Chile: Groß­feuer in Natio­nal­park – Stren­gere Strafen für Brand­ver­ur­sa­cher gefordert

Mittwoch, 25. Januar 2012 | Chile |

Nationalpark Torres del PaineVon Pamela Sepúl­veda – San­tiago – IPS

In dem chi­le­ni­schen Natio­nal­park Torres del Paine in Pata­go­nien wütet seit Ende Dezember ein Groß­brand. An man­chen Stellen ist der Wald voll­ständig zer­stört. Die Behörden gehen davon aus, dass die Schäden erst in 80 Jahren wieder aus­ge­gli­chen sein werden. Umwelt­ak­ti­visten kri­ti­sieren die gel­tenden Schutz­ge­setze als zu lax. Die von starken Winden ange­fachten Flammen haben sich in einem schwer zugäng­li­chen Gebiet ausgebreitet.

Wie die zustän­digen Behörden IPS mit­teilten, ist eine Fläche von mehr als 16.000 Hektar betroffen. Der Alarm wurde inzwi­schen aber von dem natio­nalen Amt für Kata­stro­phen­schutz von der Stufe rot auf die Stufe gelb zurück­ge­stuft. Min­des­tens 200 Ein­satz­kräfte kämpfen gegen den Brand, dar­unter Beamte der Forst­be­hörde CONAF, Ange­hö­rige der Streit­kräfte und der Polizei. Auch aus den Nach­bar­län­dern Argen­ti­nien, Uru­guay und Bra­si­lien kam Ver­stär­kung.
Der Natio­nal­park Torres del Paine, der rund 3.000 Kilo­meter süd­lich der Haupt­stadt San­tiago liegt, erstreckt sich über eine 200.000 Hektar große Fläche. Er ist einer der größten tou­ris­ti­schen Anzie­hungs­punkte Chiles und ver­fügt über reiche natür­liche Res­sourcen. Der Park liegt in der Pro­vinz Ultima Espe­ranza in der Region Magel­lanes, zwi­schen dem Hoch­ge­birgs­massiv der Anden und der pata­go­ni­schen Steppe. 1978 erklärte die Welt­kul­tur­or­ga­ni­sa­tion UNESCO das Gebiet zum Biosphären-​Reservat.

Nach offi­zi­ellen Angaben sind vor allem Süd­buchen, ant­ark­ti­sche Schein­bu­chen, Wei­ß­ei­chen, immer­grüné Büsche und Step­pen­gräser den Flammen zum Opfer gefallen. Auch tou­ris­ti­sche Ein­rich­tungen und CONAF-​Installationen wurden beschädigt.

Urlauber für Brand verantwortlich

Das Feuer wurde offen­sicht­lich von unacht­samen Tou­risten aus­ge­löst. Von dem Berg­ge­biet Olguín nahe dem Grey-​Gletscher brei­tete es sich nach Süden bis zum Paine-​Massiv aus, wo es sich von zwei ver­schie­denen Stellen aus weiter durch die Land­schaft frisst. An man­chen Orten wurde der Brand durch Winde ver­stärkt, die in der Region Geschwin­dig­keiten von mehr als 100 Stun­den­ki­lo­me­tern errei­chen können. Beob­achter befürchten, dass das Feuer erst Ende März, am Ende des Som­mers auf der Süd­halb­kugel, gelöscht sein wird.

CONAF-​Mitarbeiter Edu­ardo Katz zufolge wurde der Wald in den betrof­fenen Zonen teils kom­plett ver­nichtet. Dort, wo die Schäden nicht so groß seien, müsse man sehen, wie die Pflanzen das Feuer über­stünden. Dies hänge auch von den Regen­fällen und den Tem­pe­ra­turen ab. In den ersten Janu­ar­wo­chen reg­nete es immerhin min­des­tens einmal wöchent­lich. »Durch die letzten Nie­der­schläge haben sich grö­ßere Gras­flä­chen erholt. Damit konnten wir die Boden­ero­sion ein­dämmen«, sagte Katz. »Gras­fres­sende Tiere finden zudem wieder Futter.«

In dem Natio­nal­park kommen etwa 300 Pflan­zen­arten, 126 Vogel­spe­zies und mehr als 30 Arten von Säu­ge­tieren, Rep­ti­lien, Amphi­bien und Fischen vor. Die Land­schaft besteht aus Vege­ta­tion, Seen, Glet­schern, dem Pazi­fi­schen Ozean und rund 150 Mil­lionen Jahre alten Felsmassiven.

Katz äußerte sich erleich­tert dar­über, dass die Gua­nacos, eine Lama-​Art, und die Huemules-​Hirsche nicht direkt in dem Kata­stro­phen­ge­biet leben. Er geht davon aus, dass es vielen anderen Tieren gelungen ist, den Flammen zu ent­kommen.
Umwelt­schützer machen sich indes Sorgen dar­über, wie lange die Ökosys­teme brau­chen werden, um sich nach dem Brand zu rege­ne­rieren. In Pata­go­nien gehe dieser Pro­zess eher langsam voran, sagte der CONAF-​Vertreter.

Zuletzt hatte es 2005 in dem Natio­nal­park gebrannt. Damals zeigte sich, dass die Gras­flä­chen sich bereits inner­halb eines Jahres erholt hatten. Um den Wald ist es jedoch wesent­lich schlechter bestellt. Katz rechnet damit, dass die Süd­buchen und die ant­ark­ti­schen Schein­bu­chen frü­hes­tens nach acht Jahr­zehnten wieder ihren bis­he­rigen Zustand erreicht haben werden.

Auf­fors­tungs­maß­nahmen und neues Schutz­ge­setz geplant

Um den Pro­zess zu beschleu­nigen, soll das Gebiet auf­ge­forstet und vor Schäd­lingen geschützt werden. Das beste Mittel zur Vor­beu­gung wei­terer Kata­stro­phen sei ein umsich­tiges Ver­halten der Park­be­su­cher, betonte er. Die bis­he­rigen zwei Brände seien durch Men­schen ver­ur­sacht worden, die an unge­eig­neten Stellen gezeltet hätten und nicht kor­rekt mit Feuer umge­gangen seien.

Die Direk­torin der unab­hän­gigen Umwelt­or­ga­ni­sa­tion ‘Chile Sus­ten­table’, Sara Lar­raín, warf der Regie­rung unzu­rei­chende Schutz­maß­nahmen vor. »Der Staat stellt für den Schutz der Natur­parks gerade einmal zwei US-​Dollar pro Hektar und Jahr bereit«, kri­ti­sierte die ehe­ma­lige Prä­si­dent­schafts­kan­di­datin. »Weder die Infra­struktur noch das Per­sonal rei­chen aus, um diese Gebiete zu schützen.«
Das der­zei­tige Feuer in Park Torres del Paine zeige, dass aus vor­an­ge­gan­genen Kata­stro­phen nicht gelernt worden sei, erklärte sie. Schließ­lich sei auch der Brand vor sieben Jahren von einem Tou­risten ver­ur­sacht worden, der sich nicht an die Vor­schriften gehalten habe. Seit 2005 habe es den­noch keine Geset­zes­än­de­rung gegeben, um der­ar­tige Kata­stro­phen zu verhindern.

Die Wald­schutz­be­stim­mungen stammten noch aus den drei­ßiger Jahren des ver­gan­genen Jahr­hun­derts. Nach Aus­bruch des jüngsten Groß­feuers kün­digte Staats­prä­si­dent Sebas­tián Piñera immerhin ein neues Wald­schutz­ge­setz und höhere Strafen für Ver­ur­sa­cher von Bränden an. Das bis­he­rige Gesetz von 1931 sieht eine maxi­male Haft­strafe von 67 Tagen vor. Vor­ge­sehen ist außerdem ein natio­naler Plan zur Brand­prä­ven­tion, eine neue Behörde, die seine Ein­hal­tung über­wa­chen soll, sowie die Ein­rich­tung eines spe­zi­ellen Nothilfefonds.

Links:
http://​www​.conaf​.cl/
http://​www​.unesco​.org/​n​e​w​/​e​n​/​n​a​t​u​r​a​l​-​s​c​i​e​n​c​e​s​/​e​n​v​i​r​o​n​m​e​n​t​/​e​c​o​l​o​g​i​c​a​l​-​s​c​i​e​n​c​es/
http://​www​.chi​le​sus​ten​table​.net/
http://​www​.ips​no​ti​cias​.net/​n​o​t​a​.​a​s​p​?​i​d​n​e​w​s​=​9​9​996

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