Gua­te­mala: Offen­sive gegen Frau­en­morde – Regie­rung, Zivil­ge­sell­schaft und Nobel­preis­trä­ge­rinnen werden aktiv

Donnerstag, 02. Februar 2012 | Guatemala |

Von Danilo Val­la­dares — Guatemala-​Stadt – IPS 

Guatemala_Rigoberta-Menchu_Edgar-Zuniga-Jr_flickrGua­te­malas Staats­prä­si­dent Otto Pérez Molina hat eine Task-​Force gegen die hohe und zuneh­mende Zahl von Frau­en­morden ins Leben gerufen. Die Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rinnen Rigo­berta Menchú und Jody Wil­liams besuchten das Land, um die Staa­ten­ge­mein­schaft über die Risiken für Frauen in dem zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Land auf­zu­klären. Wie die Kom­mis­sion des Prä­si­di­al­amts gegen Ras­sismus mit­teilte, waren im ver­gan­genen Jahr 705 Gua­te­mal­te­kinnen auf gewalt­same Weise ums Leben gekommen.

Die meisten von ihnen starben an den Folgen einer Schuss­ver­let­zung. 2010 waren in dem kleinen Staat am Isthmus 675 Frauen auf­grund ihrer Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit umge­bracht worden.

Gegen die Ver­bre­chen will die am 14. Januar ver­ei­digte Regie­rung nun ver­stärkt vor­gehen. »Mit harter Hand« lautet das Schlag­wort, unter dem eine Kam­pagne gegen Kri­mi­na­lität ange­laufen ist. Die vom ehe­ma­ligen General Pérez Molina ins Leben geru­fene Son­der­ein­heit soll durch eine rigo­rose Ermitt­lungs­ar­beit wei­tere Morde an Frauen ver­hin­dern. Geleitet wird die dem Innen­mi­nis­te­rium unter­stellte Task-​Force von der ehe­ma­ligen Staats­an­wältin Mirna Carrera.

»Den Angrei­fern wird end­lich die Bot­schaft über­mit­telt, dass solche Ver­bre­chen künftig bestraft werden«, sagte Mayra San­doval von der Beob­ach­ter­stelle gegen Frau­en­mord. Neben einer Bestra­fung der Täter müssten aber auch Prä­ven­tiv­maß­nahmen ergriffen werden.

Mehr als 5.000 Frauen in zehn Jahren ermordet

Gemeinsam mit Mexiko ist Gua­te­mala eines der Länder mit der welt­weit höchsten Frau­en­mord­rate. Poli­zei­sta­tis­tiken zufolge wurden zwi­schen 2000 und 2010 etwa 5.200 Frauen umgebracht.

Die Lateinamerika-​Direktorin der Welt­frau­en­or­ga­ni­sa­tion UNIFEM, Gladys Acosta, appel­lierte an die Staa­ten­ge­mein­schaft, ange­sichts der hohen Zahl bru­taler Ver­bre­chen an Frauen aktiv zu werden. Die perua­ni­sche Expertin berich­tete IPS von Opfern, die mit Dut­zenden Mes­ser­sti­chen getötet oder deren Lei­chen völlig ver­stüm­melt auf­ge­funden wurden.

Pro­teste und Menschenketten

Auch die gua­te­mal­te­ki­sche Zivil­ge­sell­schaft hat längst auf das Pro­blem rea­giert und auf etli­chen Demons­tra­tionen Gerech­tig­keit ein­ge­for­dert. Mehr als 10.000 Men­schen stiegen kürz­lich aus Pro­test auf den ‘Volcán de Agua’ süd­west­lich von Guatemala-​Stadt, um ein Zei­chen gegen häus­liche Gewalt zu setzen.
Die Teil­nehmer des ‘Auf­stiegs für das Leben’ bil­deten eine Men­schen­kette, die bis zur Spitze des 3.772 Meter hohen Vul­kans kam. In seinem Krater stellten sich die Demons­tranten so auf, dass sie ein Herz formten. An der ersten Pro­test­ak­tion dieser Art betei­ligten sich Ver­treter zahl­rei­cher unab­hän­giger Orga­ni­sa­tionen, Jugend­gruppen, Pri­vat­un­ter­nehmen und aus­län­di­scher Bot­schaften.
Der Wider­stand sei­tens der Zivil­ge­sell­schaft und der Regie­rung zeige, dass es im Kampf gegen Frau­en­morde kein Zurück mehr gebe, sagte dazu Dora Amalia Tara­cena von der Orga­ni­sa­tion ‘Con­ver­gencia Cívico Política de Mujeres’.
Im ver­gan­genen Juli sorgte das mys­te­riöse Ver­schwinden von Cris­tina Sie­ka­vizza in Guatemala-​Stadt für Auf­sehen. Einen Monat später erklärte eine Haus­an­ge­stellte der wohl­ha­benden Familie, Sie­ka­vizzas Mann Roberto Bar­reda habe seine Frau tot­ge­schlagen. Bar­reda befindet sich mit seinen beiden Kin­dern der­zeit auf der Flucht.

Wo sich Vater und Kinder seitdem auf­halten, ist unbe­kannt. Auch der Ver­bleib der Leiche ist unge­klärt. Der Fall Sie­ka­vizza hat eine Welle von Pro­testen aus­ge­löst und einmal mehr gezeigt, dass Gewalt gegen Frauen kein Pro­blem ist, das aus­schließ­lich die unteren gesell­schaft­li­chen Schichten betrifft.

Inter­na­tio­nale Initia­tive der Nobelpreisträgerinnen

Die unab­läs­sige Gewalt brachte auch die Gua­te­mal­tekin Menchú und die US-​Amerikanerin Wil­liams auf den Plan. Am 27. Januar traf eine Dele­ga­tion der ‘Nobel Women’s Initia­tive’ in Gua­te­mala ein, um eine bes­sere Auf­klä­rung der Frau­en­morde und Maß­nahmen gegen Straf­lo­sig­keit zu for­dern.
Die Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rinnen von 1992 und 1997 fuhren in den Ver­wal­tungs­be­zirk Sololá, um mit Dorf­be­woh­ne­rinnen über die Gewalt zu spre­chen und inter­na­tio­nale Emp­feh­lungen aus­zu­ar­beiten. Zuvor hatten sie Mexiko und Hon­duras besucht.

»In den ver­gan­genen Jahren haben wir es geschafft, dass Gewalt gegen Frauen nicht nur als unna­tür­lich, son­dern auch als inak­zep­tabel ange­sehen wird«, meinte Alitza Navas von der Orga­ni­sa­tion ‘Tierra Viva’. Sie erin­nerte daran, dass inzwi­schen meh­rere Gesetze zum Schutz von Frauen ein­ge­führt worden seien, dar­unter auch ein Gesetz gegen Frau­en­morde von 2008.

Evelyn Cur­ru­chuche von der Ver­ei­ni­gung zum Schutz indi­gener Frauen for­derte, dass auch die Aus­löser der Gewalt berück­sich­tigt werden müssten. Der Staat müsse sich darum küm­mern, die soziale Lage zu ver­bes­sern, sagte sie. Neben der Bekämp­fung der Armut seien Maß­nahmen für gute Bil­dung und Gesund­heits­ver­sor­gung notwendig.

Links:
http://​www​.unwomen​.org/
http://​nobel​wo​mens​in​itia​tive​.org/
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