“Wirk­liche Straßenschlachten”

Freitag, 24. Februar 2012 | Chile |

Im Süden Chiles eska­lieren die Pro­teste gegen hohe Lebens­mit­tel­preise. Polizei schießt auf Demonstranten

Puerto-AysenOrga­ni­sa­tionen und soziale Bewe­gungen in Chile haben am Mitt­woch gegen das bru­tale Vor­gehen der Mili­tär­po­lizei gegen Ein­wohner der Region Aysén im Süden Chiles pro­tes­tiert, nachdem es dort am Dienstag zu schweren Aus­ein­an­der­set­zungen zwi­schen den Cara­bi­neros und Demons­tranten gekommen war. Seit Tagen pro­tes­tieren die haupt­säch­lich vom Fisch­fang und der Land­wirt­schaft lebenden Ein­wohner von Aysén gegen die hohen Preise, die sie für Lebens­mittel, Benzin, die Gesund­heits­ver­sor­gung und Bil­dungs­ein­rich­tungen bezahlen müssen.

Diese werden vor allem durch die Ent­fer­nung vom Zen­trum des süd­ame­ri­ka­ni­schen Landes ver­ur­sacht. Des­halb for­dern sie von der Regie­rung in San­tiago de Chile einen Min­dest­lohn, der die hohen Lebens­hal­tungs­kosten im Süden des Landes berück­sich­tigt, sowie eine Sen­kung der Kraft­stoff­preise. Von Staats­chef Sebas­tián Piñera sehen sich die Men­schen im Stich gelassen. Des­halb besetzten sie zeit­weilig den ein­zigen Flug­hafen der Region und blo­ckierten damit unter anderem den Trans­port von Fischen in die großen Städte des Landes. Dar­aufhin waren am Wochen­ende Chiles Gesund­heits­mi­nister Jaime Maña­lich und sein für das Trans­port­wesen zustän­dige Kol­lege Pedro Errázuriz nach Aysén gereist.

Die Ver­hand­lungen mit den Ver­tre­tern der Bevöl­ke­rung blieben jedoch ergeb­nislos.
Der örtliche Rund­funk­sender Radio Bío Bío berich­tete am Dienstag (Orts­zeit) von zahl­rei­chen Ver­letzten und Fest­ge­nom­menen. Die Poli­zisten seien auch in die Kran­ken­häuser ein­ge­drungen, um Demons­tranten, die dort behan­delt wurden, abzu­führen. Die chi­le­ni­sche Stu­den­ten­ver­ei­ni­gung CON­FECH infor­mierte, ein Beamter habe aus weniger als zwei Metern Ent­fer­nung ein Gum­mi­ge­schoß auf einen pro­tes­tie­renden Ein­wohner abge­feuert, der im Gesicht getroffen wurde und ein Auge ver­loren habe. Von einer »wirk­li­chen Stra­ßen­schlacht« sprach Bischof Luis Infanti, der die Reak­tion der Regie­rung auf die legi­timen For­de­rungen der Bevöl­ke­rung scharf kritisierte.

Quelle: — PL/​jungeWelt

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