Uru­guay: Stadt­müll schä­digt Klima – Welt­bank unter­stützt Initia­tive gegen Methangas

Freitag, 20. Januar 2012 | Uruguay |

Von Inés Acosta– Mon­te­video – IPS

Montevideo-MüllhaldeAuf einer Müll­de­ponie in der uru­gu­ay­ischen Haupt­stadt Mon­te­video setzen die Abfälle der rund 1,3 Mil­lionen Ein­wohner große Mengen Methan frei. Im Früh­jahr soll nun eine moderne Ver­bren­nungs­an­lage in Betrieb gehen, die das Kli­magas noch vor Ent­wei­chen in die Erd­at­mo­sphäre auf­fängt. Die Hälfte der durch die ver­rin­gerte Frei­set­zung der Emis­sionen gene­rierten Emis­si­ons­zer­ti­fi­kate wird die Welt­bank kaufen.

Die Anlage soll bis März fer­tig­ge­stellt werden, wie Jorge Alsina von der Abtei­lung für Umwelt­ent­wick­lung in der Stadt­ver­wal­tung von Mon­te­video bekannt gab. Ein Jahr lang wird die ver­ant­wort­liche Firma ‘Abor­gama S.A.’ testen, ob die Anlage die an sie gestellten Erwar­tungen erfüllt.

Täg­lich werden etwa 2.200 Tonnen Fest­ab­fälle auf der Müll­de­ponie Felipe Car­doso im Süd­osten der Stadt abge­laden, gepresst und ver­graben. Dadurch muss das Gelände für die Müll­la­ge­rung immer weiter ver­grö­ßert werden. Ende der neun­ziger Jahre wurden am Rande der Deponie zwei Anlagen zur Müll­ent­sor­gung wegen Über­fül­lung geschlossen. Der Unrat türmt sich inzwi­schen 40 Meter hoch auf. Diese Abfälle setzen Methangas frei.

»Das Methangas wird künftig in Schächten gespei­chert und über Rohre in die neue Anlage geleitet, in der es dann gerei­nigt und ver­brannt wird«, erläu­terte Manuel Luengo von der Welt­bank. Bei der Ver­bren­nung ent­steht zwar Koh­len­di­oxid (CO2), doch ist es weniger kli­ma­schäd­lich als das Methan, das Experten zufolge 25 Mal mehr zum Treib­haus­ef­fekt bei­trägt als das durch die Ver­bren­nung fos­siler Brenn­stoffe erzeugte CO2.

Der Leiter der Abtei­lung für Umwelt­ent­wick­lung der Stadt Mon­te­video, Juan Canessa, erklärte, dass der feste Abfall nach der Strom­er­zeu­gung in Mon­te­video der zweit­größte Ver­ur­sa­cher kli­ma­schä­di­gender Emis­sionen ist. Des­wegen hätten die Stadt und die Welt­bank ein gemein­sames Pro­jekt zur Ver­rin­ge­rung der Kli­ma­gas­emis­sionen ver­ein­bart, ergänzte Luengo.

Ver­trags­gemäß wird die Welt­bank 377.500 Emis­si­ons­zer­ti­fi­kate erwerben. Dies ent­spricht der Hälfte des Wertes, der durch die Reduk­tion der Kli­ma­gase im Zeit­raum 2012 bis 2017 ange­strebt wird. Geht die Rech­nung auf, wird die Welt­bank auch die übrigen Zer­ti­fi­kate kaufen. Luengo wies aller­dings darauf hin, dass die bis­he­rigen Pro­jekte zur Redu­zie­rung der Depo­nie­gas­emis­sionen hinter den Erwar­tungen zurück­ge­blieben sind.

Energie aus Methangas

Das auf­ge­fan­gene Methan kann auch in Energie umge­wan­delt werden. Nach Angaben von Canessa hat sich ein ent­spre­chendes Abkommen aber noch nicht kon­kre­ti­siert. Alles Wei­tere hänge nun davon ab, wie viel Gas sich tat­säch­lich spei­chern lasse.

Die Stadt­ver­wal­tung von Mon­te­video treibt noch ein anderes Pro­jekt voran, das die Abfall­ver­wer­tung ver­bes­sern soll. Noch im Januar soll mit dem Bau einer Anlage zur Ent­sor­gung von Flüs­sigab­fällen begonnen werden. Außerdem sind zwei wei­tere Werke geplant, in denen jeweils gefähr­li­cher Indus­trie­müll und Haus­ab­fälle ver­nichtet werden sollen.

Die Behörden von Mon­te­video sind zugleich besorgt über den Zustand der Deponie Felipe Car­doso. Alsina schätzt, dass der Platz für den Müll nur noch bis 2018 rei­chen wird. Canessa wie­derum ist zuver­sicht­lich, dass sich die Abfall­berge durch Müll­tren­nung ver­klei­nern lassen.

Auf der Deponie ist bereits ein 60-​köpfiges Arbeits­team damit beschäf­tigt, täg­lich zwi­schen zehn und 14 Lkw-​Ladungen Müll zu sor­tieren. Die Müll­berge werden von Hand durch­sucht, weil es keine geeig­neten Maschinen gibt, wie der Vor­sit­zende der Koope­ra­tive Felipe Car­doso (Cofeca), Richard Rod­ri­guez, berichtet. »Wir kämpfen gegen die Verschmutzung.«

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