Mexiko: Anti­bio­tika in Tier­pro­dukten und Obst

Samstag, 25. Februar 2012 | Mexiko |

Von Emilio Godoy — Mexiko-​Stadt – IPS

antibioticosIm Januar hat die US-​Behörde für Lebens­mit­tel­kon­trolle und Arz­nei­mit­tel­zu­las­sung (FDA) ange­kün­digt, ab April die Behand­lung von Rin­dern, Schweinen, Hüh­nern und Trut­hähnen mit Anti­bio­tika aus der Gruppe der Cepha­lo­spo­rine zu ver­bieten. Um wei­terhin Fleisch in die USA expor­tieren zu können, muss auch Mexiko die im Land am häu­figsten ver­schrie­benen Tier­me­di­ka­mente aus dem Ver­kehr ziehen.

US-​Präsident Barack Obama hatte bereits Anfang 2011 ein Gesetz zur Reform der Nah­rungs­si­cher­heit (FSMA) unter­zeichnet. Darin wurden Regeln zur Über­prü­fung von Ein­fuhren fest­ge­legt. Impor­teure müssen nach­weisen, dass die von ihnen aus dem Aus­land ein­ge­kauften Pro­dukte den Sicher­heits­stan­dards ent­spre­chen und weder ver­un­rei­nigt noch falsch eti­ket­tiert sind. »Das Gesetz bedeutet einen großen Fort­schritt auf dem Weg zu einer siche­reren Nah­rungs­ver­sor­gung in den USA », meinte Erik Olson von der ‘Pew Health Group’ im Gespräch mit IPS.

Mil­lionen Rinder in Mexiko mit Anti­bio­tika behandelt

In Mexiko werden rund 25 Mil­lionen Rinder als Nutz­tiere gehalten. Nach Angaben des Agrar­mi­nis­te­riums erhalten sie hohe Dosen an Anti­bio­tika, dar­unter Peni­zillin, Tetra­zy­kline und Cepha­lo­spo­rine, die bak­te­ri­elle Infek­tionen ver­hin­dern sollen.
Nach Zahlen der FDA zufolge wurden 2009 in den USA 13,1 Mil­lionen Kilo sol­cher Tier­me­di­ka­mente ver­kauft, im Jahr darauf ver­zeich­nete die Behörde einen Rück­gang von gerade einmal ein Pro­zent. Bei dem größten Teil der Prä­pa­rate– 4,6 Mil­lionen Kilo – han­delte es sich um Tetra­zy­kline. Von Cepha­lo­spo­rinen wurden 41.000 Kilo im Vete­ri­när­be­reich abgesetzt.

Das mexi­ka­ni­sche Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rium hat ein Hand­buch für die rich­tige Auf­zucht von Rin­dern her­aus­ge­geben, in dem der aus­schließ­liche Gebrauch zuge­las­sener Medi­ka­mente emp­fohlen wird. Zur Behand­lung von Krank­heiten wird der Gebrauch von Schmalspektrum-​Antibiotika emp­fohlen. Zudem sollen neue natio­nale Bestim­mungen zur Tier­er­ken­nung ein­ge­führt werden, deren Bil­li­gung noch aus­steht. Die Rege­lungen, die sich auf Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Bienen beziehen, sollen gewähr­leisten, dass die Her­kunft der Tiere und tie­ri­schen Pro­dukte genau nach­voll­zogen werden kann.

Bei meh­reren wis­sen­schaft­li­chen Stu­dien wurden Spuren von Anti­bio­tika in Tier­pro­dukten gefunden, so unter anderem in Milch im westme­xi­ka­ni­schen Bun­des­staat Jalisco. Die Studie, die sich auf die Region mit der höchsten Milch­pro­duk­tion bezog, wurde 2009 in der ‘Revista de Salud Animal’ ver­öf­fent­licht. Sie kam zu dem Schluss, dass ent­gegen der gesetz­li­chen Bestim­mungen dem Vieh in Jalisco anti­mi­kro­bielle Mittel ver­ab­reicht worden waren. Durch­ge­führt hatten die Unter­su­chung fünf For­scher der Uni­ver­sität von Gua­da­la­jara, der Haupt­stadt von Jalisco.

Von 264 ana­ly­sierten Proben ent­hielten 9,8 Pro­zent Rück­stände anti­mi­kro­bieller Arz­neien. In 77 Pro­zent der positiv getes­teten Proben fand sich min­des­tens ein Sul­fo­namid. Die pas­teu­ri­sierte Voll­milch stammte aus zehn Sam­mel­zen­tren. Auch waren zwi­schen Juni 2007 und Mai 2008 Proben von zwölf ver­schie­denen Mar­ken­pro­dukten in Gua­da­la­jara und drei wei­teren Gemeinden des Bun­des­staates ent­nommen worden. Nach Erhe­bungen des mexi­ka­ni­schen Agrar­mi­nis­te­riums pro­du­ziert das latein­ame­ri­ka­ni­sche Land mehr als zehn Mil­li­arden Liter Milch jährlich.

Car­ben­dazim in Orangen

Die US-​Behörden haben in diesem Jahr auch Oran­gen­saft genauer unter die Lupe genommen, nachdem in Schiffs­lie­fe­rungen aus Bra­si­lien und Kanada das Fun­gizid Car­ben­dazim ent­deckt wurde. In den USA ist es seit 2009 ver­boten, diese Che­mi­kalie im Zitrus­früch­te­anbau zu ver­wenden. Spuren davon sind aber wei­terhin in Farbe, Tex­ti­lien, Kle­be­band und Zier­pflanzen zulässig.

In Mexiko, wo jedes Jahr etwa vier Mil­lionen Tonnen Orangen geerntet werden, kommt Car­ben­dazim auch wei­terhin zum Ein­satz. Wei­tere toxi­sche Che­mi­ka­lien, die ein­ge­setzt werden, sind Orga­no­phos­phate wie Parathion-​Methyl, Mal­a­thion, Ethion und Dia­zinon. Fer­nando Beja­rano, der Leiter des Stu­di­en­zen­trums CAATA, ist der Mei­nung, dass die neo­li­be­rale Politik ökolo­gi­sche Alter­na­tiven an den Rand gedrängt hat.

Nach Angaben des Inter­na­tio­nalen Pro­gramms zur Che­mie­si­cher­heit, in dem die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion WHO, die Inter­na­tio­nale Arbeits­or­ga­ni­sa­tion ILO und das UN-​Umweltprogramm UNEP zusam­men­ar­beiten, können sich Fun­gi­zide bis zu drei Jahre im Boden halten. Das Akti­ons­netz­werk gegen Pes­ti­zide in Lateinamerika hält Car­ben­dazim für eine krebs­er­re­gende Sub­stanz. Inner­halb der Euro­päi­schen Union gelten strenge Bestim­mungen, die den Fungizid-​Gehalt in Zitrus­früchten auf 100 bis 700 Teile pro Mil­li­arde begrenzt.

Links:
http://​www​.fda​.gov/
http://​www​.pew​trusts​.org/
http://www.sagarpa.gob.mx/ganaderia/Publicaciones/Lists/Manuales%20de%20Buenas%20Prcticas/Attachments/4/manual_bovino.pdf
http://​scielo​.sld​.cu/​s​c​i​e​l​o​.​p​h​p​?​s​c​r​i​p​t​=​s​c​i​_​a​r​t​t​e​x​t​&​a​m​p​;​p​i​d​=​S​0​2​5​3​-​5​7​0​X​2​0​0​9​0​0​0​1​0​0​006
http://​www​.ips​no​ti​cias​.net/​n​o​t​a​.​a​s​p​?​i​d​n​e​w​s​=​1​0​0​182
http://​ips​news​.net/​n​e​w​s​.​a​s​p​?​i​d​n​e​w​s​=​1​0​6​853

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