Kolum­bien Bogotá soll ent­waffnet werden

Samstag, 04. Februar 2012 | Kolumbien |

Von Tobias Käufer – Bogotá – Blick­punkt Lateinamerika

Bogotás neuer Bür­ger­meister Gus­tavo Petro will gleich zum Auf­takt seiner Amts­zeit ein Zei­chen setzen. In jungen Jahren ver­suchte der ehe­ma­lige Guerilla-​Kämpfer der links­ori­en­tierten Rebel­len­gruppe »Movimi­ento 19 de Abril« (M-​19) seine ideo­lo­gi­schen Ziele mit Waf­fen­ge­walt durch­zu­setzen. Nach einer Gefäng­nis­strafe ent­schied sich Petro schließ­lich auf die Kraft seiner Argu­mente statt auf Waffen zu setzen.

Sein poli­ti­scher Auf­stieg führte den ehe­ma­ligen Prä­si­dent­schafts­kan­di­daten schließ­lich mit 31 Pro­zent der Stimmen in das Bür­ger­meis­teramt der kolum­bia­ni­schen Haupt­stadt Bogotá.

Skepsis gegen­über der drei­mo­na­tigen Aktion

Eines der Haupt­pro­bleme der Neun-​Millionen-​Metropole ist nach wie vor die Gewalt. Seit Mitt­woch ist Zivi­listen das Tragen von Waffen für drei Monate ver­boten. »Die Per­sonen, die einen gül­tigen Waf­fen­schein besitzen, können ihre Waffen nach wie vor in ihren Häu­sern oder Geschäften auf­be­wahren. Was sie aber nicht dürfen, ist sie in der Öffent­lich­keit zu tragen«, erklärt Antonio Navarro Wolf von der Stadt­ver­wal­tung der kolum­bia­ni­schen Hauptstadt.

Erreicht werden sollen mit der unge­wöhn­li­chen Aktion zwei Ziele: Zum einen sollen Waf­fen­träger nicht zum Objekt eines Über­falls kri­mi­neller Banden werden, die ihrer­seits ver­su­chen, die Waffen in ihren Besitz zu bringen. Zum zweiten soll der Schuss­waf­fen­ge­brauch aus dem Affekt unter­bunden werden. Doch viele Kolum­bianer sind skep­tisch, dass das Unter­fangen gelingen wird: »Die Leute die Böses im Schilde führen und die Gesetze ohnehin nicht beachten, werden auch dieses Verbot nicht respek­tieren«, sagt Wach­mann Elias Jar­quín der BBC. Zum zweiten wider­spre­chen die Sta­tis­tiken den Hoff­nungen, dass die Initia­tive nach­hal­tige Aus­wir­kungen haben könnte. Nur einer von zehn Morden geschieht durch eine regis­trierte Waffe. Der Löwen­an­teil der Gewalt­taten wird durch illegal erwor­bene Waffen verübt.

Kam­pagne soll Polizei– und Sicher­heits­kräfte stärken

Der Kon­flikt­for­scher Javier Rest­repo ist dagegen deut­lich zuver­sicht­li­cher. Er sieht in der Kam­pagne auch eine wert­volle poli­ti­sche Bot­schaft: »Petro hat als ehe­ma­liger Guerilla-​Kämpfer der Gewalt abge­schworen und nun will er auch die Gesell­schaft gewalt­freier machen.« Rest­repo ist davon über­zeugt, dass die Aktion Wir­kung zeigt. Zumin­dest wird sie die Polizei– und Sicher­heits­kräfte stärken, weil sie nun stärker als Kon­troll­funk­tion wahr­ge­nommen werde.

Bogotá gilt als eine der gefähr­lichsten Haupt­städte Latein­ame­rikas, aller­dings sank die Mord­rate im ver­gan­genen Jahr auf das nied­rigste Niveau seit 26 Jahren. Im ver­gan­genen Jahr gab es laut Sta­tistik 19,8 Morde auf 100.000 Ein­wohner. Von den 1.600 Morden im ver­gan­genen Jahr wurden in Bogotá rund 60 Pro­zent mit einer Feu­er­waffe ausgeführt.

Im welt­weiten Ver­gleich liegt Kolum­bien auf Rang fünf der gefähr­lichsten Länder welt­weit. Davor liegen nur noch El Sal­vador, Irak, Jamaika und Hon­duras. Nach Ende der drei­mo­na­tigen Ver­suchs­phase will die Stadt­ver­wal­tung in Bogota eine Bilanz ziehen. Nicht aus­ge­schlossen ist, dass das Verbot des Tra­gens von Schuss­waffen dann dau­er­haft gilt.

Mit freund­li­cher Abdruck­er­laubnis durch Blick­punkt Lateinamerika. Besten Dank dafür!

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