Jeder Schüler will stu­dieren. Kuba gehen die Arbeiter aus

Freitag, 17. Februar 2012 | Kuba |

Von Andreas Köhn – Buch­messe Havanna/​jungeWelt

Wenn man in Havanna mit den an ihren Uni­formen sofort erkenn­baren Schul­kin­dern spricht und diese nach ihrer beruf­li­chen Zukunft befragt, möchten 90 Pro­zent der Grund– und Mit­tel­schüler einen aka­de­mi­schen Beruf ergreifen. Die ver­blei­benden zehn Pro­zent wollen eher einen Job als Kraft­fahrer oder Hotel­por­tier, als in einer Fabrik arbeiten. Um dieser Fehl­ent­wick­lung ent­ge­gen­zu­wirken, werden zuneh­mend Berufs­be­ra­tungen durch­ge­führt. Diese beginnen bereits in der Grundschule.

Um Inter­esse an hand­werk­li­chen Tätig­keiten zu wecken, werden Work­shops orga­ni­siert, in denen die Schüler z. B. Spiel­sa­chen aus Plastik– und Kar­ton­ab­fällen her­stellen. Die 24 Grund­schulen der Haupt­stadt führen dazu sogar einen Wett­be­werb durch. Das Pro­jekt wird auch von der UNESCO geför­dert. Da diese und andere Work­shop Ange­bote nach der Schule statt­finden, wird damit auch der Jugend­kri­mi­na­lität und dem Alko­hol­miss­brauch durch eine sinn­volle Frei­zeit­ge­stal­tung entgegengewirkt.

Her­vor­zu­heben ist dabei noch, daß die aus­ge­bil­deten Teamer und Refe­renten die Kurse und Gruppen ohne Honorar in ihrer Frei­zeit leiten.

Ein wei­teres Angebot, das vor­rangig in Havannas Stadt­vier­teln mit nied­rigem Bil­dungs­ni­veau durch­ge­führt wird, ist die Bera­tung von wer­denden und stil­lenden Müt­tern. Man hätte eigent­lich erwartet, dass nach 53 Jahren Sozia­lismus all­ge­meine Kennt­nisse über ele­men­tare Fragen der Kin­der­hy­giene eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sind. Leider scheint sich Kuba da aber nicht von anderen Ent­wick­lungs­län­dern zu unterscheiden.

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