US-​Justiz gnadenlos

Sonntag, 04. März 2012 | Kuba |

René Gon­zález möchte zu seinem schwer erkrankten Bruder nach Havanna. Washington beharrt auf Aus­rei­se­verbot. Von André Scheer – jun­ge­Welt

René González mit seinen Töchtern Irma und Ivette am Gefängnis von Marianna in Florida Foto: Cuba DebateSeit Oktober ist René Gon­zález auf freiem Fuß, nachdem er 13 Jahre in den USA im Gefängnis gesessen hatte. Der 55jährige Kubaner war ver­ur­teilt worden, weil er zusammen mit seinen Genossen rechts­ex­tre­mis­ti­sche Grup­pie­rungen in Miami unter­wan­dert hatte, um Atten­tate in seiner Heimat zu ver­hin­dern. Vier seiner Mit­streiter sitzen noch immer im Gefängnis und ver­büßen Haft­strafen, die bis zu zweimal lebens­läng­lich reichen.

Inter­na­tional sind sie als »Cuban Five« oder »Miami 5« bekannt geworden, in ihrer Heimat werden sie als Helden ver­ehrt, die das Land vor Ter­ror­an­schlägen beschützt haben. Obwohl Gon­zález aus der Haft ent­lassen wurde, darf er drei Jahre lang die USA nicht ver­lassen, so eine der von Bun­des­rich­terin Joan Lenard im Oktober ver­hängten Bewäh­rungs­auf­lagen. Am 24. Februar haben Gon­zález und sein Rechts­an­walt Philip R. Horo­witz jedoch bean­tragt, ihm aus huma­ni­tären Gründen doch eine Reise nach Havanna zu gestatten. René Gon­zález fürchtet um seinen Bruder Roberto. Dieser ist an Krebs erkrankt und wurde in ein Kran­ken­haus in der kuba­ni­schen Haupt­stadt ein­ge­wiesen. Seine Ärzte schätzen seinen Zustand als sehr ernst ein. Die beiden Brüder waren auch in den Jahren, in denen René im Gefängnis saß, eng ver­bunden. Roberto gehörte zu Renés Ver­tei­di­ger­team und konnte ihn am 7. Oktober am Gefäng­nistor abholen.

Bis Freitag, eine Woche nach der Antrag­stel­lung, hatte sich Rich­terin Lenard noch nicht zu der Bitte um eine huma­ni­täre Aus­nah­me­re­ge­lung geäu­ßert. Dar­aufhin sah sich René Gon­zález gezwungen, seinem Bruder einen Brief zu schreiben. Das Inter­net­portal Cuba­de­bate ver­öf­fent­lichte den Wort­laut dieses Schrei­bens: »Wenn die Bedin­gungen regulär wären, müßte ich dir diese Dinge per­sön­lich sagen können, und manche müßte ich nicht einmal aus­spre­chen«, heißt es in dem Brief. »Dieser Kampf mit ver­schränkten Armen gegen eine Krank­heit, die dich zu ver­schlingen ver­sucht, müßte für dich voll­kommen aus­rei­chend sein. Aber zu dieser kommt noch der Kampf gegen eine noch viel töd­li­chere mensch­liche Krank­heit, den Haß.« Dieser Haß ver­hin­dere, daß René seinen Bruder in den Arm nehmen könne. »Der Haß, der mich damit quält, mich nicht mit all denen, die dich lieben, an deiner Betreuung betei­ligen zu können und der es ver­hin­dert, (deiner Frau) Sary und den Kin­dern zu helfen.«

Seit seiner Haft­ent­las­sung hält sich René Gon­zález an einem unbe­kannten Ort in den USA auf. Neben den Jus­tiz­be­hörden wissen nur wenige Ver­bin­dungs­leute, wo er sich genau befindet. Der Grund dafür sind Dro­hungen, die Gon­zález aus Kreisen der anti­ku­ba­ni­schen Grup­pie­rungen in Miami erhalten hat und die von seinen Ver­tei­di­gern sehr ernst genommen werden. Die Gefahr für Leib und Leben war des­halb bereits Anfang Februar, vier Monate nach der Haft­ent­las­sung, ein zen­trales Argu­ment seiner Anwälte, um bei Rich­terin Lenard eine Auf­he­bung des Aus­rei­se­ver­botes zu bean­tragen. So habe die erz­re­ak­tio­näre Repu­bli­ka­nerin Ileana Ros-​Lehtinen, eine der eif­rigsten Ver­fech­te­rinnen eines harten Kurses gegen Kuba im US-​Repräsentantenhaus, auf ihrer Home­page Lügen über Gon­zález ver­breitet, wonach dieser »nord­ame­ri­ka­ni­sches Blut an den Händen« habe.

Sein Man­dant sei jedoch kein Mörder oder Gewalt­täter, »und das ein­zige Blut, das er je an der Hand hatte, stammte von einem Schnitt beim Rasieren«, unter­strich Horo­witz. Durch solche Lügen werde jedoch die Stim­mung gegen ihn weiter auf­ge­heizt, wes­halb er in unmit­tel­barer Gefahr sei. »Die 13 Jahre im Gefängnis waren wirk­lich schlimm. Die vier Monate getrennt von seiner Frau, seinen Töch­tern, seiner Familie, seinen Eltern und seinem Hei­mat­land jedoch sind eine Belei­di­gung«, kri­ti­sierte der Rechts­bei­stand. Doch auch nach fast fünf Monaten in schein­barer Frei­heit zeichnet sich für René Gon­zález keine Ver­bes­se­rung ab.

Mit freund­li­cher Abdruck­er­laubnis der jun­ge­Welt. Danke dafür!

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