Kolum­bien: Cauca — Basis der Aufständischen

Samstag, 25. Februar 2012 | Kolumbien |

Farc - EPDer vor­lie­gende Bericht ana­ly­siert die neue Stra­tegie der Gue­rilla in der Region Cauca (Süd­westen Kolum­biens), die sich in den letzten Jahren zum neuen Epi­zen­trum des bewaff­neten Kampfes ent­wi­ckelt hat und dadurch mitt­ler­weile stark in den Mit­tel­punkt der Medien gerückt ist. In den Medien war in den letzten Monaten viel über die Inten­sität des bewaff­neten Kon­fliktes in Cauca und anderen angren­zenden Regionen zu lesen.

In den Mas­sen­me­dien wird wei­terhin berichtet, dass durch das Auf­flammen der bewaff­neten Aus­ein­an­der­set­zungen die Bevöl­ke­rung in Mit­lei­den­schaft gezogen werde. Wahr ist, der Kon­flikt hat sich in den zurück­lie­genden Monaten in der Region zuge­spitzt, die Ursa­chen sind jedoch haupt­säch­lich in der zuneh­menden Mili­ta­ri­sie­rung der Region zu sehen. Der Wandel der Stra­tegie der Auf­stän­di­schen bezog zwar die Bevöl­ke­rung mit ein, dies hat jedoch mit der weit­rei­chenden Unter­stüt­zung zu tun und betraf selten nega­tive Aspekte wie der in den Medien dar­ge­stellte Terror gegen die Zivilbevölkerung.

Der Tod des Ober­kom­man­die­renden Alfonso Cano rückte die Region in den Mit­tel­punkt der medialen Bericht­er­stat­tung. Von der Region Tolima aus nach Cauca getrieben wurde er hier über meh­rere Monate ein­ge­kes­selt, die Schlinge durch Armee­prä­senz, Kon­troll­punkte, Infil­tra­tion und Über­wa­chung immer enger gezogen und somit Druck auf Gueriller@s und Bauern aus­geübt. Hier zwi­schen den Kor­dil­leren, dem Pazifik und nahe zum Zen­trum des Landes hatten die FARC-​EP ihre mili­tä­ri­sche und auf­grund der Geschichte mit der Land­be­völ­ke­rung ihre soziale Basis. Waren es in den 90er Jahren vor­rangig die Gebiete im Osten Kolum­biens, so gab es in den letzten zwei, drei Jahren einen Wechsel, der die örtli­chen Gege­ben­heiten der Region Cauca aus­nutzen sollte. Mit dem Schei­tern der groß­flä­chigen Mili­tär­ope­ra­tionen unter dem ehe­ma­ligen Mili­tär­chef Mono Jojoy sollte auch das Über­leben der Auf­stän­di­schen durch eine neue alte Stra­tegie gesi­chert werden.

Die ber­gigen Gegenden von Corinto, Miranda, Caloto, Cal­dono, Toribío in Cauca, Pra­dera und Flo­rida in Valle de Cauca sowie Pla­nadas, Cha­parral und Rio­blanco in Tolima sind aktuell das Epi­zen­trum der mili­tä­ri­schen Akti­vi­täten. Ent­gegen den Medien war Alfonso Cano nicht der dog­ma­ti­sche und mili­tä­risch unwis­sende Anführer der größten aktiven Gue­rilla. Als glän­zender Stra­tege und Ober­kom­man­die­render kon­zi­pierte der die auf­stän­di­sche Stra­tegie der Gue­rilla neu und über­ar­bei­tete das politisch-​militärische Schema. Nach den Rück­schlägen hauchte er den FARC-​EP ab 2008 wieder neues Leben ein und über­nahm die Initia­tive im Zen­trum und im Süden des Landes.

Die mili­tä­ri­sche Stra­tegie war ein­fach aber wir­kungs­voll. Er ver­wan­delte die Höhen der Kor­dil­leren in stra­te­gi­sche Rück­zugs­räume der Gue­rilla, da in dieser Höhe, durch die Winde und die Vege­ta­tion die Luft­waffe der Armee nur sehr schwer ein­setzbar ist. In einer Höhe von 3000 bis 4000 Metern kann sich die Gue­rilla sicher bewegen, Angriffe oder Über­wa­chung sind hier kaum mög­lich. Unter kleinen Bäumen und Büschen, in den Felsen oder in Canons gibt es genug Unter­schlupf. Außerdem kann aus dieser Höhe die Infan­terie der Armee in den Tälern und auf den kur­ven­rei­chen Straßen leicht atta­ckiert werden. Gene­rell erhält die Armee in den Regionen wie Cauca oder Tolima nur sehr wenig Unter­stüt­zung und sie muss sich neben den geo­gra­fi­schen Nach­teilen auch mit den aus­blei­benden Hil­fe­leis­tungen der Bevöl­ke­rung arrangieren.

Die Gueriller@s der FARC-​EP bewegen sich in kleinen Gruppen und sind somit sehr mobil und effektiv zugleich. Für stra­te­gi­sche Ope­ra­tion oder schnelle Rück­züge werden ver­stärkt kleine Tun­nel­sys­teme genutzt, die auf­grund von Geo­grafie und Flora in den Bergen leicht getarnt oder ver­schlossen werden können. In der Land­be­völ­ke­rung haben sie seit Jahr­zehnten eine soziale Basis, die sie aktiv oder passiv unter­stützen. Die Gue­rilla kann sich hier wie ein Fisch im Wasser bewegen, da die Zone schon immer sehr länd­lich und bäu­er­lich geprägt war und in Oppo­si­tion zur Zen­tral­macht stand. Häufig werden von der Gue­rilla Hecken­schützen in Stel­lung gebracht, die von Armee und Polizei nur schwer zu orten und zu bekämpfen sind. Die genannten Bege­ben­heiten erzeugen ein Klima, in der sich die FARC-​EP mit Sabo­tage, Angriffen und Kämpfen nie­derer Inten­sität eine mili­tä­risch güns­tige Posi­tion erar­beitet haben und die Bevöl­ke­rung, anders als die Dar­stel­lungen in den regie­rungs­nahen Medien, nicht aktiv betroffen ist.

Leider nutzen Armee und Polizei häufig wie­der­recht­lich den Schutz der Bevöl­ke­rung, in dem sie Basen und Stütz­punkte in die Ort­schaften ver­legen und Trans­porte mit Zivil­fahr­zeugen abwi­ckeln. Wei­test­ge­hend ver­sucht sich die Bevöl­ke­rung der Instru­men­ta­li­sie­rung zu ent­ziehen, die auf­grund der Ver­hal­tens­weisen und dem Zwang des Koope­rie­rens in den staat­li­chen Streit­kräften eher eine Besat­zungs­armee sehen. Die Pro­gram­matik, soziale Initia­tiven und die staat­liche Repres­sion führen zu einer Akzep­tanz der Gue­rilla in der Region.

Diese Stra­tegie ist ein weit­rei­chender Wandel der Gue­rilla. Von den großen mili­tä­ri­schen Blö­cken hin zu klei­neren Akti­ons­gruppen unter der Bevöl­ke­rung. Das Aus­nutzen der Vege­ta­ti­ons­zone in den Bergen als mili­tä­ri­scher Rück­zugs– und ope­ra­tiver Angriffsort ist momentan ein­zig­artig in Kolum­bien. Das Aus­breiten der sub­ver­siven Kräfte in jener Region gleicht der Prä­senz einer regu­lären Armee.

Quelle: — links​unten​.indy​media​.org via Wider­stand in Kolumbien

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