El Sal­vador: Ex-​Rebellen im Hun­ger­streik – Höhere Pen­sionen gefordert

Mittwoch, 22. Februar 2012 | El Salvador |

Von Edgardo Ayala — San Sal­vador – IPS

El SalvadorIn El Sal­vador halten rund 20 ehe­ma­lige Gue­ril­la­kämpfer seit dem 10. Januar die Kathe­drale von San Sal­vador besetzt. Um ihren For­de­rungen nach höheren Renten, einer umfas­senden Gesund­heits­ver­sor­gung und anderen Sozi­al­leis­tungen für sich und ihre Fami­lien Nach­druck zu ver­leihen, sind einige von ihnen in den Hun­ger­streik getreten. »Wir bleiben hier, bis unsere For­de­rungen erfüllt werden«, ver­si­chert Carlos Hernández am Grab des 1980 ermor­deten Erz­bi­schofs Carlos Arnulfo Romero.

Er und seine frü­heren Kame­raden, die im Bür­ger­krieg von 1980 bis 1992 gegen die sal­va­do­ria­ni­sche Armee gekämpft hatten, setzen sich auch dafür ein, dass die Eltern gefal­lener Kämpfer Bezüge aus dem staat­li­chen Kriegs­ver­sehr­ten­fonds erhalten. Außerdem sollen die staat­li­chen Insti­tu­tionen ent­las­sene Gewerk­schafts­mit­glieder einstellen.

Seit dem Frie­dens­schluss 1992 haben ehe­ma­lige Sol­daten und Rebellen der Natio­nalen Befrei­ungs­front Fara­bundo Martí (FMLN) bereits mehr­fach an die Regie­rung appel­liert, ihnen bei der Ver­bes­se­rung ihrer Lebens­be­din­gungen zu helfen. Einer offi­zi­ellen Erhe­bung aus dem letzten Monat zufolge leben 87 Pro­zent der ins­ge­samt 25.000 ehe­ma­ligen FMLN-​Kämpfer in Armut. Die Analpha­be­ten­rate beträgt 36 Prozent.

Eine ähnliche Unter­su­chung zu der Situa­tion frü­herer Armee­an­ge­hö­riger steht noch aus. Anfang Januar hatten sich Hee­res­ve­te­ranen mit Regie­rungs­ver­tre­tern getroffen, um ihre For­de­rungen vor­zu­bringen. Mit den Ex-​Guerilleros werden solche Ver­hand­lungen seit Mai 2010 geführt. Der zwölf­jäh­rige bewaff­nete Kon­flikt hatte etwa 70.000 Men­schen das Leben gekostet, wei­tere 8.000 ver­schwanden.
Auch die ehe­ma­ligen Armee­sol­daten for­dern höhere Renten und die Auf­nahme in staat­liche Hilfs­pro­gramme etwa zur För­de­rung der klein­bäu­er­li­chen Landwirtschaft.

Staats­prä­si­dent Mau­ricio Funes hatte bei den Feiern zum 20. Jah­restag des Frie­dens­ab­kom­mens am 16. Januar ange­kün­digt, die Ex-​Rebellen mit ins­ge­samt 25 Mil­lionen US-​Dollar zu unter­stützen. 3.400 Vätern und Müt­tern gefal­lener Kämpfer stellte er Mittel aus dem Ren­ten­fonds für Kriegs­ver­sehrte in Höhe von monat­lich 100 bis 233 Dollar in Aus­sicht. Bisher hatten sie nur eine ein­ma­lige Ent­schä­di­gungs­zah­lung erhalten. Auch sollen ehe­ma­lige Rebellen, die über 70 Jahre alt sind, eine Monats­rente von 50 Dollar erhalten.

Regie­rungs­an­gebot unzureichend

»Wer kommt mit 50 Dollar aus? Dieses Angebot ist ein Witz, auch weil es sich aus­schließ­lich an die über 70-​Jährigen richtet«, kri­ti­sierte Luis Ortega, einer der Kir­chen­be­setzer, das Angebot des Prä­si­denten und ehe­ma­ligen Gue­ril­la­füh­rers. Die grund­le­genden Lebens­hal­tungs­kosten werden in dem Land mit 6,7 Mil­lionen Ein­woh­nern mit 180 Dollar bezif­fert. Funes kam 2009 am die Macht. Er ist Mit­glied der FMLN, die nach dem Bür­ger­krieg in eine regu­läre Partei umge­wan­delt worden war.

Die Frie­dens­ver­träge schreiben vor, dem demo­bi­li­sierten Kämp­fern Zugang zu einem Stück Land zu ver­schaffen. Land­wirt­schaft und Vieh­zucht ste­cken in El Sal­vador jedoch wie andere Wirt­schafts­be­reiche auch tief in der Krise. Einige Ex-​Kombattanten erhielten Sti­pen­dien und ließen sich unter anderem zu Com­pu­ter­fach­leuten aus­bilden. Doch nach zwei Jahr­zehnten konnten auf­grund der hohen Kon­kur­renz durch die Hoch­schul­ab­sol­venten nur wenige von ihnen in dem Bereich Fuß fassen.

Etwa 36.000 Kriegs­ver­sehrten war zudem die Aus­zah­lung von Ren­ten­be­zügen in Höhe von ins­ge­samt 40 Mil­lionen Dollar zuge­sagt worden. Doch die Zuwen­dungen lassen seit 1993 auf sich warten. Nach Ansicht von Olga Ser­rano, Exe­ku­tiv­di­rek­torin der Ver­ei­ni­gung der Kriegs­ver­sehrten in El Sal­vador (ALGES), ist 20 Jahre nach dem Frie­dens­schluss die Inte­gra­tion der Kriegs­ve­te­ranen noch nicht gelungen.

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