Hon­duras: ‘Wir kennen den Wert der Erde’ – Indigenen gelingt Armuts­be­kämp­fung durch preis­ge­kröntes Agrarprojekt

Freitag, 09. Dezember 2011 | Honduras |

Von Thelma Mejía– Intibucá-​Hon­duras | IPS |

Die gute Qua­lität und die Fri­sche ihrer land­wirt­schaft­li­chen Pro­dukte hat ihnen sieben Laden­ketten als Kunden beschert. Bauern vom Volk der Lenca im Westen von Hon­duras haben allen Grund stolz auf sich zu sein. Denn mit ihrer nach­hal­tigen Land­wirt­schaft haben sie sich den Weg aus der Armut erschlossen und sogar den Natio­nalen Umwelt­preis eingeheimst.

Etwa 1.850 Meter über dem Mee­res­spiegel im Depar­te­ment Inti­bucá liegen die Gebirgs­dörfer Mon­que­cagua, Togo­pala, Dulce Nombre und Can­del­aria, in denen etwa 100 klein­bäu­er­liche Fami­lien von mor­gens bis abends mit der Aus­saat oder Ernte von Kar­tof­feln, Möhren, Brok­koli, Salat, Kohl und anderen land­wirt­schaft­li­chen Erzeug­nissen beschäf­tigt sind. Auf den Fel­dern ist immer noch Platz für Mais und Bohnen, den Grund­nah­rungs­mit­teln der hon­du­ra­ni­schen Bevöl­ke­rung. In Inti­bucá leben die ärmsten Urein­woh­ner­ge­mein­schaften des Landes. Die Klein­bauern sind vor knapp zwei Jahren in den Handel mit Nah­rungs­mit­teln ein­ge­stiegen, ohne ihre tra­di­tio­nellen Anbau­me­thoden auf­zu­geben. Der Erfolg ihrer Akti­vi­täten lässt sie ihre Zukunft mit anderen Augen sehen, wie María Cle­ofes Méndez aus Togo­pala berichtet. Stolz zeigt sie ihr neues Haus Stein mit einem lie­be­voll gelegten Mosa­ik­boden. Bis vor kurzem hatte sie noch in einer Hütte aus Lehm, Stroh und Holz gelebt.

»Die Erde und die Leute von Pacta, die uns gezeigt haben, wie wir über das ganze Jahr hinweg ernten können, haben mir dieses beson­dere Geschenk gemacht«, erläu­tert sie. Pacta steht für ‘Pro­grama de Acceso de la Tierra’ ( Land­zu­gangs­pro­gramm), einem Pro­jekt der UN-​Landwirtschaftsorganisation FAO.

Kinder können zur Schule gehen

Wie Cle­ofes Méndez betont, arbeiten Frauen und Männer Seite an Seite. »Es gibt keine Unter­schiede, denn uns allen geht es darum, dass sich unser Dorf ent­wi­ckelt. Einst lebten wir in Armut. Doch heute lässt sich an unseren Häu­sern und Ein­kommen ablesen, wie sehr sich unsere Lage ver­bes­sert hat.« Der 49-​Jährigen zufolge pro­fi­tieren von dem Pro­jekt auch die Kinder. »Wir inves­tieren in die Bil­dung unseres Nach­wuchses. Schließ­lich reicht es nicht aus, die Erde zu beackern«, sagt sie.
Der Tech­niker Héctor García arbeitet mit den Indi­genen zusammen. Auch er ist ein Lenca und wird von den Koope­ra­tiven bezahlt, zu denen sich die Klein­bauern zusam­men­ge­schlossen haben. Er gibt sein Wissen – etwa über die Tröpf­chen­be­wäs­se­rungs­me­thode – gern an die Seinen weiter. Es sei schön mit Men­schen zusam­men­zu­ar­beiten, die die Natur ach­teten. »Wir Urein­wohner kennen den Wert der Erde.«
Wie García berichtet, leben die Men­schen von dem, was die Böden her­vor­bringen. Sie haben kleine Stau­seen ange­legt, aus denen sie das Wasser für ihre Felder beziehen. Auf Benzin etwa für den Betrieb der erfor­der­li­chen Was­ser­pumpen, sind sie nicht ange­wiesen. Wie der regio­nale Koor­di­nator des Pro­jekts in Initi­bucá, Adán Bonilla, erklärt, hat man sich von einer bra­si­lia­ni­schen Erfah­rung inspi­rieren lassen: näm­lich ein System von Was­ser­druck­pumpen ein­zu­setzen, die ohne Kraft­stoffe aus­kommen.
Auf diese Weise sparen die Lencas inzwi­schen die jähr­li­chen Ben­zin­kosten von 40.000 US-​Dollar ein. »Sie haben gelernt, die natür­li­chen Res­sourcen optimal und wirt­schaft­lich zu nutzen«, sagt Bonilla. Dank der Tröpf­chen­tech­no­logie gelange das Wasser direkt an die Wur­zeln der Pflanzen, die zudem ohne Kunst­dünger auskämen.

Genos­sen­schafts­mit­glieder zahlen für War­tung der Pumpen

Wie Sal­va­dora Dom­inguez berichtet, haben die Ein­wohner ihres Dorfes Mon­que­cagua drei Monate für den Bau eines Stau­damms gebraucht. »Man hat uns beige­bracht, wir das Stau­wasser sauber halten. Jedes Genos­sen­schafts­mit­glied zahlt für die War­tung der dafür erfor­der­li­chen Schmutz­was­ser­pum­pen­an­lage monat­lich 20 Lem­pira (fast ein US-​Dollar).

In Mon­que­cagua — das Wort bedeutet in der Sprache der Lenca ‘Berg aus Wasser’ – liegt die Pump­sta­tion in einem ungast­li­chen, zuge­wu­cherten und nur über kleine Pfade zugäng­li­chen Gebiet. Die Anstren­gung, unter diesen schweren Bedin­gungen aktiv zu werden, hat sich offenbar gelohnt. Ihre land­wirt­schaft­li­chen Erzeug­nisse werden nun zu einer Lager­halle der Ver­ei­ni­gung der Obst– und Gemü­se­zen­tren von Inti­bucá (Aprohfi) gebracht, von wo aus sie dann an sieben große Lebens­mit­tel­ketten aus­ge­lie­fert werden. Diese Ent­wick­lung hat uns von Zwi­schen­händ­lern unab­hän­giger gemacht«, freut sich Domínguez. »Außerdem sind unsere Pro­dukte von bester Qualität.«

In der Aprohfi-​Lagerhalle werden die Erzeug­nisse sor­tiert und ver­packt und in Kühl­wagen zu ihren Bestim­mungs­orten gebracht. »Wir hätten uns nie vor­stellen können, so weit zu kommen«, sagt der Aprohfi-​Vorsitzende Dom­ingo Paz. »Nun träumen wir davon, einen Teil unserer Pro­dukte wei­ter­zu­ver­ar­beiten.«
Nach Ansicht des hon­du­ra­ni­schen Beamten Raúl Alemán, der die Pacta/​FAO-​Projekte betreut, hat das das öffentlich-​private-​Partnerschaftsprojekt den betei­ligten Men­schen zu Nah­rungs­si­cher­heit, nach­hal­tiger Ent­wick­lung und den Zugang zu Kre­diten verholfen.

Diese vielen posi­tiven Aspekte waren es am Ende auch, die dazu führten, dem Pro­jekt den Natio­nalen Umwelt­preis zu ver­leihen. Einen Teil des Preis­geldes in Höhe von 4.500 Dollar haben die Bauern unter­ein­ander auf­ge­teilt. Den Rest steckten sie in die Pro­duk­tion und in Bil­dungs­sti­pen­dien für ihre Kinder.

Links/​Quelle:

http://​pacta​.hn/​w​e​b​2​.0/
http://​www​.ips​no​ti​cias​.net/​n​o​t​a​.​a​s​p​?​i​d​n​e​w​s​=​9​9​742

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