Der 15.10. in Chile – und in Porto Alegre
Sonntag, 16. Oktober 2011 | Hintergrundberichte u. Analyse |
Von Gerhard Dilger | Latin@rama – blogs.taz.de |
Auf den Demonstrationen in Lateinamerika war neben den indignad@s , den “Empörten” aus Spanien, der chilenische Frühling der wichtigste Bezugspunkt. Chile ist auf dem Subkontinent derzeit die Hochburg systemkritischer Proteste. Gestern gingen wieder Zehntausende auf die Straße. In Santiago zogen über 30.000 vom Hauptgebäude der staatlichen Universität von Chile, das seit vier Monaten besetzt ist, in einem bunten Festzug über die Prachtallee Alameda zum O’Higgins-Park.
Neben SchülerInnen und Studierenden waren viele Familien und auch RentnerInnen unterwegs. “Wir sind Opfer eines gewalttätigen und unmenschlichen Wirtschaftssystems”, sagte die Lehrerin Edelmira Pacheco.
Thematische Schwerpunkte setzten die Demonstranten an mehreren “Stationen”: Dort inszenierten sie ihre Forderungen nach einem guten und kostenlosen Bildungs– und Gesundheitssystem, nach neuen Umweltgesetzen oder nach der Abschaffung der Verfassung aus der Pinochet-Diktatur. Auch dem Finanzsystem, den Banken und großen Supermarktketten widmeten sie eine kurze Kundgebung.
Schwerpunkt der Protestierer war, wie schon seit fünf Monaten, die Bildungsfrage. Immer lauter werden die Rufe nach einer verbindlichen Volksabstimmung über das Bildungswesen – an der jüngsten, von der Bewegung organisierten Abstimmung beteiligten sich 1,4 Millionen, 91 Prozent votierten für strukturelle Reformen.
Giorgio Jackson von der Katholischen Universität und Camila Vallejo, Chiles prominenteste Studentensprecher, traten auf der Kundgebung in Paris auf. “Wir sind empört darüber, wie uns Präsident Piñera und das System den Rücken zukehren”, sagte Jackson. “Sie leben in ihrem Elfenbeinturm, doch so sehr es sie schmerzt: Das Volk sind wir”.
“Jahrelang waren wir ein Versuchslabor des wilden Neoliberalismus, dabei wurden allermindesten sozialen Rechte beiseitegelassen”, berichtete Jackson, “heute ist Chile ein Land, in dem die Ungleichheit vorherrscht”.
Für Dienstag und Mittwoch hat die Bildungsbewegung zusammen mit den Gewerkschaften zu einem Generalstreik aufgerufen.
Quelle: – Latin@rama – blogs.taz.de – Mit freundlicher Genehmigung des Autors Gerhard Dilger, zur Wiedergabe hier auf dem womblog.de. Vielen Dank dafür!
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