Uru­guay: Soziale Miss­stände – Reak­tionen auf HIV/​Aids

Montag, 20. Februar 2012 | Uruguay |

Von Amanda Muñoz – Quito – alai | NPLA-​poonal

In Uru­guay wurden in den letzten 20 Jahren mehr HIV-​Fälle gemeldet. Jedoch treffen auch mehr Bürger eine Vor­sorge und lassen sich recht­zeitig behan­deln. In den Jahren von 1991 bis 2010 sind die Fälle von Aids zwar ange­stiegen, aber in den letzten Jahren stabil geblieben. Das Minis­te­rium für Öffent­liche Gesund­heit MSP (Minis­terio de Salud Pública) prä­sen­tierte Anfang Dezember 2011 eine Kam­pagne gegen die Dis­kri­mi­nie­rung von Men­schen, die mit HIV leben.

Zu dieser Gele­gen­heit erklärten Spre­che­rInnen von Gesund­heits­be­hörden und sozialer Orga­ni­sa­tionen, dass ein HIV-​infizierter Mensch eine Lebens­er­war­tung wie jeder andere haben könnte, wenn es recht­zeitig dia­gnos­ti­ziert und behan­delt würde. Gegen das größte Pro­blem gäbe es hin­gegen immer noch kein Heil­mittel: die gesell­schaft­liche Diskriminierung.

Der Uru­gu­ay­ische Arbeits­kreis für Publi­zistik (Cír­culo Uru­guayo de la Publi­cidad) rief die Kam­pagne kos­tenlos ins Leben. Sie kom­bi­niert das Bild einer Frau, eines Mannes und eines Mäd­chens mit Slo­gans wie „HIV tut nicht weh, deine Dis­kri­mi­nie­rung schon.“

Schwerer Zugang zur Behandlung

Die Basis der Kam­pagne bil­dete eine Studie, die mit der Unter­stüt­zung der Ver­einten Nationen für die Natio­nale Aids­kom­mis­sion aus­ge­ar­beitet wurde. _​Im Jahr 2010 regis­trierten vier soziale Orga­ni­sa­tionen regis­trierten 65 Anzeigen wegen Ver­let­zung der Per­sön­lich­keits­rechte, wie die Bera­tungs­stelle der Sozio­login Ana Sosa mit­teilte: die Ver­ei­ni­gung Sexu­eller Min­der­heiten in Uru­guay Amiseu (Aso­cia­ción de Mino­rías Sexuales del Uru­guay), die Ver­ei­ni­gung Asepo (Aso­cia­ción de Ayuda al Sero Posi­tivo), das Netz­werk von Men­schen die mit HIV leben und der Gesund­heits– und Arbeits­be­reich der Gewerk­schaft PIT-​CNT.

Juan José Meré, Refe­rent des Pro­gramms der Ver­ei­nigten Nationen zu HIV/​Aids, stellte die Daten vor und erklärte, 72 Pro­zent der Anzeigen bezögen sich auf den Gesund­heits­be­reich. Hier gebe es „Schwie­rig­keiten im Zugang zu Behand­lung und Pflege“ und „Mangel an Ver­trau­lich­keit“, was die gesund­liche Behand­lung behin­dere. 18 Pro­zent der Rekla­ma­tionen hingen mit Pro­blemen im Arbeits­be­reich zusammen, infolge von Ent­las­sungen, Ver­än­de­rung der Arbeits­be­din­gungen oder der For­de­rung eines HIV-​Tests, was eigent­lich ver­boten ist. Acht Pro­zent bezögen sich auf man­gelndes Ver­trauen in Leh­re­rInnen und Zen­tral­be­hörden oder Angst vor Restrik­tionen. Zwei Pro­zent der Anzeigen ent­fallen auf den juris­ti­schen Bereich. Unge­fähr 80 Pro­zent der Anzeigen aus dem Gesund­heits– und Bil­dungs­be­reich bezögen sich auf Fälle, die in öffent­li­chen Insti­tu­tionen auf­ge­treten seien.

Angst vor Stigmatisierung

Der Reprä­sen­tant von Amiseu, Pablo Nalerio, refe­rierte über das Stigma, mit dem die Men­schen mit HIV leben müssen. Er for­derte ver­bes­serte Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gnen, damit „die Ver­ant­wort­li­chen die Art und Weise über­ar­beiten, in der sie Men­schen mit HIV Behin­de­rungs­renten gewähren“, da diese sich ver­leugnen ließen. Zudem for­derte er, deren Rechte anzu­er­kennen und zu respektieren.

Die Erzie­herin María José Hernández sprach im Namen von Asepo und betonte, dass auf sozialer Ebene „ein Unter­schied zwi­schen Dis­kurs und dem wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt“ bestehe sowie dem kol­lek­tiven Ver­ständnis, das seit 30 Jahren vor­herr­sche. Sie erklärte, dass HIV-​infizierte Men­schen ihr Geheimnis nicht preis­geben würden, da sie sich stig­ma­ti­siert und dis­kri­mi­niert fühlten. Das hielte sie davon ab, sich zu orga­ni­sieren und ihre Rechte ein­zu­for­dern. Aus dem­selben Grund würden andere erst gar keinen Test machen, was ihnen letzt­lich schaden würde. Hernández for­derte die „Bereit­stel­lung neuer Medi­ka­mente mit weniger Toxi­zität und weniger Neben­wir­kungen“. Das MSP solle dafür sorgen, dass diese an pri­vaten Insti­tu­tionen ver­fügbar seien.

Quelle:- NPLA– poonal – Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf dem womblog​.de. Besten Dank!

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