogar von wahllosen Schüssen der Polizisten und Militärs auf friedliche Demonstranten, von denen manche schwerverletzt sogar in die Hauptstadt Lima transportiert werden mussten, da die Krankenhäuser von Cajamarca nicht in der Lage waren, die Verwundeten zu behandeln. In den folgenden Tagen reichte der Premierminister Lerner seinen Rücktritt ein und mit ihm, so wie es in Peru üblich ist, das gesamte peruanische Kabinett. Der Präsident ernannte daraufhin seinen bisherigen Innenminister und früheren Vorgesetzten auf der Militärakademie, Oscar Valdés, zum Premierminister. Desweiteren gab es folgende Änderungen in Humalas Ministerriege: Statt der beliebten Sängerin Susana Baca ist jetzt der Soziologieprofessor Luis Peirano Kulturminister, im Frauenministerium wurde die bisherige Linke Aida García-Naranjo von der evangelikalen Ana Jara, die bereits Widerstand gegen die »Pille danach« angekündigt hat, abgelöst. Anstelle des Umweltministers Ricardo Giesecke wird nun Mariano Pulgar-Vidal, ehemaliger Präsident der NGO Sociedad Peruana de Derecho Ambiental, die Geschäfte im Umweltministerium leiten. Die peruanische Regierung vollzieht somit nach nur vier Monaten im Amt einen ganz klaren Rechtsruck, Kritiker sprechen sogar von einer »Militarisierung« der Regierung aufgrund vieler Staatssekretäre, Staatsminister und Berater, die ehemalige Militärs und Weggefährten Humalas sind. Probleme wird der Präsident damit vor allem im peruanischen Kongress haben, da viele Abgeordnete der regierenden linksnationalistischen PNP, und sein ehemaliger Unterstützer, der frühere Präsident der liberalen Wahlallianz Perú Posible, Alejandro Toledo, dem Präsidenten den Rücken gekehrt haben. Die rechtskonservativen Abgeordneten um die Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori haben hingegen positiv auf die neuerliche Kabinettsumbildung reagiert, allerdings auch klargemacht, dass ihre Unterstützung für den neuen Kurs von politischen Gefälligkeiten abhängen könnte, wie beispielsweise Keiko Fujimoris Gesuch, ihren Vater, den ehemaligen autoritären Präsidenten Alberto Fujimori, der aufgrund von Menschenrechtsverletzungen zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde und im Gefängnis sitzt, begnadigen zu lassen. Aus machtpolitischen Gesichtspunkten scheint der Schwenk vom Präsidenten der sozial Benachteiligten und Indigenen hin zum Präsidenten der Investoren in gewisser Weise nachvollziehbar zu sein, denn mit den Erlösen aus den Bergbauexporten könnte Humala seine ambitionierten Sozialprogramme in den folgenden Jahren sichern und die derzeitigen Rekordpreise für Gold, die in den letzten Jahren immer weiter gestiegen sind, scheinen ihn in seinem Kurs zu bestätigen. Dass dies auf Kosten seiner Popularität geschieht, die innerhalb von wenigen Wochen von ca. 60% Zustimmung auf mittlerweile nur noch 30 – 35% gefallen ist, scheint ihn bis jetzt noch nicht zu stören. Ein zweiter Vermittlungsversuch in Cajamarca ist am 19. Dezember gescheitert, nachdem drei Tage vorher aufgrund massiver Proteste der Notstand wieder aufgehoben wurde.
Die zwei Fronten scheinen derzeit so verhärtet wie noch nie, auch wenn die Region Cajamarca der Regierung am 27. Dezember die Durchführung eines internationales Gutachtens über die möglichen Wasserverschmutzungen im Rahmen des Conga-Projekts abringen konnte. Der Präsident der Regionalregierung Cajamarcas, Gregorio Santos, und Wilfredo Saavedra, Repräsentant der Umweltschützer, haben das Projekt als »undurchführbar« bezeichnet und am 2. Januar 2012 die Massenproteste wieder aufgenommen, woraufhin der Premierminister ankündigte, die Lokalregierung Cajamarca vor dem Verfassungsgericht wegen Überschreitung ihrer Kompetenzen anzuklagen. Wie der Konflikt um das Großbergbauprojekt Conga in naher und mittlerer Zukunft weitergeht, ist schwer zusagen. Ollanta Humala und seine Regierung befinden sich aktuell auf dem Weg der Abkehr vom zweigleisigen Start seiner Amtszeit, der vom Versuch geprägt war, wirtschaftliche Interessen mit denen der Landbevölkerung Perus zu vereinbaren, was nun, wie die letzten zwei Monate in Cajamarca gezeigt haben, der nun gescheitert ist.
Für die kommenden Monate erscheinen in Peru derzeit Drei verschiedene Szenarien möglich: Im besten Fall wird die Regierung eine Methode finden, wie sie die wütenden und aufgebrachten Demonstranten in Cajamarca wieder an den Verhandlungstisch zurücklocken kann, bevor noch mehr Blut fließen wird. Voraussetzung hierfür wäre allerdings eine erneute Modifizierung der politischen Agenda und ein deutlicher politischer Linksruck, was möglicherweise dafür sorgen könnte, dass die indigene Bevölkerung sich wieder von ihrem Präsidenten vertreten fühlt, und seine Popularität erhöhen könnte. Problem hierbei wäre allerdings der Macht– und Vertrauensverlust mangels einer klaren politischen Linie. Das zweite Szenario könnte sein, dass es der Regierung nicht gelingen wird, einen geeigneten Rahmen zu schaffen, den Konflikten zu begegnen und mit allen Beteiligten weiter zu verhandeln. Dies könnte dazu führen, dass die Regierungpolitik ins Stocken gerät und den aktuellen Konflikt sowie zahlreiche der anderen offenen sozialen Konflikte im Land nicht lösen können wird. Unter diesen Umständen wäre es schwierig, eine linkszentristische Position aufrecht zu erhalten, und Humala würde seine indigenen Stammwähler verlieren. Ebenso gefährlich wäre das dritte Szenario, indem die Regierung weiterhin ihre Strategie verfolgt, gleichzeitig einen Rechtsruck und einen Umverteilungspopulismus zu vollziehen, da nicht sicher ist, wohin dies führen könnte. Dem Einsatz von Militär auch bei anderen Volksaufständen im Land scheint der Ex-Militär Humala nicht abgeneigt zu sein, worin er sich von seinem Amtsvorgänger Alan García kaum unterscheidet, der im Juni 2009 in Bagua Proteste militärisch niederschlug, wobei über 30 Menschen ums Leben kamen. Ob auch unter Humala die sozialen Konflikten in Peru in Zukunft militärisch gelöst werden, wird sich möglicherweise in den kommenden Wochen zeigen.
Der aktuelle Konflikt in Peru zwischen den Interessen der Regierung das gigantische, Kupfer– und Goldbergbauprojekt Minas Conga durchzusetzen, und den Interessen der demonstrierenden indigenen Bevölkerung, ihren natürlichen Lebensraum vor dauerhaften Umweltschäden zu bewahren, stellt ein dauerhaftes und hochaktuelles Dilemma in Lateinamerika dar, welches in nahezu allen Ländern des Subkontinentes präsent ist: Die Ambivalenz, der Widerspruch und die Schwierigkeit wirtschaftliche und technologische Entwicklung mit dem Schutz von Minderheitenrechten zu vereinbaren. In Brasilien zeigt sich dieser Konflikt in den letzten Jahren hauptsächlich bei Großstaudammprojekten, bei denen oftmals ganze indigene Völker zugunsten nationaler Interessen wie der Infrastruktur umgesiedelt werden sollen. In Bolivien spielte sich zwischen Juni und Oktober 2011 der so genannte »TIPNIS-Konflikt« ab, bei dem die Regierung eine wichtige Überlandstraße durch einen indigenen Nationalpark bauen wollte, und letztendlich am massiven Widerstand der Bolivianerinnen und Bolivianer gescheitert ist.
Über den Autor
Olivier Vogel studiert Politikwissen– schaft, Hispanistik– Lateinamerikanistik an der Uni Regensburg/Universidad Complutense de Madrid und beschäftigt sich mit den politischen und wirtschaftlichen Dynamiken sowie Entwicklungspolitik in Lateinamerika mit besonderem Fokus auf die Andenländer. Twitter-Account: donolito
In Peru kann man derzeit in der Debatte um das Conga-Projekt eine direkte Parallele zu den zahlreichen anderen Konflikten zwischen indigenen und nationalstaatlichen Interessen ziehen. Der hohe indigene Anteil an der Bevölkerung in Peru (30 – 35%) und Bolivien (ca. 60%) machen diese Konflikte in diesen Andenländern jedoch potentiell spannungsreicher als in Ländern wie Brasilien, in denen der Anteil der indigenen Bevölkerung sehr gering ist. Ob Humala von seinem bolivianischen Amtskollegen Evo Morales, der infolge des TIPNIS-Konflikts das massive Abrücken seiner ehemaligen Unterstützer ertragen muss, lernen wird, ist fraglich, denn anders als in Bolivien sind die sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und Indigenen-Interessenverbände in Peru nicht in so starkem Ausmaß organisiert wie in Bolivien, wo der soziale Konflikt fast in einen bewaffneten Auseinandersetzung ausgeartet ist.
Genausowenig wie Evo Morales scheint es derzeit auch Humala nicht zu gelingen, seinen eigenen Anforderungen und Versprechen gerecht zu werden, die indigenen Gemeinschaften ernsthaft in den politischen Dialog und bei Berührung ihrer vitalen Interessen auch in den Entscheidungsprozess mit einzubeziehen. Das Gesetz der Consulta Previa wurde bis jetzt weder in Peru noch in Bolivien ernst genommen. Verfassungs– bzw. Gesetzesanspruch und Gesetzeswirklichkeit klaffen hier, als Konstante in der lateinamerikanischen Politik, wieder einmal besonders stark auseinander.
Sollte es Humala in nächster Zeit nicht gelingen, diese Widersprüche aus dem Weg zu räumen, wird auch er sein erklärtes Ziel der Lösung des klassischen lateinamerikanischen Entwicklungsdilemmas nicht erfüllen können und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis der nächste soziale Konflikt explodieren wird. [ © Olivier Vogel ]
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